Jun 272018
 

Über Ostern besuchten saarzwerg und ich das zu der Maginotlinie gehörende Artilleriewerk Schoenenbourg in der Nähe von Weissenburg im Elsass. Diese Maginotfestung ist inzwischen ein Museum, welches liebevoll von einem Verein gepflegt wird.

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Im Inneren ist es fast vollständig ausgestattet. Kommt mit auf die virtuelle Reise durch die G.O. Schoenenbourg!

 

 

Die Gros Ouvrage Schoenenbourg

Viele der ehemaligen Bunker und Festungen der Maginotlinie sind inzwischen verlassen oder gar verschlossen und übererdet. Das Artilleriewerk Schoenenbourg ist eines der wenigen, welche als Museum hergerichtet wurden und zu besichtigen sind. Ihr findet das Werk etwa acht Kilometer südlich von Weissenburg (Wissembourg) und 36 Kilometer westlich von Karlsruhe.

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Die Öffnungszeiten der Maginotfestung findet Ihr auf deren Webseite. Die G.O. Schoenenbourg besteht aus sechs vorgelagerten Kampfblöcken und zwei rückwärtigen Eingangsblöcken (jeweils für die Mannschaften und das Material). Der größte Teil des Werkes liegt jedoch 17 bis 30 Meter unter der Erde und besteht aus Kaserne, Kraftwerk, Lagerräumen, Wasserversorgung und Verbindungsstollen. Im unterirdischen Teil der Festung gibt es einen ausgeschilderten Rundgang, auf dem Ihr Euch frei bewegen dürft. Ein Fotografierverbot habe ich nicht gesehen.

 

Geocaches

In der Nähe der Gros Ouvrage Schoenenbourg gibt es derzeit nur einen Tradi. Er liegt hinter dem Manschaftseingang im Wald an einem umgestürzten Baum. Als wir die Dose an Ostern gesucht haben, war sie in einem schlechten Zustand. Der Tradi heißt: „Ouvrage Maginot – Schoenenbourg„.

 

Die Kampfblöcke von Außen

Vom Geocache suchen wir uns einen Weg durch den Wald in Richtung der vorgelagerten Kampfblöcke. Das ist keine so gute Idee, da wir uns stellenweise querfeldein einen Weg suchen müssen. Manchmal ist es recht matschig. Irgendwann erreichen wir den offiziellen Wanderweg, der aber auch nicht in besserem Zustand ist.

An manchen Stellen wurde eine Informationstafel aufgestellt, die einige Erklärungen zur Festung und den Blöcken liefert.

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Vom Parkplatz am Materialeingang bis zu den vorgelagerten Kampfblöcken laufen wir einen guten Kilometer durch den Wald. Am Waldrand angekommen eröffnet sich uns ein weiter Blick auf die Umgebung.

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Von dort ist es nicht mehr weit bis zu der eingezäunten Wiese, in der sich die Kampfblöcke befinden. Auch hier finden wir Informationstafeln, die uns erklären, was wir hier sehen.

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Insgesamt gibt es sechs Kampfblöcke, von denen bei den mittleren nur die Betondecke samt Kuppeln und Türmen aus der Wiese herausragt. So waren sie für den Feind schlecht zu treffen und kaum zu zerstören.

Der rechte und linke Block ist als Kasematte ausgeführt und hat eine Betonwand an der Seite, die parallel zur Linie ausgerichtet ist. Diese Kasematten waren mit einem MG und einer Panzerabwehrkanone bewaffnet und hatten die Aufgabe die Flanken der Festung zu schützen.

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Ingesamt hat die Festung vier dreh- und versenkbare Panzertürme: je zwei mit einer 7,5 cm Haubitze, einen mit einem 8,1cm Granatwerfer und einen Zwillings-MG-Turm. Diese waren um 360° drehbar und konnten bei Gefahr und bei Feindbeschuss eingefahren werden.

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Ein Kampfblock ist eingezäunt – hier habe ich mich gefragt, warum? Ich könnte mir vorstellen, dass dieser bei Führungen ausgefahren wird und es dann natürlich gefährlich wäre, wenn gerade ein Besucher des Außenbereiches am Turm wäre.

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Ich mache noch ein paar Bilder von den Kuppeln. Eine war als Beobachtungskuppel ausgeführt.

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Von hier hatten die Beobachter früher sicher den gleichen guten Blick auf das Umland wie ich heute auch!

