Naht das Ende der Mysterys? – Eine Nachbetrachtung!

Ich bin ehrlich überrascht, auf wie viel Resonanz mein Blogbeitrag über das mögliche Ende der Mysterys gestoßen ist: Es gab in meinem Blog, wie auch auf Facebook und Twitter, viele Kommentare zu dem Script für das automatische Eintragen der geänderten Koordinaten.

In diesem Beitrag stelle ich Positionen der „beiden Gruppen“ gegenüber und versuche mich mit den jeweiligen Argumenten auseinanderzusetzen.

 

Die beiden Standpunkte

Ich glaube, dass ich grundsätzlich die Kommentare in zwei Gruppen einteilen kann:

  • Die Gruppe derer, die die Weitergabe von Lösungen als Verstoß gegen die „Spielregeln“ von Geocaching und damit als nicht erlaubt ansieht. In meinem Beitrag „Naht das Ende der Mysteries?“ habe ich ebenfalls diese Position vertreten.
  • Die andere Gruppe, die argumentiert, dass in den Spielregeln nur steht, dass der Geocacher im jeweiligen Logbuch eines Geocaches stehen muss, bevor er online loggen kann. Wie sein Name in dieses Logbuch gelangt, wäre nicht spezifiziert und damit wäre die Nutzung eines Scriptes zum Empfang und zur Weitergabe von Mystery-Lösungen in Ordnung.

Im Folgenden werde ich versuchen diese beiden Positionen genauer zu betrachten und mich mit den jeweiligen Argumenten auseinanderzusetzen. Dazu habe ich aus den Kommentaren zu meinem Beitrag (auf Twitter, Facebook und bei mir im Blog) einige Argumente, Stellungnahmen und Stimmungsäußerungen herausgegriffen und meine Meinung dazu aufgeschrieben.

 

Die Weitergabe von Lösungen verstößt gegen die Spielregeln

Der folgende Auszug aus einem Kommentar bringt es auf den Punkt:

Auf jeder großen Spieleplattform werden Cheater gebannt und gesperrt. nur bei Geocaching nicht. […] Das GC HQ täte gut daran mal hart durchzugreifen, Gründe gäbe es genug, u. a. massive Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen der Plattform.

Der Kommentator führt aus, dass die Weitergabe von Lösungen gegen die Nutzungsbedingungen von geocaching.com verstößt. Werfen wir dazu mal einen Blick in die selbigen, die sogar in deutscher Sprache verfügbar sind. Leider finde ich darin nicht wirklich etwas über die Art und Weise, wie Mysterys gelöst werden sollen. Ja schlimmer noch: Unter „2. Die Nutzung unserer Dienste / D. Nutzungsbeschränkungen“ ist im Punkt xxiii zu lesen, dass sich der Geocacher einverstanden erklärt „nicht Lösungen, Tipps, Spoiler oder verdeckte Koordinaten für einen Geocache ohne Einwilligung des Eigentümers des Geocaches auf unseren Websites zu veröffentlichen.“ Echt jetzt? Das ist Alles? Laut den Nutzungsbedingungen dürfen nur auf der geocaching-Plattform selbst keine Lösungen veröffentlicht werden, auf anderen Webseiten aber schon?

Ein anderer Kommentator meinte:

Mit Geocaching hat dieses Verhalten nichts zu tun und daher sollten wir keine weiteren Gedanken daran verschwenden.

Meiner Meinung nach sollten doch zumindest die Guidelines obige Aussage bestätigen. Werfen wir dazu mal einen Blick in diese. Aber wo finde ich sie? Auf der geocaching.com Webseite gibt es die „Richtlinien zur Veröffentlichung eines Geocaches“ – aber die helfen uns bei dieser Fragestellung nicht wirklich, da sich die Frage ja nicht um das Legen, sondern um das Finden und Loggen eines Mystery-Caches dreht.

Fündig werde ich im sogenannten „Help-Center“ auf der geocaching.com-Webseite, der leider nur in englisch verfügbar ist. Dort kann ich lesen, dass, nachdem ich das Puzzle gelöst habe, ich die Koordinaten im Listing hinterlegen kann. Über die Art und Weise, wie ich das Rätsel löse, steht dort nichts geschrieben. Online loggen darf ich laut des Help-Centers, wenn ich die Koordinaten besucht und mich ins Logbuch eingetragen habe.

Oha – Ich kann also nicht wirklich etwas Offizielles finden, wonach das „Besorgen von Finalkoordinaten“ nicht erlaubt wäre?!

