Jun 052017
 

Im zweiten Teil meiner Artikelserie zu den großen Bunkern in der Region Pas de Calais stelle ich Euch heute die V3-Festung von Mimoyecques vor. Von hier aus sollte im Zweiten Weltkrieg aus 50 140 Meter langen Kanonenrohren das 160 Kilometer entfernte London beschossen werden.

blog-17.jpg

Heute ist die V3-Festung ein Museum. saarzwerg und ich haben uns in ihrem Inneren tief im Berg umgeschaut. Kommt mit auf die virtuelle Reise in die V3-Festung von Mimoyecques …

Wir starten kurz nach neun Uhr am Morgen in Calais. Die V3-Festung liegt in der Nähe der Ortschaft “Landrethun Le Nord”. Bis dahin benötigen wir eine gute halbe Stunde über die Autobahn. Da wir die Festung etwas zu früh erreichen, suchen wir zunächst noch einen Geocache: Bei dem Tradi “VIA FRANCIGENA # 6 MIMOYECQUES” in der Nähe werden wir schnell fündig.

Immer noch etwas zu früh erreichen wir den Parkplatz des V3-Bunkers. An seiner Einfahrt stehen die Überreste einer alten Kanone – mehr Rost als Kanone.

blog-16.jpg

Vor dem Eingangstor, welches um diese Zeit noch geschlossen ist, vertreiben wir uns die Zeit mit dem Studieren der großen Informationstafel, die viersprachig gestaltet ist. Zum Glück ist auch deutsch dabei.

blog-19.jpg

Das Gelände rund um die ehemalige Festung ist heute ein Naturschutzgebiet. Die Hohlgänge des Bunkers sind sehr beliebt bei Fledermäusen.

Dann ist es soweit – zwei Autos mit französischen Kennzeichen parken unmittelbar vor dem Tor. Es sind Angestellte des Museums. Kurze Zeit später öffnet auch der Ticketverkauf. Dieses Museum ist noch eins der günstigsten – wir zahlen nur 5,50€ pro Person und werden noch auf die Rabattkarten für die anderen Museen hingewiesen. saarzwerg übernimmt die Kommunikation – ihr Französisch ist viel besser als meines. Als die Angestellten sehen, dass wir uns bemühen, kommen wir ins Gespräch – sogar mit ein paar Brocken Deutsch!

Im Inneren der Festung sind es so um die 12°C – daher kann man am Ticketverkauf auch warme Pullis leihen – eine schöne Idee, die ich bisher sonst so noch nie gesehen habe.

Es gibt keine Führung – wir dürfen uns frei in dem V3-Bunker von Mimoyecques bewegen. Inzwischen wurde auch das große Rolltor am Eingang geöffnet, durch das wir nun die Festung betreten.

blog-20.jpg

Für das Museum ist “nur” der obere Hohlgang erschlossen. Er war als Eisenbahntunnel zur Versorgung der Festung geplant. An der Wand hängen große Informationstafeln, die die Geschichte dieser Festung erläutern. Zum Glück ist auf dem überwiegenden Teil der Tafeln die deutsche Übersetzung zu finden.

blog-21.jpg

An der Seite des Hauptstollens sehen wir an einigen Stellen so etwas wie Bahnsteige. Dort konnten wohl die Eisenbahn-Waggons mit dem Nachschub entladen werden. Etwas weiter kommen wir an diesem großen Schiffsdiesel vorbei, der die Festung mit Strom versorgen sollte.

blog-22.jpg

Dann kommt eine Informationstafel, die erklärt, wie die Festung früher ausgesehen hat. Links seht Ihr die schiefen Schächte, in denen jeweils fünf Kanonenrohre von 140 Metern Länge angebracht werden sollten. Jeweils fünf diese Schächte sind pro Seite geplant gewesen – in Summe also 50 Kanonen.

blog-23.jpg

Die Festung hatte eine obere Ebene mit dem Haupteisenbahnstollen und eine untere, die durch einen Aufzugschacht mit der oberen verbunden war. Die untere Ebene der V3-Festung Mimoyecques ist heute nicht mehr zugänglich.