 

Der unterirdische Teil der Maginotfestung

Der Höhepunkt unseres Besuches ist der Rundgang durch das „Innenleben“ dieser Maginot-Festung. Der Eintritt kostet derzeit 8€ pro Erwachsenem. Für den Rundgang solltet Ihr Euch mindestens zwei Stunden Zeit nehmen. Bitte beachtet, dass die Festung eine Mittagspause hat. Ihr solltet Eure Ankunft für den Beginn der jeweiligen Öffnungszeit planen.

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Wir betreten die Gros Ouvrage Schoenenbourg durch den Materialeingang. Hier wurden früher die Verpflegung, die Munition und sonstige Dinge mit einer Schmalspurbahn in das Werk gebracht. Kurz hinter dem Eingang komme ich an dieser Panzertür vorbei, von der ich ein Foto machen muss!

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Vom Eingangsblock geht es nun nach unten. Ihr könnt die Treppen nehmen oder so wie wir mit dem Fahrstuhl nach unten fahren. Unten angekommen geht es durch den Haupttunnel in Richtung der Kaserne. Auf dem Boden liegen die Schienen für die Festungseisenbahn. An der Biegung erkenne ich den Bunker, der den Eingang zu den unterirdischen Bereichen der Gros Ouvrage Schoenenbourg schützen sollte.

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In einer kleinen Seitennische entdecken wir eine kleine Kapelle.

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Unser Rundweg ist gut ausgeschildert. Selbst auf Strecken, die wir vor und zurück laufen müssen, sehen wir immer nur das Schild, welches uns den richtigen Weg weist. Auch ohne jemals eine Maginotfestung gesehen zu haben, kann man sich hier unten nicht verlaufen.

 

Die Küche

Als Erstes betreten wir die Mannschaftsküche. Hier wurden früher 500-600 Soldaten verpflegt und das mit drei Mahlzeiten täglich. Die Küche funktioniert komplett elektrisch, was für die damalige Zeit sehr fortschrittlich war.

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Nebenan finden wir das zugehörige Vorratslager. Es ist gut bestückt mit Konserven und eingemachtem Gemüse und Früchten. Sogar Maggi gab es damals schon, wie Ihr unten rechts im Bild sehen könnt.

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Im nächsten Raum finden wir das Weinlager. In großen Fässern wurde Rotwein gelagert. Der gehört nun mal in Frankreich zum Essen dazu.

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Ich habe mal gelesen, dass einem Soldaten pro Mahlzeit ein Viertelliter zugestanden hat.

 

Das Kraftwerk

Wir spazieren weiter über den Rundweg und kommen zum Kraftwerk.

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Zunächst laufen wir an einer Werkstatt vorbei. Die großen Motoren mussten ja regelmäßig gewartet und repariert werden.

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An der Wand hängt noch eine Anzeige mit Leistung und Spannung, die gerade produziert wird.

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Ein Raum weiter steht ein Transformator und an den Wänden Spannungswandler. Hier konnte der Strom, der für den Betrieb der Festung Schoenenbourg notwendig war, auf die notwendigen Spannungen transformiert werden.

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Wir kommen den Motoren immer näher. Am Eingang zur Motorenhalle hängen große Schraubenschlüssel.

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In der Halle stehen vier große Dieselgeneratoren. Zwei waren für den Betrieb des Werkes ausreichend, sollte die Stromversorgung von außen zerstört worden sein. Die Festung konnte so mehrere Monate ohne Versorgung von außen überleben.

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Im nächsten Raum befinden sich die großen Luftfilter, die mögliche Angriffe mit Giftgas neutralisieren sollten und mittels Kohlefilter die Luft reinigen konnten.

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Obwohl die Festung ihren eigenen Strom erzeugen konnte, waren alle Anlagen im Werk so ausgelegt, dass sie notfalls auch von Hand betrieben werden konnten.

 

Die Kaserne

Wir erreichen den Unterkunftsbereich der Soldaten. Ein Aufenthaltsraum ist mit den Wappen von verschiedenen Einheiten geschmückt.

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Der nächste Raum ist mit Stockbetten aus Metall gefüllt. Die Soldaten waren auf drei Ebenen untergebracht.

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Im nächsten Raum bekommen wir eine gute Vorstellung, wie das damals gewesen sein muss: Der Raum ist mit Puppen und Ausrüstungsgegenständen „vollgestopft“ – die Soldaten hier unten mussten sich sicher wie in einem U-Boot gefühlt haben.

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Etwas besser erging es den Offizieren. Sie hatten eine eigene Küche und mussten auch nicht in den Massenunterkünften schlafen.

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In diesem Werk waren sogar einige wenige Duschen vorhanden.

