Geocaching lebt von physischen Schätzen – Geocoins, Trackables, Woodies. Jetzt bringt das HQ mit „Shareables™“ ein neues digitales Sammel-Feature ins Spiel. Klingt erstmal spannend, hat aber einen großen Haken: den Preis.
Im Beitrag schaue ich mir die Ankündigung genau an und versuche mich kritisch damit auseinanderzusetzen. Schaut doch mal rein!
Einleitung
Geocaching hat sich in seinen 25 Jahren Bestehen immer weiterentwickelt: weg von der reinen Suche nach der klassischen Filmdose im Wald, hin zu einem facettenreichen Hobby. Wir alle kennen und lieben den Austausch von physischen Gegenständen wie Geocoins und Holzmünzen (Woodies) – sie sind das haptische Herzstück unserer Community. Mittlerweile wurden diese Sammelgegenstände durch digitale Souvenirs und Treasures ergänzt.
Im aktuellen Newsletter stellt das HQ nun ein weiteres Feature vor: Shareables™. Als Blogger und leidenschaftlicher Geocacher habe ich mir die offizielle Ankündigung genauer angesehen. Mein Fazit vorab: Ich bin skeptisch. Im Folgenden nehme ich die neue Funktion kritisch unter die Lupe.
Kurz gesagt: Shareables sind individuelle digitale Kunstwerke, die Spieler selbst in einem speziellen Grafik-Editor der Geocaching-Webseite erstellen, sammeln und im Spiel teilen können. Sie sollen Meilensteine, gefundene Caches, Haustiere oder ein Lieblingsabenteuer feiern.
Geteilt werden können diese digitalen Bildchen auf drei Wegen:
- In Person: Direkt über die hauseigene Geocaching-App (iOS und Android ab Version 10.14.1+) via Bluetooth oder QR-Code.
- Beim Loggen: Als digitales Geschenk im Cache-Log eines Finders für den Owner.
- Als Cache-Verknüpfung: Ein Owner verknüpft ein Shareable mit seinem eigenen Cache. Wer diesen findet und loggt, bekommt das Shareable automatisch in seine Sammlung.
Der technische Zwilling: Ein Déjà-vu zu den Treasures
Wer sich auf der neuen Shareables-Webseite umschaut, dem fällt sofort etwas auf: Das Ganze wirkt technisch der Webseite der kürzlich eingeführten Treasures verdammt ähnlich. Fast so, als hätte man das Grundgerüst der Treasures-Plattform eins zu eins übernommen, um nun das nächste digitale Sammel-Feature aufzuspielen. Statt echter Innovation bekommen wir hier also alten Wein in neuen Schläuchen – der jetzt sogar noch etwas kosten soll.
Die kostenpflichtige Variante des klassischen Banners?
Besonders die Möglichkeit, ein Shareable mit einem eigenen Cache zu verlinken, lässt mich stutzig werden. Im Grunde ist das nichts anderes als eine kostenpflichtige, restriktive Variante des klassischen Profil-Banners.
Seit jeher gehört es zur Tradition beim Geocaching, dass Owner für besondere Runden oder anspruchsvolle Caches ein eigenes Banner gestalten. Mit ein bisschen technischem Geschick kann heute jeder Geocacher völlig kostenlos ein solches Bild erstellen, den HTML-Code im Listing hinterlegen und Findern erlauben, sich das Abzeichen stolz auf der eigenen Profilseite einzubinden.
Mit den Shareables versucht das HQ nun, diese etablierte, kostenlose Community-Tradition zu kommerzialisieren. Wer seinen Findern künftig ein digitales Souvenir direkt über das HQ-System anbieten möchte, wird de facto gezwungen, für diese „offizielle“ Banner-Alternative zu bezahlen.
Der Knackpunkt: Das Abo-Modell und die unverschämten Preise
Sammeln ist für alle kostenlos – auch ohne aktives Abo bleiben erhaltene Shareables in der Sammlung. Für das Erstellen und Teilen wird jedoch kräftig zur Kasse gebeten. Und nein: Shareables sind nicht in der Premium-Mitgliedschaft enthalten.
