Von Genußcachern und Statistikern

Letztens habe ich von einer Geocaching-Bloggerin, die ich sehr schätze, einen Artikel zum Thema Regeln für Anfänger gelesen, der mich zum Nachdenken brachte.

In diesem Beitrag versuche ich für mich zu ergründen, wie strikt die Geocaching-Regeln einzuhalten sind und welche Konsequenzen Verstöße für einen selbst und die anderen Geocacher haben …

 

 

Der Beitrag von FerrariGirlNr1s

Im Artikel „Tipps für Anfänger: Foto-Fundlogs gehören sich nicht!“ versucht die Geocaching-Bloggerin FerrariGirlNr1s Anfängern die Regeln zu erklären und setzt sich kritisch mit den Fotologs auseinander.

Dazu schreibt sie richtig, das in den Geocaching-Regeln zu finden ist: „Du darfst Caches online als „Gefunden“ loggen, nachdem du die Koordinaten besucht und das Logbuch signiert hast.“ und dass es die Aufgabe der Owner ist, regelmäßig die Logbücher zu kontrollieren, um zu überprüfen, dass der Online-Log auch im Logbuch zu finden ist.

Als möglicher Grund für einen Fotolog wird der vergessene Stift angeführt. In ihrem Beitrag weist sie Owner darauf hin, dass sie diese Fotologger anschreiben und auf die Regeln hinweisen sollten. Ferner sollten sie sie bitten ihren Log zu löschen, da er nicht regelkonform sei.

Im weiteren Text lese ich noch, dass diese Art von Logs anderen den Spaß nehme und zudem den Owner Mehrarbeit bereite, da sie ja – nach den Regeln – hier tätig werden müssen.

 

Die Regeln heißen Guidelines

Natürlich hat FerrariGirlNr1s zu 100% Recht in der Auslegung der Regeln, so wie sie vom Geocaching-HQ definiert wurden und von Zeit zu Zeit aktualisiert werden. Wenn vier Leute zusammen Mensch ärgere Dich nicht spielen, würde es sicher den Spielspaß beeinträchtigen, wenn jeder einzelne nach seinen Regeln spielt. Daher hat man sich vor dem Spiel auf die Regeln verständigt.

Interessanterweise hießen diese Regeln früher Guidelines, was man mit Richtinien übersetzen kann und nicht Rules (of the Game), was man dann mit Regeln übersetzen würde. Aktuell habe ich im Helpcenter keinen dieser beiden Begriffe gefunden: Die Regeln oder Richtlinien werden einfach nur in einer sprachlich freundlichen Weise aufgelistet.

 

Wo liegt nun genau das Problem?

Nun, bei Spielen, bei denen die Regeln unbedingt eingehalten werden müssen, gibt es einen Schiedsrichter, der das Spiel begleitet und bei Konflikten entscheidet. Die Regeln sind eindeutig formuliert und Regelverstöße werden geahndet. Meist geht es bei solchen Spielen um ein Preisgeld oder einen irgendwie gearteten Gewinn und sei es nur der Aufstieg in die nächsthöhere Klasse.

Spitzfindige Zeitgenossen könnten nun einwenden, dass diese Schiedsrichterfunktion von den Mitarbeitern vom HQ wahrgenommen wird. In Streitfällen kann ich mich an eine Emailadresse wenden und um Hilfe bitten. Bei gehäuften und unrechtmäßigen Regelverletzungen („Logbetrug“) kann es auch schon mal vorkommen, dass ein Geocacher vom HQ für einen Monat gesperrt („locked“) oder auch in ganz seltenen Fällen ausgeschlossen („banned“) wird. Aber ich denke, wir sind uns alle einig, dass die Mitarbeiter vom HQ nicht beim Spiel dabei sind …

Wenn es nun keinen Schiedsrichter gibt, der das Geocaching begleitet, wie kann dann bei den Logs entschieden werden, ob sie rechtmäßig waren? Ich persönlich glaube, dass dies die falsche Frage ist! Die Frage ist für mich eher, ob es zwingend erforderlich ist, dass alle Geocacher nach den gleichen Regeln spielen müssen?