Damit wäre der folgende Kommentar auch nur eine Meinungsäußerung …

Armseelig ist:
– Wer so eine DB für andere zur Verfügung stellt.
– Wer diese DB nutzt um dann wie ’ne Heuschrecke Caches abzufahren und mit einem „Schnell gefunden.“ seine Dankbarkeit dem Mysteryausleger gegenüber loggt.

Nach dieser Recherche kann ich eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass die Nutzung des besprochenen Scriptes dann doch keinen Verstoß gegen die geltenden Regeln von Geocaching.com darstellt.

Irgendwie irritiert mich das – ich suche weiter und finde dann doch noch etwas im offiziellen Blog von geocaching.com. Im Juni dieses Jahres wurde der Beitrag „Geocaching Etikette 201: Finden und Loggen“ veröffentlicht. Darin lese ich, dass ich, bevor ich Online loggen darf, die Koordinaten besucht und mich ins physische Logbuch eingetragen haben muss. Ferner findet sich der folgende Hinweis:

Teile keine Lösungen für Rätsel-Caches, Lab-Caches, virtuelle Caches und EarthCaches in Spoilergruppen. Du schadest damit den Ownern und der Mühe, die sie sich gegeben haben. Außerdem riskierst Du, dass Dein Zugang zu Geocaching.com gesperrt wird.

OK, dass ist doch schon mal etwas! Aber wieso findet sich dieser Hinweis nur in einer Etikette? Eine Etikette beschreibt gesellschaftliche Umgangsformen und keine zwingenden Regeln. Und wieso kann ich bei Nichtbeachtung gesperrt werden und vor Allem, auf welcher Grundlage? Hier würde ich mir von Groundspeak eine echte Klarstellung wünschen!

Auch aus dieser Etikette lese ich heraus, dass die Nutzung von angebotenen Lösungen nicht „verboten“ ist!

Eine Bitte habe ich an Euch: Wenn Ihr eine andere (belegbare) Einschätzung, was in diesem Kontext Richtig oder Falsch ist, habt, so schickt mir bitte die entsprechenden Belege zu!

 

Das „Besorgen“ von Lösungen ist ein erlaubtes Mittel

Natürlich ist auch in dieser Diskussion das Standard-Killer-Argument zum Zuge gekommen:

Lasst doch einfach jeden cachen wie er will.

Hier – so glaube ich – sollten wir mal einen Blick auf das Spiel „Mensch ärgere Dich nicht“ werfen: Wenn Jeder dort spielt, wie er gerade möchte, macht das gemeinsame Spiel weder Spaß noch Sinn. Übertragen auf Geocaching stellt sich die Frage, ob wir von „zusammen spielen“ reden können? Ich persönlich glaube nicht, dass alle Geocacher weltweit „zusammen“ spielen. Daher müssen sie sich nicht auf gemeinsame Regeln einigen, was wiederum Raum lässt für jeden Einzelnen so zu cachen, wie er es möchte!

Wenn also zutrifft, dass wir NICHT alle ein gemeinsames Spiel spielen, so hat auch der folgende Kommentar seine Daseinsberechtigung:

Wenn jemand keinen Bock auf ignorieren hat… dann kann er sie doch einfach per script/DB „lösen“, oder?!

Sicher gibt es einzelne Geocacher, die dieses Spiel nur für sich selbst betreiben und dabei Spaß haben:

Die meisten betreiben #Geocaching einfach ohne jeden Gedanken an Blogbeiträge und auch ohne sich über Regeln Gedanken zu machen, einfach als Ausgleich und zum Spaß.

Das Thema Spaß sollte bei einem Hobby eine große Rollen spielen. Da letztlich Jeder für sich alleine spielt, sollte das, was die Anderen tun, dann auch bitte keine Rolle spielen.

Die Frage ist halt was der Betrug ist. Grundsätzlich gilt bei allen Caches mit einer physikalischen Dose: Stehe ich im Logbuch darf ich online loggen.

Dieser Position geben auch die offiziellen Regeln – so wie im Kapitel darüber ausgeführt – Recht. Naja, vielleicht mit einer Einschränkung, ich muss persönlich an den Koordinaten gewesen sein. Aber wie soll das ein Owner je überprüfen können?

Wenn ich in einer Gruppe unterwegs bin, in der die Rätsel aufgeteilt werden & jeder anteilig rätselt, alle dann gemeinsam Cachen & loggen ist das vom Prinzip nichts anderes.