Vom Hauptstollen zweigen einige Seitenstollen nach links ab. Diese sind nicht mit Beton verkleidet.

blog-24.jpg

Die Festung Mimoyecques wurde durch alliierte Bomberangriffe zwischen November 1943 und Mai 1944 sehr stark beschädigt. In einem der eingestürzten Seitenstollen wurde ein Denkmal für die getöteten allierten Bomberbesatzungen eingerichtet.

blog-25.jpg

Wir folgen nun auf unserem Rundgang einem Seitenstollen bis zum Ende. Dort ist der Weg nach links von einem großen Gitter versperrt. Dahinter liegt ein ziemlich zerstörter Teil der Festung mit mehreren Deckeneinbrüchen. Es ist kaum vorstellbar, dass wir hier doch Einiges an Berg über uns haben und trotzdem die von den Allierten eingesetzten Tallboy-Bomben solch eine Sprengkraft hatten, dass selbst hier unten die Betondecke geborsten ist.

blog-26.jpg

Wir erreichen nun einer der schrägen Schächte, in dem die Vergeltungswaffe drei (V3) installiert werden sollte. Dieser ist eingestürzt und komplett mit Sand und Schutt zugelaufen. Das Museum hat hier einen Nachbau eines ehemaligen V3-Kanonenrohrs platziert.

blog-27.jpg

Die Informationstafel gegenüber stellt einen deutschen Bauplan aus, der zeigt, wie die Montage dieser Kanonenrohre vom Kaliber 15cm geplant war. Rückblickend nach meiner Ansicht ein kompletter Wahnsinn: Der Aufwand von 120.000 Kubikmeter Beton steht in keinem Verhältnis kleine Geschosse im Kaliber 15cm auf London schießen zu können.

blog-31.jpg

Der nächste Kanonenschacht hat noch eine Öffnung zur Oberfläche: Am Ende dringt Licht herein.

blog-28.jpg

Keiner der Schrägschächte hat die allierten Angriffe und die spätere Zerstörung durch britische Pioniere instakt überstanden. Heute werden die Hohlgänge auch von Tieren genutzt. Bei unserem Beuch sind uns diese Fledermäuse aufgefallen, die sich weder von Licht noch von den Besuchern stören lassen.

blog-30.jpg

Gegen Ende unseres Rundgangs kommen wir an diesem Mahnmal vorbei, welches an die vielen Zwangsarbeiter erinnert, die beim Bau dieser Festung ihr Leben lassen mussten.

blog-32.jpg

Dabei war das alles komplett sinnlos – wie so oft im Krieg! Diese Festung wurde nie in Betrieb genommen. Die ersten alliierten Bomberangriffe führten zunächst dazu, dass der westliche Teil der Kanonen wegen der großen Zerstörungen aufgegeben wurde. Der Angriff im Juli 1944, bei dem drei Tallboy-Bomben zum Einsatz kamen, erledigte dann den Rest bevor die Festung auch nur einen einzigen Schuss abgeben konnte. Bei diesem Angriff wurde die 80 Meter tiefer liegende untere Ebene zerstört, als eine der Tallboy-Bomben durch einen Kanonenschacht bis nach unten fiel und dort explodierte.

blog-34.jpg

Nach dem Kriegsende wurden große Teile der Festung von britischen Pionieren (ohne die französischen Behörden darüber in Kenntnis zu setzen) gesprengt – zu groß war die Angst der Briten, Russland könnte Europa überrennen und die Festung nutzen …

blog-36.jpg

Wir erreichen das Ende unseres Rundgangs: Durch den Hauptstollen geht es nun wieder zurück ans Tageslicht. Vor dem Tunneleingang liegt noch eine der Stahlabdeckungen, die einen Kanonenschacht mit seinen fünf 15cm-Rohren schützen sollte. In der Mitte erkennen wir noch gut die fünf Mündungslöcher.

blog-38.jpg

Für unseren gemütlichen Rundgang und das Lesen fast aller Informationstafeln haben wir eine gute Stunde benötigt. Das Museum ist gut gemacht und bietet nicht zu viel Informationen. An einer Stelle wird ein kurzer Film gezeigt.

Auf der Webseite des Museums findet Ihr die Öffnungszeiten, Eintrittspreise und weitere Informationen.

** ** ** ** **

Wie hat Euch dieser virtuelle Rundgang gefallen? Wie immer freue ich mich über Eure Kommentare unter diesem Artikel!

** ** ** ** **

Falls Euch dieses Thema interessiert, dass schaut doch mal in den Artikel “Geocaching & Sightseeing: Die großen Bunker im Pas de Calais“, dort findet Ihr alle Links zu verschiedenen Bunkern, die ich Euch vorstellen möchte.

Facebooktwittergoogle_pluspinterest

 Antworten

(notwendig)

(notwendig)

Translate »