Geocaching und Sightseeing in Usbekistan: Samarkand – die Perle des Orients (1/2)

Im vierten Teil meiner Artikelserie über unsere Erlebnisse auf der Reise über die große Seidenstraße nehme ich Euch mit nach Samarkand.  Die ehemalige Hauptstadt von Usbekistan gilt als die Perle des Orients.

Insgesamt verbringen wir zwei ganze Tage in dieser tollen Stadt, in der die meisten Sehenswürdigkeiten sehr dicht beieinander liegen. Auch zwei Geocaches können wir suchen und loggen. Kommt mit auf die virtuelle Reise durch Samarkand.

 

 

Der Registan-Platz

Unser erstes Ziel in Samarkand ist zugleich einer der schönsten Sightseeing-Punkte in ganz Samarkand, ja im ganzen Orient: der Registan-Platz.

Der große Platz wird von drei prächtigen Medresen begrenzt. Links seht Ihr die Ulugʻbek-Medrese, in der Mitte die Tilya-Kori-Medrese und rechts die Sher-Dor-Medrese. Das Ensemble von drei Medresen gilt als ein einzigartiges Beispiel der Kunst von Stadtbau und architektonischer Gestaltung des Hauptplatzes der Stadt. Alle drei sind mit sehr schönen Majolika verziert. Der Platz zwischen den drei Medresen ist abgesperrt und kostet Eintritt. Eine Fotogebühr wird bei unserer Gruppe nicht erhoben.

 

Die Ulugʻbek-Madrasa

Wir beginnen unsere Besichtigung auf der linken Seite. Die Ulugʻbek-Madrasa ist das älteste der drei Gebäude und wurde zwischen 1417 und 1420 gebaut. Rechts und links vom Pischtak ragen mächtige Säulen in den Himmel.

Ich betrete das Hauptportal und schaue gerade aus. Der direkt Weg in den Innenhof ist durch ein vergittertes Fenster versperrt. Die Nische ist toll verziert mit Keramiken (Majolika). Davor weist eine Tafel auf den Erbauer dieser Medrese hin: den Wissenschaftler Mirzo Ulugbek.

Im Hauptportal gibt es rechts noch eine Tür mit einem Gang, der uns in den Innenhof bringt. Rund um den Platz sind in zwei Stockwerken die kleinen Zellen für die Studierenden zu sehen.

Heute werden die ebenerdigen als Souvenir-Geschäfte genutzt. Wir schauen uns einen kleinen Keramikladen an. Sein Besitzer erklärt uns die Herstellung der Majolika, die bei dieser Medrese verwendet wurde: Da die verschiedenen Farben der Keramik bei verschiedenen Temperaturen gebrannt werden müssen, hat sich eine Technik entwickelt, bei der die einzelnen Farbelemente getrennt hergestellt, gebrannt und anschließend verklebt werden. So entsteht eine Art Mosaik.

Auf der Rückseite der Medrese gibt es einige größere Räume, die als Ausstellung hergerichtet wurden. Früher wurde dort unterrichtet. Die Decke eines Raumes ist besonders gestaltet: ein weißer Raum mit einer blauen Decke, die an das Firmament erinnert. Ulugbek hat sich sehr für die Sterne interessiert …

Damit geht unsere Führung durch die Ulugʻbek-Madrasa zu Ende. Von unserem Guide bekommen wir etwas Freizeit, die wir zum Heben des nahen Geocaches nutzen wollen. Auf dem Weg nach draußen komme ich dieses Mal auf der anderen Seite des vergitterten Fensters vorbei und kann diesen Blick zur gegenüberliegenden Medrese erhaschen …

Wir verlassen die Medrese …

 

Der Geocache

… und den abgesperrten Bereich. Der Tradi „Registan, Samarkand“ liegt hinter der Medrese – dazu müssen wir einmal komplett um das Gebäude laufen. Dank Spoilerbild ist die Dose schnell und gut zu finden.

Auf dem Rückweg zu unserer Gruppe stehen wir jedoch vor einem Problem – wir müssen die Ticketkontrolle passieren und das Gruppenticket ist bei unserem Guide. Mit etwas gutem Zureden und ein paar Erklärungen werden wir durchgelassen … da haben wir wieder Glück gehabt.

 

Die Sher-Dor-Madrasa

Inzwischen hat unsere Reisegruppe die Ulugʻbek-Madrasa verlassen und wir sammeln uns vor der Sher-Dor-Madrasa. Sie stammt aus dem siebzehnten Jahrhundert und hat einen Pischtak, auf dem zwei Tiger zu sehen sind. Bildliche Darstellungen sind im Islam eher unüblich.