Auch dieses Argument ist nicht von der Hand zu weisen. Gemeinsam an einem Rätsel zu arbeiten ist sicher nicht verwerflich. Gemeinsam in einer privaten WhatsApp-Gruppe mit 20 Leuten zu rätseln, sicher auch noch nicht?! Bei Facebookgruppen mit mehreren tausend Teilnehmern hat das HQ in der Vergangenheit schon hart durchgegriffen. Aber wo wird die Grenze gezogen und vor allem von wem und aufgrund welches Regelwerkes? Hier sehe ich das HQ in der Verantwortung. Derzeit geben die Guidelines keine Antworten über erlaubte Wege zu den Finalkoordinaten eines Mysterys.

Daher möchte ich die folgende Frage in den Raum stellen: Ist Alles, was nicht verboten ist, erlaubt?

 

Weitere Kommentare

In der Diskussion zu meinem Beitrag gab es weitere interessante Kommentare:

Das Ende der Mysteries damit anzukündigen, das finde ich dramatisch.

Hierzu möchte ich anmerken, dass ich mitnichten das Ende der Mysterys angekündigt habe. Ich habe lediglich die Frage gestellt, ob das Ende der Mysterys nun gekommen sei. Bitte beachtet das Fragezeichen im Titel!

Eine Gemeinschaft, die alles getan hat, um Geocachen zur Massenveranstaltung zu machen, sollte sich nicht wundern, wenn die Caches auch irgendwann so behandelt werden.

Die Geocaches werden als Massenware behandelt – das trifft sicherlich für Powertrails jenseits der 30 Dosen zu. Ich kann verstehen, dass 30 Jigidi-Puzzle keinen Spaß machen. Das für mich Spannende an den Mysterys ist herauszufinden, wie der Lösungsweg ist und nicht unbedingt ihn massenhaft durchzuführen. Hier könnte ein wenig Einfühlungsvermögen der Owner helfen und vielleicht auch, wenn in Zukunft Powertrails nur noch als Tradis veröffentlicht werden könnten!

Was sind das für arme Geschöpfe, denen jedes Mittel recht ist um eine hohe Statistik vorzuweisen.

Eine Statistik fördert den Wettbewerb. Jeder, der an einem Wettbewerb teilnimmt, möchte möglichst gut dabei abschneiden. Nur  so lange alle nach den gleichen Regeln handeln, funktioniert der direkte Vergleich. Dies ist meiner Meinung nach bei Geocaching schon lange nicht mehr der Fall! Auch vermisse ich klare Spielregeln. Hab‘ ich eigentlich schon erwähnt, dass ich hier das HQ in der Pflicht sehe?

Wenn Ihr mich fragt, ohne diesen ganzen Statistik – und Challenge Wahn, würde es das ganze Theater gar nicht geben. Leben und leben lassen…

Das ist eine Meinung, die ich mittlerweile auch teile. Was ist die Motivation, möglichst viele Mysterys an einem Tag zu absolvieren? Machen 50 oder gar 100 Mysterys an einem einzigen Tag noch Spaß? Was hat ein Geocacher von so einer Aktion? Bei den meisten dürfte die Motivation die Statistik sein oder eben eine besonders schwierige Challenge erfüllt zu haben. Aber was bedeutet die Statistik oder eine erfolgreiche Challenge, wenn sie nicht zwischen allen Spielern vergleichbar ist? Da es keine klaren Regeln gibt, an die sich alle halten müssen, sagt die Statistik meiner Meinung nach schon lange nichts mehr aus!

Die Statistik und den Fundzähler abschaffen und schon könnten alle einfach das machen, was wir am liebsten machen: rausgehen und Dosen suchen :)

Ja, das wäre sicher eine hilfreiche Maßnahme! Aber in dem Fall würde ich gleichzeitig einen starken Rückgang der aktiven Geocacher vermuten. Ob diese ein Verlust für die Community wäre? Sicher nicht! Es würde die Zeit des Geocaching auf seine Anfänge zurückdrehen, wo noch der Weg das Ziel war. Wäre das ein Verlust für Groundspeak? Sicherlich, da ein Rückgang der aktiven Geocacher gleichzeitig auch Rückgang der kostenpflichtigen Premium-Mitgliedschaften bedeuten würde.

Ärgerlich, dass Groundspeak nicht reagiert.

Ja, das ist sehr ärgerlich! … aber auch nicht wirklich verwunderlich!