Wer eigene Shareables fertigstellen und im Spiel nutzen möchte, braucht ein zusätzliches, kostenpflichtiges Shareables-Abonnement. Premium-Mitglieder erhalten zwar einen Rabatt, doch die jährlichen Preise haben es in sich:
- 2 fertige Shareables: $9.99/Jahr für Premium-Mitglieder (Basis-Mitglieder: $11.99)
- 5 fertige Shareables: $11.99/Jahr für Premium-Mitglieder (Basis-Mitglieder: $14.99)
- 10 fertige Shareables: $14.99/Jahr für Premium-Mitglieder (Basis-Mitglieder: $17.99)
Die Preise können je nach Region, Währung und Steuern variieren. Schade, dass im deutschen Blogbeitrag zu den Shareables keine Euro-Preise zu finden sind.
Meine Meinung zu den Kosten: Völlig überzogen!
Sprechen wir Klartext: Knapp 15 Dollar im Jahr – für Premium-Mitglieder! – für gerade einmal 10 eigene Shareables ist meiner Meinung nach viel zu teuer. Über die Preise bei den kleineren Mengen von 2 oder 5 Stück für 10 bzw. 12 Dollar brauchen wir erst gar nicht zu reden. Das steht in keinem Verhältnis zu dem, was man am Ende bekommt: die Erlaubnis, ein paar Byte an Pixelgrafiken auf einem HQ-Server abzulegen und zu teilen.
Viel wichtiger finde ich die Frage: Warum muss das überhaupt ein Abonnement sein? Wenn ich einen physischen Trackable auf die Reise schicke, kaufe ich mir einmalig einen Tracking-Code – ganz ohne Abo-Verpflichtung. Warum bietet man digitale Shareable-Lizenzen nicht genauso als Einmalkauf an? Ein Abo-Modell für statische Grafiken aus einem Baukastensystem wirkt wie eine künstliche Barriere, um Spielern dauerhaft das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Das HQ begründet diesen Schritt damit, eine „weitere Einnahmequelle“ erschließen zu wollen, um die normale Premium-Mitgliedschaft so erschwinglich wie möglich zu halten. Für mich hinterlässt das trotzdem einen faden Beigeschmack von reiner Geldmacherei.
Weitere kritische Fragen, die wir uns stellen können
1. Wo bleibt der Bezug zum echten Geocaching?
Geocaching lebt von der Natur, dem Suchen und dem physischen Abenteuer. Schon in der Vergangenheit gab es Diskussionen über rein digitale Features wie Souvenirs und Treasures. Digitale Bildchen gegen jährliche Gebühren zu erstellen, entfernt das Spiel ein weiteres Stück von seinen Wurzeln. Ersetzen leblose Pixel bald das stolze Gefühl, eine echte Geocoin oder zumindest eine Woodcoin in den Händen zu halten?
2. Technische Einschränkungen zum Start
Wer gehofft hat, die neue Funktion nahtlos in seinen gewohnten Workflow zu integrieren, wird enttäuscht: Zum Start wird es keine In-App-Benachrichtigungen über empfangene Shareables via Drittanbieter-Apps (API-Partner) geben. Man ist gezwungen, die offizielle App oder Website zu nutzen. Der API-Zugriff für Partner soll zwar künftig erweitert werden, doch zum Start nutzt das HQ offenbar wieder die Gelegenheit, die hauseigene App voranzubringen.
3. Einmal festgelegt, immer festgelegt
Wer ein Shareable erstellt, sollte sich sicher sein: Laut Ankündigung können Design und Name nach der Fertigstellung nicht mehr geändert werden. Wer sich vertippt oder später ein schöneres Foto findet, hat Pech gehabt – oder muss im schlimmsten Fall ein neues Kontingent seines teuren Abos opfern.
Gibt es auch positive Aspekte?
Fairerweise muss man sagen, dass das HQ an einige Komfort- und Sicherheitsfunktionen gedacht hat:
- Opt-Out-Möglichkeit: Wer mit dem Feature nichts anfangen kann, kann die Sammlung von Shareables in den Einstellungen komplett deaktivieren oder Benachrichtigungen ausschalten.
- Spam-Schutz: Unliebsame oder unangemessene Shareables können gemeldet, ausgeblendet oder unwiderruflich gelöscht werden (ein gelöschtes Shareable kann allerdings nicht wiederhergestellt werden).
- Überraschungseffekt: Premium-Mitglieder können zwar gezielt nach Caches mit verlinkten Shareables filtern, das genaue Design bleibt auf der Cache-Detailseite jedoch bis zum Loggen für alle eine Überraschung.