Wo liegt das Problem, wenn ein Geocacher mühsam die Koordinaten eines schweren Mysterys ermittelt und ein anderer sich die Koordinaten bei seinem Kumpel besorgt. Beide laufen zum Final und suchen den Geocache: der eine mit etwas Stolz den Geocache alleine gefunden zu haben und der andere mit dem Spaß am Suchen. Und beide handeln gemäß den Regeln!

Ein anderes Beispiel: Der eine läuft zum Tradi, sucht das schwierige Versteck und stellt fest, dass er seinen Stift vergessen hat und macht ein Fotolog. Der andere geht erst gar nicht zum Tradi und lässt sich von seinem Kollegen eintragen. Der Owner kontrolliert das Logbuch und stellt fest, dass nur der zweite (scheinbar) nach den Regeln gehandelt hat?

 

Und was ist mit der Statistik?

Schaue ich auf die Entwicklung von Geocaching in den letzten Jahren, so ist auffällig, dass die Statistik vom HQ aktiver „vermarktet“ wird. Als Beispiele möchte ich hier die neuen Funktionen zum Vervollständigen der Matrix, die Bestenliste der Freunde und die Unterstützung für project-gc nennen. Nach meiner Meinung wird die Statistik vom HQ mehr in den Vordergrund gestellt, um mehr Wettbewerb unter den Geocachern zu bewirken: Es ist toll, die meisten Geocaches gefunden, die meisten T5-Caches erklettert, die häufigsten Matrix-Rotationen geloggt zu haben.

Aber beruht nicht der „Wert“ der Statistik irgendwie auf einem Vergleich mit anderen? Wie wertvoll sind 1.000 Funde? Irgendwie besonders wird diese Zahl doch nur, wenn ich der Rinzige bin mit dieser „hohen“ Zahl. Aber wie kann ich sinnvoll Geocacher vergleichen, die nach unterschiedlichen Regeln spielen?

Was ist mit Team-Konten, die aus mehreren Personen bestehen? Was ist mit 1000-Mann starken Rätselgruppen in den sozialen Medien, die gemeinsam Mysterys lösen oder gar die Finalkoordinaten austauschen? Was ist mit dem Logservice des besten Kumpels, der mich einfach mit ins Logbuch schreibt? Was ist mit den Powertrail-Logbüchern, die beim Auslegen schon gut gefüllt sind? Was ist mit dem Aufteilen der Gruppe, um so „gemeinsam“ eine größere Fläche „abernten“ zu können?

Irgendwie erinnert mich das Ganze an die Tour de France – um „mithalten“ zu können, muss man selbst zu den „unerlaubten“ Mitteln greifen.

 

Meine Meinung zur Statistik!

All die oben beschriebenen Fälle sind meiner Meinung nach nicht zu verhindern und müssen meiner Meinung nach – im Gegensatz zur Tour de France – auch nicht verhindert werden!

Warum? Nun, weil die Statistik schon lange keine vergleichende Aussage mehr darstellt. Jeder spielt das Spiel, so wie es ihm gefällt. Solange er dabei unter dem Radar vom HQ fliegt, wird da auch nix passieren.

Mir persönlich ist es egal, wer meine Caches loggt. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass alle Powertrail-Owner regelmäßig Ihre Logbücher durchschauen, um die Online-Logs mit denen im Logbuch abzugleichen.

Was spielt es für eine Rolle, ob mein Nachbar 100, 1.000 oder schon 30.000 Geocaches geloggt hat oder ob er mehr oder weniger Geocaches als ich gefunden hat? Wenn ich ehrlich gegen mich selbst bin, dann absolut KEINE!

Und trotzdem pflege ich meine Statistik im Profil. Ist das nicht ein Widerspruch? Für mich nicht, da ich mich nicht mit den andern vergleichen will. Meine Intention ist eher eine eigene Buchführung zu haben, was ich bisher schon alles erlebt habe und welche Ziele ich mir persönlich für MEIN Spiel noch stecken möchte.