Groundspeak ist ein kommerzielles Unternehmen, welches in erster Linie Umsatz machen will. Dazu müssen die aktiven Geocacher bei der Stange gehalten werden. Jeder, der eine Dose (wie auch immer) loggt, spielt das Spiel. Jeder, der mehr Dosen loggen will, kommt kaum an einer Premium-Mitgliedschaft vorbei! Die Statistik beflügelt den (scheinbaren) Wettbewerb. Der Wettbewerb erfordert das Loggen von immer mehr Dosen. Von daher hat Groundspeak alles richtig gemacht!

 

Ändere ich nun meine Meinung?

Als ich diesen (zugegeben mal wieder etwas länglichen) Text geschrieben habe, ist mir bewusst geworden, dass ich eigentlich auch ein Statistikcacher bin. In meinem Profil zeige ich meine Statistik. Und das, obwohl ich Euch gerade lang und breit erklärt habe, warum die Statistik bei Geocaching überhaupt nichts aussagt und das Zeigen derselben also überhaupt keinen Sinn macht! Trotzdem dürfte diese Statistik aktuell der Haupttreiber von Geocaching sein.

Doch zurück zur ursprünglichen Frage: Ändere ich nun meine Meinung zu dem Logging-Script und dem „Besorgen von Finallösungen“? Ja, mit Erschrecken muss ich feststellen, dass meine ursprüngliche Meinung, dass das Script verwerflich sei, aus den oben genannten Gründen nicht mehr haltbar ist.

Jeder spielt für sich alleine. Daher kann auch jeder das Spiel so spielen, wie er es möchte! … und vor Allem: Keinem Anderen sollte das „wehtun“ oder ihn irgendwie sonst kümmern.

Daher möchte ich auch meine ursprüngliche These zu „Was kann das HQ tun“ verändern: Warum nicht einen Button im Listing einbauen, mit dem ich „ganz offiziell“ die richtigen Finalkoordinaten anzeigen kann? Dann könnte wirklich jeder das Spiel so spielen wie er möchte und das sogar ganz ohne irgendwelche sicherheitskritischen Scripte …

Einen zu diesem Thema passenden Artikel habe ich übrigens schon Anfang Januar verfasst: der Blogartikel „Von Ehre, Regeln und Statistik: Meine Gedanken über Geocaching“ . Dort bin ich ebenfalls zu dem Schluss gekommen, dass die Statistiken nicht vergleichbar sind und jeder das Spiel so spielen sollte, wie er möchte …

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Wie ist Eure Meinung zu zu den Argumenten der beiden „Positionen“? Welche „Seite“ hat Eurer Meinung nach Recht und warum? Wie immer freue ich mich über Eure Kommentare unter diesem Artikel!

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Saarfuchs

Jörg (Saarfuchs) betreibt Geocaching seit 2008. Sein besonderes Interesse galt zunächst Mysteries, dann den T5-Caches und mittlerweile den Lostplaces. Zu seinen Hobbies gehören Reisen, Fotografieren, Bergwanderungen und Hochtouren. Er geht weltweit auf Dosen-Suche und berichtet in seinem Blog regelmäßig mit vielen Fotos über sein “Geocaching” und damit verwandte Themen.

11 Kommentare:

  1. ich kann da ehrlich gesagt keinen zusammenhang zwischen challenges und geschnorrten koordinaten erkennen.

    hätte groundspeak die challenges nicht wieder reaktiviert, koordinaten wären doch so oder so auf diversen kanälen verteilt worden

    • In deiner „Richtung“ hast Du natürlich Recht – jedoch glaube ich, dass die Reaktivierung der Challenges eine zusätzliche Motivation darstellt, sich die Lösungen schnell und einfach zu besorgen, die gerade noch zur Erfüllung der jeweiligen Challenge fehlen …