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Bei 500-600 Mann Besatzung war aber sicher nicht an eine tägliche Dusche zu denken …

 

Die Krankenstation

Im Kasernenbereich befindet sich ein Lazarett. Dieses ist wie üblich mit einem roten Kreuz ausgeschildert.

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Im Behandlungsraum steht eine große Krankenliege. Hier konnten auch Operationen ausgeführt werden. Die im Kampf verletzten Soldaten konnten sofort in der Festung versorgt werden.

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Im Raum daneben wurden die Kranken gepflegt. Es gibt ein Einzelbett und einen kleinen Schrank pro Patient.

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In einem anderen Raum lagern das Verbandsmaterial, die Medikamente und weitere Dinge, die für die Pflege notwendig waren.

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Danach verlassen wir den Kasernebereich und wenden uns wieder dem Hauptstollen zu.

 

Der Kommandoposten

Nun müssen wir ein wenig durch den langen Hauptstollen laufen. Das Material wurde früher mit der Festungsbahn durch diesen Stollen transportiert.

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Etwa auf halber Strecke zwischen der Kaserne und den Kampfblöcken befindet sich der Kommandoposten. Die wichtigste Grundlage zum Treffen guter Entscheidungen ist eine umfassende Information. In der Telefonzentrale liefen alle Informationen von den verschiedensten Stellen zusammen.

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Es gibt einen eigenen Raum, oder sagen wir besser ein eigenes Büro, für den Offizier im Kommandoposten. Ausgestattet mit Bett, Schreibtisch und Schreibmaschine.

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Im großen Raum davor wurden die Befehle für die einzelnen Kampfblöcke erstellt und übermittelt.

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Wir verlassen den Kommandoposten und laufen weiter auf unserem Rundweg in Richtung der Kampfblöcke.

 

Die Kampfblöcke

Insgesamt ist es ein guter Kilometer vom Eingangsblock bis zu den vorderen Blöcken. Die Abzeigungen sind mit beleuchteten Schildern ausgestattet.

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Wir erreichen den Eingang zu einem Kampfblock. Wir passieren zwei schwere Panzertüren. Der Block konnte hermetisch von der Festung abgeriegelt werden.

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Die Deko im Treppenhaus finde ich persönlich etwas fragwürdig – hier liegt ein Skelett mit einem französischen Stahlhelm auf dem Schädel.

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Im unterirdischen Teil des Kampfblockes gibt es am Boden Schienen für die Festungsbahn und Laufkräne an der Decke. Hier konnte die Munition von den Wagons entladen und in den Magazinen verstaut werden. Mit einem Aufzug wurde die Munition dann zum oberen Teil des Blocks hinaufgefahren.

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Wir steigen die vielen Treppen hinauf, um den oberen Teil zu besichtigen. Das ist recht mühsam. Oben angekommen werfen wir einen Blick auf den Panzerturm. Zum Feuern wurde er ausgefahren und bei Beschuss eingefahren. In diesem Zustand war er kaum zu zerstören.

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An der Wand befindet sich ein Kasten mit einer runden Skala und einem Zeiger. Dieses Instrument wurde genutzt, um der Besatzung des Panzerturms ihre Befehle zu übermitteln.

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Auch dies erinnert wieder an ein Schiff.

Damit sind wir mit unserem Rundgang fast am Ende. Aber nur fast, denn nun steht der lange Rückweg durch den Hauptstollen an. Kurz vor dem Erreichen des Eingangsblocks kommen wir an dieser Festungsbahn vorbei. Sie ist mit historischen Munitionskisten belanden.

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Früher gab es hier zwei Aufzüge, um die Wagons und Material in die und aus der Festung zu schaffen. Der rechte wurde in einen Besucheraufzug umgebaut.

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Mit dem fahren wir bequem nach oben und erblicken das Tageslicht wieder!

 

Mein Fazit

Ich habe in der Vergangenheit schon einige Maginot-Festungen und -Bunker besucht. Bei dieser hier gefällt mit die Möglichkeit auf einem ausgeschilderten Rundgang in meinem Tempo das Werk kennenzulernen. Es gibt unterwegs viele Informationstafeln, die einen Besucherführer nicht vermissen lassen. Neben der G.O. Hackenberg ist die G.O. Schoenenbourg die meiner Meinung nach beste und interessanteste Maginotfestung, die ich bisher besichtigen konnte.

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Wie hat Euch meine virtuelle Führung durch die G.O. Schoenenbourg gefallen? Habt Ihr selbst schon eine Maginot-Festung besucht? Wenn ja, welche und wie hat sie Euch gefallen? Wie immer freue ich mich auf Eure Kommentare unter diesem Artikel.

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