Wir gehen hinein und schauen uns im Innenhof etwas um. Auf dem Eingangsgebäude sind rechts und links je eine große Kuppel zu sehen. Ansonsten ist diese zweigeschossige Medrese sehr ähnlich zu der Ulugʻbek-Madrasa.

Im hinteren Teil gibt es ein paar Geschäfte. Wir gehen in einen Laden für Musikinstrumente. Der Besitzer führt uns die verschiedenen Instrumente, die in dieser Region üblicherweise gespielt werden, vor und versucht anschließend seine CDs zu verkaufen.

Wir verlassen die Medrese wieder. Unser Guide nimmt uns noch mit in einen Teppichladen auf der Frontseite der Medrese. Der Laden befindet sich in einem besonderen Raum, welcher sehr prunkvoll verziert ist.

Stolz erzählt der Besitzer, dass hier sogar schon der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer einen Teppich eingekauft hätte.

 

Die Tilya-Kori-Madrasa

Unser Guide führt uns zum Eingang der dritten Medrese. Die Tilya-Kori-Madrasa ist ebenfalls zweistöckig und hat an den Seiten kleine Türme. Sie wurde Mitte des siebzehnten Jahrhunderts gebaut. Wie auch die beiden anderen, ist ihre komplette Front mit Majolika verziert. Statt der beiden Tiger sind hier auf dem Pischtak große Sonnen zu sehen.

Wir gehen hinein. Im großen Innenhof befindet sich auf der linken Seite eine große Moschee, die wir uns nun genauer anschauen.

Da die Moschee nicht mehr genutzt wird, dürfen wir hier unsere Schuhe anbehalten. Wow – hier komme ich aus dem Staunen nicht heraus: Die Innenräume sind vergoldet. Ich finde die blaue Keramik und das Gold passt wunderbar zusammen.

Im Nebenraum sind die Souvenirhändler untergebracht. Ein paar Schilder weisen daraufhin, dass hier auch mit der Karte bezahlt werden kann. Dementsprechend sind auch die Preise …

Bei Verlassen der Medrese fällt mir dieser schöne Ausblick auf – es ist der Haupteingang zu Medrese. Ich muss bestimmt fast eine Viertelstunde warten, bis mir dieses Bild mit nur wenigen Personen darauf gelingt.

Damit schließen wir unseren Besuch am Registan-Platz ab und nehmen einen Schleichweg: Unser Guide öffnet ein Gitter zwischen der Sher-Dor-Madrasa und der Tilya-Kori-Madrasa und führt uns durch einen kleinen Park zum Eingang der Fußgängerzone.

 

Die Fußgängerzone

Die Fußgängrzone von Samarkand ist die direkte Verbindung von dem Registan-Platz und der Bibi-Kanum-Moschee. Den Eingang Bildet ein großes Tor aus „Plastik“.

Auf der langen Geraden verkehren große Elektrotaxis, die die Touristen, die die Strecke nicht laufen wollen, von der Moschee zum Platz oder zurück. Entlang der Straße gibt es einige Restaurants, die zum Teil recht günstig und einfach sind. Es gibt Plov oder Manti (usbekische Maultaschen).

Unterwegs kommen wir an der Tourist-Info vorbei, die stilecht in einer Jurte untergebracht ist. Schon von weitem sind die großen Kuppeln der Moschee zu sehen.

 

Bibi-Khanum-Moschee

Vor der Moschee ist viel los: Touristen drängen sich dicht an der Kasse. Auch ich muss mich anstellen, da ich noch eine Fotografiererlaubnis benötige. Die kostet extra und ist natürlich nicht in unserem Rundreisepreis enthalten.

Der Pischtak ist riesig. Die Moschee war  im fünfzehnten Jahrhundert eine der größten und prächtigsten Moscheen der islamischen Welt. Sie wurde von Timur, der gerade erst zur mächtigsten Herrscher der islamischen Welt aufgestiegen war, in Auftrag gegeben. Wegen ihrer Größe gab es von Anfang an Probleme mit der Statik und nach und nach ist die Moschee langsam verfallen. Am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts wurden Teil der Moschee von der usbekischen Regierung wieder aufgebaut und restauriert.

Auf der rechten Seite ist das Gebäude mit der Kuppel begehbar.

Darin finde ich dieses tolle Gewölbe vor, welches hauptsächlich mit weißen Keramiken gestaltet wurde.

Ich verlasse das Gebäude wieder und gehe wieder zurück in den Innenhof. Dort steht ein großer Koranständer aus Stein.

Der dazugehörige Koran befindet sich in Museum in Taschkent und wir werden ihn auf unserer Reise noch sehen.