  2. Pingback:CF181- Muggeladvent - CacHeFreQueNz

  3. Diese ganze Diskussion ist so richtig typisch deutsch. Wenn einer sich Lösungen im großen Stil organisiert, ja dann lasst ihn doch. Der bescheißt sich doch nur selbst. Einige meiner Mysteries stehen auch in der berühmten FB-Datenbank, aber soll ich die deshalb archivieren? Soll ich die bestrafen, die das Rätsel ehrlich gelöst haben? Ich denke nicht. Es gibt auch sogenannte T5-Spezialisten, die sich von einer „Löser-Gruppe“ tonnenweise schwere Rätsel lösen lassen und die T5-Mysteries dann wie Tradis abfahren – und als Dank werden die Löser gleich mit eingetragen. Da gibt es Figuren, die in einem Jahr schon mal zwischen 500 und 1000 T5er loggen, ohne das Wohnzimmer verlassen zu haben. Und im Dezember stehen sie bei einem Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt und machen einen auf dicke Hose, was für tolle T5-Cacher sie sind. Ich für meinen Teil gehe denen aus dem Weg und damit Ende der Geschichte. Wo gespielt wird, da gibt es auch Schummler. Soll doch jeder machen wie er will, warum regen sich andere darüber auf, ohne selbst (z.B. als Owner) davon betroffen zu sein. Was kümmert es die stolze deutsche Eiche, wenn sich ein Wildschwein an ihr schubbert…

  4. – Jeder spielt für sich alleine. Daher kann auch jeder das Spiel so spielen, wie er es möchte! … und vor Allem: Keinem Anderen sollte das „wehtun“ oder ihn irgendwie sonst kümmern. –

    Da hast du deine Meinung aber auf Basis eines reichlich wackeligen Arguments geändert, würde ich meinen. Geocaching ist ein Spiel, das man alleine spielt? Dann viel Spaß beim Loggen der eigenen Caches! Wobei, nach obiger Logik wäre das ja sogar legitim, denn beim Alleinespielen sind ja sämtliche(!) Regeln obsolet :P

    Es ist doch aber vielmehr so, dass wir Geocaching selbstverständlich nicht alleine spielen! Dabei muss ich nicht mal ausführen, dass wir sehr wohl auch auf globaler Ebene zusammen spielen – jeder Cacher hat jederzeit die Möglichkeit Caches anderer Cacher auf der anderen Seite der Welt zu loggen – schon auf lokaler Ebene sollte doch vollkommen klar sein, dass sehr wohl ein Zusammenspiel stattfindet. Es ist vornehmlich durch Publishs, Listings und Logs ein Geben und Nehmen zwischen Ownern und Loggern; dass jeder Cacher dabei beide Rollen einnehmen kann ist vollkommen unerheblich.
    Vor diesem Hintergrund schneidet das zum Vergleich herangezogene Mensch-Ärgere-Dich-Nicht hinsichtlich des ‚Zusammenspiels‘ sogar weitaus bescheidener ab als Geocaching, handelt es sich bei ersterem doch ausschließlich um ein Gegeneinander und keineswegs um ein Miteinander. Das entkräftet natürlich nicht das Argument, dass dieses Spiel erst mit einheitlichen Regeln funktioniert, eben dieses lässt sich aber zweifelsfrei auch fürs Geocaching anwenden. Denn klaren Regeln bedarf es sowohl für Mit- wie Gegeneinander. Im Geocaching finden sich gerade wegen der Owner-Logger Beziehung Elemente beider Zusammenspiele. Man verfolgt ein gemeinsames Interesse, das nur zufriedenstellend funktioniert wenn genug Leute es teilen und versucht sich – je nach Cacheart – das Leben innerhalb des Spiels mal leichter aber eben bspw. durch Mysteries auch mal schwerer zu machen.

    TLDR: Mir ist absolut unverständlich, wie man der Betrachtung anheim fallen kann, Geocaching wäre kein Zusammenspiel zwischen Menschen. Sei es nun auf rein ’spielerischer‘ oder auch sozialer Ebene ist es das nämlich sehr wohl.

    Mit dieser Schlussfolgerung kommen wir dann zum Kern des Problems. Die Forderung jeden einfach so spielen zu lassen, wie jeder es für richtig hält funktioniert nur unter einer Voraussetzung (Zitat oben): Keinem anderen sollte das wehtun (ich weiß, du hast es anderes gemeint)! Jeder der diesen Punkt ignoriert, propagiert ein Zusammenspiel, das von vornherein zum (wie auch immer gearteten) Scheitern verurteilt ist.
    Um nun zu schauen wo’s genau wehtut, werfe ich keinen Blick auf die Statistik – für mich kein elementarer Teil des Spiels, weshalb es mir egal ist, wer sich hier quantitativ oder moralisch überlegen oder benachteiligt fühlt. Der Knackpunt findet sich im grundlegenderen Zusammenspiel zwischen Owner und Logger. Im Gegensatz zu einigen Kommentatoren schaue ich auch nicht auf die dröflfzillionste Mysteryrunde, sondern aufs andere – ich denke mal wünschenswertere – Extrem.
    Als Owner, der Stunden und Tage in seine Rätselgestaltung investiert, teils ein Dutzend verschiedene Versionen eines Rätsels durchgespielt hat, finde ich es nicht zu viel verlangt, wenn mein Gegenüber zumindest einen Bruchteil dieses Aufwandes betreibt, um meiner Arbeit Respekt zu zollen. Geschieht das nicht, ist das genau der Punkt, an dem jemand durch seine Art zu spielen, meinen Spielspaß einschränkt. Denn es ist keine angemessene Würdigung des von mir betriebenen Aufwandes, wenn jemand das Spiel nicht nach ‚den Regeln‘ spielt und sich die Koordinaten ohne Lösen des Rätsels beschafft. Klar kann ich sagen, ’scheiß drauf‘, aber grundsätzlich bin ich dann berechtigt, mich betrogen zu fühlen. Das führt dann ggf. sogar dazu, dass ich keine weiteren Rätsel dieser (zugegebenermaßen subjektiven) Qualität mehr gestalte, was zumindest grundsätzlich in niemandes Interesse liegen sollte.

