Nov 092018
 

Für die Rückfahrt vom Mega GeoBretzel suchte ich mir eine Strecke durch die Vogesen aus. Unterwegs hielt ich an der Gedenkstätte Hartmanswillerkopf. Aus einem kurzen Stopp ist eine zweistündige Tour durch das ehemalige Schlachtfeld des Ersten Weltkriegs geworden.

Kommt mit auf die virtuelle Reise zum Hartmannswillerkopf, über die Gedenkstätte und durch Bunker und Schützengräben, die die Sinnlosigkeit des Krieges dokumentieren!

 

 

Die Gedenkstätte und der Soldatenfriedhof

Kurz vor der Mittagszeit erreiche ich den Parkplatz der Gedenkstätte an der Route des Crêtes. Trotz des tollen und sonnigen Herbstwetters ist kaum was los. Eigentlich will ich nur einen kurzen Blick auf den Soldatenfriedhof werfen, als ich auf dem Weg dorthin dieses Schild entdecke.

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Es zeigt einen ausgeschilderten Rundgang. Ich entschließe mich zumindest der ersten Schleife zu folgen. Bevor ich mich auf den Weg mache, gehe ich zum Soldatenfriedhof. Am Eingang des Friedhofs befindet sich die Gedenkstätte mit der Krypta. Sie ist eines von vier französischen Nationaldenkmälern, die an den Ersten Weltkrieg erinnern.

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Leider ist sie über Mittag geschlossen und so kann ich nur einen Blick durch die Gitter ins Innere erhaschen.

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Auf der Gedenkstätte befindet sich ein goldener Sarkophag mit den Wappen von französischen Städten.

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Von der Gedenkstätte hangabwärts in Richtung der Bergkuppe Hartmannswillerkopf liegt der französische Soldatenfriedhof. Auf ihm und im Beinhaus der Gedenkstätte sind über 12.000 Soldaten beigesetzt.

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Auf dem Friedhof finde ich auch dieses Grab eines muslimischen Soldaten, der für Frankreich sein Leben gelassen hat.  Sein Grabstein, der sich nahtlos zwischen den anderen Kreuzen einreiht, hat für mich eine starke Aussage: Er gehört dazu – er war einer von Ihnen!

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Manche Kreuze sind geschmückt – hier mit einer „Erinnerungs-Mohnblume“, die weltweit als Symbol für die Gefallenen aus den beiden Weltkriegen gilt.

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Ich verlasse den Friedhof am unteren Ausgang Richtung Hartmannswillerkof.

 

Die französischen Befestigungen

In den letzten Jahren des Ersten Weltkrieges zog sich die Frontlinie  von Südosten quer über den Hartmansvillerkopf nach Nordwesten. Der Nationalfriedhof liegt auf der französischen Seite. Am Waldrand startet der Rundweg. Teilweise führt mich der Weg durch ehemalige Schützengräben, die an einigen Stellen durch Informationstafeln in Französisch und Deutsch erklärt werden.

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Ab und an liegen neben dem Weg die Überreste der alten Infanteriesperren. Hier ein „Schweineschwanz“ mit Stacheldraht …

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… und die Reste eines Spanischen Reiters, ebenfalls wieder mit verrostetem Stacheldraht.

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Dann gabelt sich der Weg. Ich wähle den „Umweg“ über den Sermet, eine kleine felsige Bergkuppe, die von den französischen Soldaten befestigt und unterhöhlt wurde. Eine Infotafel erklärt die Unterstände, in denen sich die Soldaten bei feindlichem Artilleriefeuer in Deckung bringen konnten.

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An einem Felsabbruch ist ein Beobachtungsposten eingerichtet. Das Dach besteht aus dicken Holzstämmen, die mit Eisenblechen verstärkt wurden.

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Von dort hat man einen herrlichen Blick Richtung Norden über die bewaldeten Vogesengipfel.

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Weiter unten finde ich schon die nächste kleine Befestigung. Auch hier wurde mit Baumstämmen gearbeitet, die auf Eisenbahnschienen gelagert wurden. Hier wurde alles verbaut, was verfügbar war und zumindest etwas Schutz geboten hat.