Mir ist wichtig, dass ich am Geocaching Spaß habe, dass ich raus in die Natur komme und hoffentlich bald wieder mit Freunden unterwegs bin. Das Erlebnis steht bei mir im Vordergrund und nicht die statistische Masse. Mehrere Stunden an einem Geocache wie „die Kinder des Buchbinders“ zu verbringen, bedeutet für mich mehr Spaß als in der gleichen Zeit 50 Tradies am Wegesrand geloggt zu haben.

Was wäre Geocaching, wenn im Profil keine Statistiken angezeigt werden und die Anzahl der Funde nur für einen selbst sichtbar wäre?

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So, nun nehme ich mir mein Popcorn und warte auf Eure Kommentare unter diesem Beitrag? Wie ist Eure Meinung zu diesem Thema?

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Saarfuchs

Jörg (Saarfuchs) betreibt Geocaching seit 2008. Sein besonderes Interesse galt zunächst Mysteries, dann den T5-Caches und mittlerweile den Lostplaces. Zu seinen Hobbies gehören Reisen, Fotografieren, Bergwanderungen und Hochtouren. Er geht weltweit auf Dosen-Suche und berichtet in seinem Blog regelmäßig mit vielen Fotos über sein “Geocaching” und damit verwandte Themen.

7 Kommentare:

  1. Deine Zusammenfassung „Meine Meinung zur Statistik!“ kann ich nur unterschreiben – ich sehe es genauso. Wichtig ist für mich, dass meine Statistik für mich aussagekräftig ist und bleibt. Die Statistik anderer Personen kümmert mich eher wenig, da sie für mich nicht aussagekräftig ist.

    Davon abgesehen, verschwimmen gemäß meiner Meinung die Grenzen, was genau „erlaubt“ oder „erschummelt“ ist.
    Jeder „Statistik- Kommissar“ sollte sich, bevor er die Statistik anderer Personen angreift, fragen, ob er selbst denn auch wirklich IMMER zu 100% alle Regeln, deren Verstoß er bei anderen zu erkennen glaubt, befolgt hat.

    Als Beispiele seien genannt:
    – Cachen im Team – war ich wirklich physisch an jedem Logbuch? Oder stand ich auch schon einmal 10 oder 20m entfernt und habe zum Fund nichts beigetragen?
    – habe ich wirklich JEDEN Mystery, insbesondere Puzzle-Caches selbst gelöst?
    – Habe ich wirklich zur Lösung JEDEN Multis beigetragen? Oder gab es auch schon mal einen Multi, bei dem ich nur körperlich anwesend war?
    – Habe ich wirklich JEDE Terrainwertung jeder Dose erfüllt? Oder hat mein Teamkollege meinen Namen bei einen einfachen T4er oben im Baum mit ins Logbuch geschrieben, während ich unten gewartet habe?

    Mir fällt dazu eine uralte Weisheit ein:

    „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein“

    • Eine Anmerkung noch zum „Fotolog“ – vor einigen Tagen spielte ich erfolgreich einen Multi, der auf meinem Garmin als aktiv gespeichert war. Am Final war zwar der Wirt, aber kein Logbuch vorhanden. Also machte ich ein Foto von dem Wirt, mit einer ECA, die mir zugeordnet werden kann. Beim online loggen am Abend sah ich, dass der Cache einen Tag vorher deaktiviert wurde, da Wespen im Wirt gesehen wurden.
      Ich hatte zwar bei meinem Besuch das kleine Wespennnest gesehen, es war jedoch leer. Ich informierte den Owner und er erteilte mir die Fotologfreigabe.
      Für mich ist das so vollkommen in Ordnung – und als Owner würde ich einem anderen Cacher ebenfalls die Freigabe erteilen.

  2. So einfach ist das Problem nicht, dass man sich einfach zurücklehnen kann und bei Popcorn auf die weitere Entwicklung wartet. Bleiben wir mal beim „Mensch ärgere Dich nicht“. Ist nämlich ein gutes Beispiel! Auch dieses Spiel wird in den Familien mit unterschiedlichen Regeln gespielt, das geht gut, solange alle diese Regeln kennen und akzeptieren. Kommen nun Kinder aus unterschiedlichen Familien zusammen kommt es schnell zu Streit über einzelne Regeln die unterschiedlich gespielt werden. Da hab ich schon erlebt, dass das ganze Spiel vom Tisch flog. 