 

Der Siyob Bazaar

Direkt neben der Moschee gibt es einen großen Basar, auf dem so ziemlich Alles verkauft wird. Wir bekommen etwas Zeit um uns dort umzuschauen. Ich liebe es auf einem Markt in einem fernen Land herumzulaufen und zu fotografieren. Wir beginnen unseren Rundgang beim Gemüse.

In Samarkand gibt es auch einen asiatischen Anteil an der Bevölkerung. Von unserem Guide erfahren wir, dass daher sauer eingelegtes Gemüse nachgefragt wird.

Obwohl wir zum Probieren aufgefordert werden, trauen wir uns nicht so richtig. Wir schlendern weiter. Hier versucht ein wenig motivierter Verkäufer Granatäpfel an den Touristen oder die Einheimischen zu bringen.

Besonders interessant finde ich die verschiedenen Gewürze, die hier in großen Mengen und in den verschiedensten Farben angeboten werden. Allerdings solltet Ihr Euch auskennen – an kaum einem Stand finde ich ein Schild mit den Namen der Gewürze … für die Einheimischen ist wohl klar, um was es sich hier handelt!

Am nächsten Stand bleiben wir stehen. Ich rätsele zunächst, was ich hier sehe. Mit Händen und Füßen und ein paar Brocken Englisch seitens der Verkäuferin wird dann klar, was es ist: Zuckerkristalle um den Tee zu süßen. Hab‘ ich so auch noch nicht gesehen …

Unsere Freizeit neigt sich dem Ende und wir gehen zurück zu unserer Gruppe.

 

Das Gur-Emir-Mausoleum

Nach der Besichtigung des Basars steigen wir wieder in unseren Reisebus. Er bringt uns zu Timurs letzter Ruhestätte, dem Gur-Emir-Mausoleum. Auch hier muss ich mich zunächst an der Kasse anstellen, um eine Fotografier-Erlaubnis zu kaufen. Irgendwie geht mir das auf den Senkel …

Ich gehe zum Eingangsportal und warte – zum Leidwesen der Nachfolgenden – etwas, bis ich freie Sicht habe um dieses Foto machen zu können. Leider wollten die beiden Touristen nicht aus dem Bild gehen …

Zwischen dem Eingangsportal und dem Mausoleum gibt es einen großen Innenhof. Rechts und links des Platzes waren früher war hier eine Medrese und ein weiteres Gebäude. Über die noch vorhandenen Grundmauern sind die Ausmaße noch gut zu erkennen.

Unter der Kuppel befindet sich der Raum mit dem Kenotaph Timurs aus schwarzem Stein. Seine Gebeine sind in der Krypta darunter beigesetzt, die wir uns leider nicht anschauen.

Um den Leichnam Timurs rankt sich eine Legende. Am 19. Juni 1941 öffnen russische Wissenschaftler Timurs Grab und führen unter anderem eine Gesichtsrekonstruktion durch und stellen fest, dass er zu Lebzeiten gehinkt hat. Am 22. Juni 1941 überfällt Nazi-Deutschland die Sowjetunion. Angeblich soll derjenige verflucht sein, der Timurs Ruhe stört. Nach dem Überfall erfährt die Legende vom Fluch zunehmende Popularität. 1942 bestatten die russischen Wissenschaftler Timor nach islamischem Ritus erneut. Danach kommt die Kriegswende bei Stalingrad. Ebenfalls ein Indiz für den Fluch?

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Irgendwie ist dieser Bericht doch schon wieder (ich gelobe Besserung!) recht länglich geworden. Daher habe ich wieder entschieden ihn in zwei Teile aufzuspalten. Bleibt gespannt, was wir in Samarkand noch alles erleben und welchen Geocache wir noch suchen … Ich werde Euch Samarkand bei Nacht zeigen und dieses Mal eine (echte) Hotelempfehlung geben.

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Dieser Blogbeitrag ist Teil einer Artikelserie über unsere Rundreise über die große Seidenstraße durch vier Länder: Turkmenistan, Usbekistan, Kirgistan und Kasachstan. Den Übersichtsartikel mit den Links zu den anderen Beiträgen findet Ihr unter „Geocaching und Sightseeing an der großen Seidenstraße“ .

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Saarfuchs

Jörg (Saarfuchs) betreibt Geocaching seit 2008. Sein besonderes Interesse galt zunächst Mysteries, dann den T5-Caches und mittlerweile den Lostplaces. Zu seinen Hobbies gehören Reisen, Fotografieren, Bergwanderungen und Hochtouren. Er geht weltweit auf Dosen-Suche und berichtet in seinem Blog regelmäßig mit vielen Fotos über sein “Geocaching” und damit verwandte Themen.

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