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Hier reiht sich eine Befestigung an die nächste. Ein Tafel informiert über die Unterhöhlung des felsigen Gipfelplateaus. Es gibt viele Zugänge zum Labyrinth der unterirdischen Gänge. Dieser hier ist fest verschlossen, da dahinter ein tiefer Brunnen liegt, in den die Touristen stürzen könnten.

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Ich folge nun nicht mehr dem ausgeschilderten Weg, sondern nehme die Abkürzung zum Gipfel des Hartmannswillerkopf, wo ein großes Kreuz aufgestellt wurde.

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Ich spaziere etwas den Hügel hinunter und komme zu der vordersten französischen Befestigungslinie. Dort ist ein gepanzerter Beobachtungsposten aufgestellt. Wenn die Türen geschlossen sind, fühlt sich der Beobachter bestimmt wie in einem Schrank eingeschlossen.

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Daneben befindet sich ein Schützengraben und davor eine Infanteriesperre aus Stacheldraht und Spanischen Reitern in Richtung der deutschen Befestigungen.

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Ich wechsele die Seite vom Weg und stehe unmittelbar vor der ehemaligen deutschen Frontlinie. Unvorstellbar, wie wenig diese beiden Linien von einander entfernt waren.

 

Die deutschen Befestigungen

Auf der anderen Seite vom Weg sehe ich zwei betonierte Stellungen. Hier sind Eisenbahnschienen, Steine und Beton zu erkennen. Schaut für mich irgendwie stabiler aus als die „Holzdächer“ der französischen Stellungen, die ich bisher auf meinem Rundgang sehen konnte.

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Hinter den Stellungen beginnt ein gemauerter Schützengraben, der oft eine Biegung macht. Schließlich sollte ein eindringender Feind nicht die komplette Länge des Grabens einsehen können oder in der Lage sein auf kompletter Länge durchschießen zu können.

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Ich laufe durch den Graben. Rechts (in Richtung der französischen Linien) geht ein Gang zu einer gemauerten Stellung ab. Von hier konnte der Gegner aus der Deckung beschossen werden.

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Manchmal ist der Schützengraben überdacht. Oft gibt es rechts und links kleine Schutzräume …

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… oder Stellungen mit Schießscharten.

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Ich spaziere weiter durch den Schützengraben. Wegen der vielen Biegungen verliere ich langsam die Orientierung. Nach einer gefühlten Unendlichkeit erreiche ich den unteren Ausgang des Schützengrabens, der mich zu einem Forstweg führt. Laut der Karte auf meinem Smartphone befinde ich mich nun an der östlichen Hangseite vom Hartmannswillerkopf. Dort hatte die deutsche Armee verschiedene Gebäude für Kasernen und Lager errichtet.

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An einigen Stellen wurden Stollen in den Berg getrieben, um weiteren – vor Artilleriebeschuss sicheren – Raum zu schaffen.

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Diese Hangseite ist steil. Bedingt durch das steile Gelände war diese Stelle nicht so leicht von den französischen Kanonen zu treffen.

Ich folge weiter dem Forstweg. Von hier habe ich eine tolle Aussicht in die Rheintiefebene Richtung Deutschland. Im Hintergrund kann ich die Umrisse des Schwarzwaldes erahnen.

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Wegen dieser schwierigen Geländeverhältnisse hat die deutsche Armee hier eine Seilbahn errichtet, um Munition, Baumaterial und Verpflegung aus dem Tal beischaffen zu können.

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In einem Stollen kann ich heute noch die großen Zahnräder der Bahn sehen.

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Dort sollte auch der Tradi „Achtung Seilbahn #3“ zu finden sein – leider habe ich kein Glück und suche vergeblich. Einen Tag später wird er wieder gefunden – da hab ich mich wohl irgendwie doof angestellt?

Gleich nebenan ist noch ein weiterer Stollen  – laut der Informationstafel war hier ein Kompressor untergebracht.