    Und an dieser Stelle sind wir nun auch beim Geocaching angelangt. Nun könnte man ja sagen: „Lass doch jeder spielen wie er will!“. Doch dafür gibt es zu viele Berührungspunkte und es entsteht die Situation wie sie oben beim „Mensch ärgere Dich nicht“ beschrieben ist. Es entsteht Frust, Ärger oder sogar Gewalt. Da gibt es nicht nur böse Worte, sondern auch Zerstörungen von Caches. In machen Logs hab ich schon die Wut gelesen: „Hab keine Lust mehr, der geht jetzt ins Archiv!…“ oder ähnliches.

    Aber wo genau liegt das Problem?

    Es ist die unterschiedlichen Spielauffassungen der beiden Gruppen und die damit verbundenen Anforderungen an das Spiel. 

    Ich zähle mich zu den Genußcachern und finde ca. 250 Caches pro Jahr, da hat man andere Vorstellungen wie ein Cache aussehen soll, als ein Powercacher der sich vorgenommen hat 500 Caches an einem Tag zu finden. Also kurz gesagt unser Berührungspunkt sind die Caches. Nun gibt es sicherlich für beide Gruppen spezielle Caches. Doch es ist nicht so einfach diese auseinander zu halten. So trifft der Genusscacher auf lieblos versteckte Powerdosen und der Statistiker ärgert sich, dass ein scheinbar schneller Tradi doch ein raffiniertes Versteck hat und sieht sein angestrebtes Ziel, wegen der längeren Suche, schon gefährdet. Leider bedient das HQ scheinbar nur noch die Powercacher wie es die Einführung des Attribut Powertrail zeigt. Warum gibt es kein Attribut für Caches mit kulturellen, wissenschaftlichen oder geschichtlichen Hintergrund oder für Cachereihen die zusammen gehören aber kein Trail sind? Oder für Wandercaches? Oder…? Dann könnte man doch besser selektieren!

    Ein weiterer Berührungspunkt sind die Logeinträge. Ein Statistiker wird wohl für seine 500 Tagesfunde keinen individuellen Log schreiben! Dafür hat er gar nicht die Zeit. Im Gegensatz dazu erwarte ich als Cacheowner eines 12 km langen Cache der die Rekrutierung eines Braunkohletagebaus beschreibt und die Veränderungen in der Landschaft aufzeigt, schon ein paar Worte wie die Landschaft aus der Retorte nun wahrgenommen wurde. Da reicht mir ein: „Auf unserer heutigen Tour, schnell und gut gefunden“, nicht aus. Moment mal, der Cache dauert gut 2,5 bis 3 Stunden! Schnell? Außerdem muss man doch Fragen beantworten wozu man etwas kombinieren muss! Schön, dass das gut geklappt hat. Aber ist dies alles was du von diesem Cache mitgenommen hast? Dafür hab ich mir die Arbeit gemacht?

    So kommt auf beiden Seite immer wieder Frust auf und da müssen wir aufpassen, dass uns unser Spielfeld nicht um die Ohren fliegt, wie es oben beim „Mensch ärgere Dich nicht“ geschehen ist. Da helfen nur eindeutige Regeln und Spielleiter die darauf achten. Und das HQ muss auch Stellung dazu beziehen was nun Geocaching wirklich ist, soll es lehrreich sein und mir schöne Stellen zeigen, oder geht es nur um Punkte und Statistik? 

    Also wenn es nur noch darum geht die Statistik zu füllen und eine Challenge zu erfüllen, dann geh ich nur noch Wandern und spiele „Mensch ärgere Dich nicht“!

    Viele Grüße 

    Günter 

    PS. Nun könnte ich eine Tüte Chips gebrauchen!

  3. Da stimme ich Dir vollkommen zu und letztlich ist es ja die eigene Statistik, die man selbst fälscht.
    Ob man sich daran noch freuen kann?

  4. ¡hola!

    Ich hätte es nicht besser formulieren können.

    Saludos
    peter_55

  5. Toll zusammen gefasst, ich sehe das ganz genau so!

  6. Recht du hast 🤗!

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