Zu meiner Überraschung habe ich bei einer kurzen Suche festgestellt, dass es schon jetzt weltweit 522 Geocaches gibt, bei deren Log sich ein Shareable sammeln lässt.
Bei mir in der Region betrifft das Caches des Owners Minz, der auch als Reviewer Tupperman unterwegs ist. Ich vermute daher, dass ausgewählte Geocacher bereits vom HQ die Erlaubnis erhalten haben, die neuen Shareables zu erstellen und einzusetzen – offenbar läuft im Hintergrund längst ein stiller Testlauf, bevor das Feature für alle verfügbar ist.
Mein Fazit: Braucht die Community das?
Das HQ versucht hier sichtlich, nach den Treasures ein weiteres digitales Sammel-Ökosystem aufzubauen. Für kreative Köpfe, die gerne Meilensteine visualisieren oder ihren Findern eine kleine digitale Freude bereiten wollen, mag das eine nette Idee sein.
Die Umsetzung als eigenständiges, teures Abonnement ist jedoch völlig misslungen. Anstatt bewährte, kostenlose Community-Traditionen wie die selbst gestalteten Profil-Banner zu respektieren, versucht man hier, ein kostenpflichtiges Alternativsystem zu etablieren. Wer für ein paar Pixel jährlich zur Kasse gebeten wird, obwohl bewährte Konzepte wie Trackables zeigen, dass es auch ohne Abo geht, wird sich zweimal überlegen, ob er mitmacht.
Ob sich das Feature durchsetzt oder wie Blei in den Regalen liegen bleibt, wird die Zeit zeigen. Bis zum 31. Dezember 2026 lockt das HQ immerhin noch mit einer exklusiven „Founding Creator“-Designvorlage für alle, die das Geld trotzdem ausgeben wollen.
Obwohl ich persönlich ein Fan von Souvenirs und Treasures geworden bin – für die Shareables werde ich aktuell wohl kein Geld ausgeben.
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Was denkt ihr darüber? Reizt euch das neue, kostenpflichtige Shareable-System oder werdet ihr sie boykottieren? Schreibt es mir in die Kommentare!







Ich sehe hier auch zwei Aspekte:
Zum Einen kann dieses Spiel so herrlich auf verschiedenste Arten gespielt werden. (FTF-Jagd, Flächen-Cleanen, Statistik-Cachen, Challenges erfüllen, ausgewählte Herausforderungen – Baum, Boot, Hund, Multi, Letterbox, spezielle Lieblingsowner, Livekarte aufmachen, … als mögliche Ziele)
Andererseits sollte es doch noch hinaus in die Natur (oder Stadt) gehen, ins echte Leben eben, um Abenteuer zu erleben. Ich vergesse nicht den ersten Falschkaugummi unter einer Bank, der mich fasziniert hatte! Dann noch die anspruchsvollen, hochdotierten Dosen (jedem fallen da Beispiele ein).
Diesen Shareables kann ich aber nichts von dem abgewinnen, was mich am Geocaching bisher begeistert: Dosen suchen, am besten noch mit Freunden!!
Ich werde nicht einen Cent für diese digitalen Pixelwerke ausgeben.
Das HQ bekommt schon Geld von mir für die Premium-Mitgleidschaft, das ist nachvollziehbar.
Eindeutiges NÖ zu Shareables!
Jeder wie er möchte, wer dafür Geld bezahlen möchte ok. Für mich eher nein, glaube, dass das eine Totgeburt ist. Es wird immer wieder ein paar geben, die das ausprobieren. Aber der große Teil wird das wohl nicht. Schön, dass man das auch u.a. in der App ausblenden kann.
Bin mir auch noch nicht so sicher was ich von dieser neuen Funktion halten soll.
Noch eine Verständnisfrage zum Preismodell (wahrscheinlich habe ich irgendwas überlesen): Angebommen ich kaufe mir 5 Shareables und verlinke diese mit meinen Caches und verlängere das Abo nach einem Jahr nicht. Was passiert dann? Werden dann meine Shareables automatisch gelöscht? Bleibe diese zumindest bei den Findern erhalten? Was passiert, wenn ich dann ein Jahr später wieder ein Abo abschließen. Kann ich dann die „alten“ Sharables wieder live nehmen oder muss ich wieder neue erstellen.