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Auch hier sind im Inneren noch einige große verostete Metallteile zu sehen.

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Inzwischen ist der Forstweg in einen Pfad übergegangen, der immer felsiger und steiler wird. Ich nähere mich dem Denkmal des französischen Infanterie-Regiments 152, welches in den Felsen installiert wurde.

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Von der Seite ist es besonders gut zu sehen und in der Ferne die bewaldeten Hügel der Vogesen. Eine schöne Stelle für ein Denkmal.

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Ich folge dem Pfad bis ganz nach oben. Ich stehe nun vor dem Aussichtsgipfel, auf dem ein großes weißes Kreuz montiert ist.

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Von hier geht der Rundweg erneut  bergan zum großen Kreuz auf dem Gipfel des Hartmannswillerkopfes. Überwiegend verläuft er in Schützengräben, die an einigen deutschen Bunkern vorbeiführen. Einen schaue ich mir genauer an: die Feste Grossherzog.

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Am Eingang hängt keine Absperrung – ich darf hinein. Durch einen Gang gelange ich in einen großen Raum. Eine Ecke ist besonders gepanzert und hat oben eine Öffnung. Ich vermute hier einen Beobachtungsposten.

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Es gibt noch einen zweiten Raum. Von dort führt eine Treppe nach unten, der ich folge. Ich komme in den Keller des Bunkers. Hier ist es schon recht dunkel – ich nutze mein Smartphone als Taschenlampe und entdecke, dass in diesem Raum noch eine weitere Treppe tiefer in den Berg führt. Da auch hier keine Absperrung zu sehen ist, steige ich die schmale und steile Treppe hinab. Sie ist lang. Nach einiger Zeit erreiche ich einen Tunnel, der rechts einen verschütteten Eingang mit Tageslicht erahnen lässt und nach links in ein Höhlensystem übergeht. Wegen der Enge ist hier Schluss für mich und ich gehe wieder zurück.

Ich folge weiter dem Rundweg und laufe um den Bunker herum. Außen finde ich die Stahlplatte mit der kleinen Öffnung, durch die wohl ein Periskop herausgeschaut hat.

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Kurz vor dem Gipfel komme ich am Bremer Ratskeller vorbei.

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Das war wohl ein Unterstand oder Materiallager. Mit Wellblech wurde der runde Raum geschaffen und anschließend mit Beton ausgegossen. Kurz danach erreiche ich wieder das Gipfelkreuz und laufe über den Soldatenfriedhof zu meinem Auto zurück.

 

Weiterführende Links

Hier noch einige Links zum Thema:

 

Mein Fazit

Am Ende war ich von diesem historischen Ort so fasziniert, daß ich entgegen meiner ursprünglichen Planung doch fast den kompletten Rundweg abgelaufen bin. Hier gibt es echt viel zu sehen und zu entdecken. Mitten in die tolle Landschaft der Vogesenhügel haben sich Schützengräben und Bunkersystem in den Boden „gefressen“. Mehr als 30.000 Soldaten beider Seiten haben hier ihr Leben gelassen.

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Wenn Ihr Euch für Geschichte interessiert, so möchte ich Euch einen Besuch am Hartmannswillerkopf ans Herz legen. Zum Museum kann ich leider nichts sagen, da ich es nicht besucht habe. Für einen Besuch möchte ich Euch mindestens vier bis fünf Stunden empfehlen, damit Ihr Euch in Ruhe alles anschauen könnt.

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Wie hat Euch diese virtuelle Reise über den Hartmannswillerkopf gefallen? Seid Ihr selbst schon dort gewesen? Wollt Ihr mal dahin? Wie immer freue ich mich über Euren Kommentar unter diesem Artikel!

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  Eine Antwort zu “LP: Der Hartmannswillerkopf in den Vogesen”

  1.  

    Das Museum war okay, für die 5 Euro Eintritt schadet ein Besuch sicher nicht. Da ich einige Wochen vorher aber in Verdun im Museum war, war ich doch etwas enttäuscht.

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