Und für die, die sammeln möchten: Ich habe gerade mal auf der Geocaching-Homepage nach allen von mir gefunden Caches gesucht, die einen Sharables enthalten. War erstaunt, dass das immerhin 9 Stück waren. Bei diesen kann man den Cache öffnen und sich direkt die Shareables abholen. Es funktioniert also auch mit Funden aus der Vergangenheit.
Ja, ich habe die Shareables kostenlos vom HQ erhalten. Ich finde die Idee grundsätzlich witzig, um die eigenen Caches etwas aufzuwerten und ihnen eine besondere Erinnerung mitzugeben.
Würde ich dafür Geld bezahlen? Eher nein, dafür sind mir die Credits aktuell zu teuer.
Es fehlen aus meiner Sicht noch ein paar wichtige Funktionen. Ein echtes KO-Kriterium ist, dass man nach dem Erstellen die Grafik nicht mehr ändern kann. Bei meinem Shareable zur Walddusche ist mir zum Beispiel erst nach der Veröffentlichung aufgefallen, dass der Coin zu klein geraten ist. Bei einem anderen Shareable hatte ich versehentlich den Hintergrund nicht transparent angelegt. Da man nichts mehr bearbeiten kann, müsste ich neue Credits kaufen und das komplette Shareable neu erstellen.
Sinnvoll fände ich auch, wenn man Erstellungs-Credits an Freunde verschenken könnte. Ich würde zum Beispiel 10 Credits kaufen und sie an verschiedene Cacheowner weitergeben, damit diese ebenfalls eigene Shareables erstellen können.
Schön wäre außerdem, wenn man die erhaltenen Shareables auf der eigenen Profilseite einbinden könnte. Oder habe ich diese Möglichkeit bisher nur übersehen?
Und ja, da war Groundspeak durchaus clever. Wie Jörg schreibt, ist das im Grunde eine kostenpflichtige Weiterentwicklung der klassischen Banner-Idee – nur eben direkt in Geocaching integriert.
Bin voll Deiner Meinung!
Langsam wird mir das schöne SUPER Hobby zu ALBERN.
Bin seit 2009 dabei.
Deswegen bin ich seit einem Jahr nur noch Basic.
Danke für den Beitrag.
Peter aka Kalterkuss
Mit einem Abo-Modell habe ich Schwierigkeiten. Gegen einen einmaligen Kauf, damit das Ding für immer mir gehört hätte ich ja nichts.
Ich könnte mir das gut vorstellen
– für meinen beliebtesten Cache
– immer wenn ich einen FP vergebe
– ein persönliches das Freunde/bzw. neue Begegnungen bekommen
Sollte HQ das anpassen, dann würde ich bestimm welche kaufen. So bleibt es beim Sammeln.
Bei der Ankündigungsmail habe ich schon große Augen bekommen. Die Anmerkungen von dir kann ich so unterschreiben. Ich habe mich schon bei den Treasures ausgeklinkt, denn ich möchte Dosensuchen und das im Wald oder sonstwo, reicht mir.
Wir werden dafür bestimmt kein Geld ausgeben. Zumindest sollte in der Mitgliedschaft davon ein oder zwei pro Jahr kostenlos sein.
Danke für den tollen ausführlichen Artikel dazu
Wie gewohnt eine umfassende Rezension mit dem neuesten Feature von Groundspeak. Allerdings verstehe die vielen negativen Kommentare nicht, die inzwischen im Netz kursieren. Niemand ist gezwungen, Geld für etwas auszugeben, das ihm nicht gefällt. Aber gönnt doch denjenigen, die Spaß an „Shareables“ haben, ihr Vergnügen. Unser gemeinsames Hobby hat so viele verschiedene Facetten. Manche lieben lange Power-Trails, während andere jedem FTF hinterherjagen; wieder andere bevorzugen Geocaches in den höchsten Baumwipfeln oder liebäugeln mit Unterwasser-Caches. Und da wir alle ja evolutionsbedingt entweder Sammler oder Jäger sein sollen: manche sammeln TB’s, andere „Woodies“ oder investieren hohe Summen in wunderschöne Coins…. Daher glaubt mir: es gibt auch Fans von Shareables. Bitte, lasst doch jeden nach seiner eigenen Fasson glücklich werden und uns alle gemeinsam Freude an unserem weltweiten Spiel haben.
Michael df8an