    TLDR: Mag jeder spielen wie er will funktioniert nur solange der Spielspaß anderer dadurch nicht eingeschränkt wird. Wird der kreative Aufwand eines Rätsels missachtet, ist aber genau das der Fall.

    Was würde helfen? Klarere Regeln, die ohnehin nicht durchzusetzen sind? Vermutlich nicht, weshalb mein ganzes Geschreibsel, mein ganzer Standpunkt letztlich an der Realität scheitert. Am Ende hat mangels Kontrollmöglichkeiten beim Geocaching eben doch jeder die Möglichkeit das Spiel so zu spielen wie er will. Bleibt mir als Cacher und v.a. als Owner nur meine eigenen Schlüsse daraus zu ziehen.

    • Danke für deine offene und umfangreiche Argumentation! Sie zeigt mir zum einen, das die Sichtweise der Owner ein wichtiger Bestandteil des Spiels ist, den ohne sie gäbe geocaching nicht. Auf der anderen Seite sollten Caches gelegt werden um gefunden zu werden. Wie macht doch für den Owner nicht wirklich einen Unterschied, oder? Die Zeiten, in denen sich die Finder Zeit für ein ausführliches Log genommen haben und so dem Owner Respekt gezollt haben, sind doch auch schon vorbei, oder?

      • Im Kern sind Caches sicher dazu da gefunden zu werden, aber da das Geocaching weitaus facettenreicher ist als Mensch-Ärgere-Dich-Nicht, spielt meines Erachtens das Wie sehr wohl eine erhebliche Rolle. Ginge es nur ums Finden, bräuchten wir bspw. keine unterschiedlichen Cachetypen. Doch gerade das Gesamterlebnis – ob nun draußen mit einem Multi oder drinnen mit einem Mystery, ob als Owner oder Cachender – macht zumindest für mich einen Großteil des Reizes aus. Offensichtlich genügt anderen aber schon der nächste Punkt in der Statistik, weshalb sich die Frage ‚Ist die Zeit ausführlicher Logs vorbei‘ natürlich nicht universell beantworten lässt. Das darf/muss jeder für sich selbst entscheiden und lenkt damit letztlich die Geschicke unseres Hobbys.

        Die Tatsache, dass mein hiesiger Kommentar mehr als 4000 Zeichen umfasst dürfte Hinweis genug darauf sein, wie ich diese Frage für mich selbst beantworte :D Daraus ziehe ich natürlich gewisse Verpflichtungen: Ehre wem Ehre gebührt, da brauche ich dank der Zeichenbegrenzung auch gern mal zwei Logs für einen Found und selbst eher Unspektakuläres versuche ich noch mit einem Mindestmaß an Kreativität zu würdigen, solange es der Cache bzw. das Listing rechtfertigt.
        Dementsprechend erlaube ich mir aber auch Ansprüche zu stellen: Meine Mysteries bzw. zugehörigen Caches sind sicher nicht das Beste vom Besten, aber jedem der sie gelogt hat, sollte klar sein, dass die Erstellung doch zumindest mit einiger Mühe verbunden war. Dann sind generische 0815 Logs sicher nicht die Wertschätzung die man sich wünscht, aber wer sich nicht mit dem Rätsel auseinandergesetzt hat, zeigt nichtmal das meines Erachtens nötige Mindestmaß an Würdigung, spuckt im Prinzip auf meine Arbeit. Da erlaube ich es mir dann auch, das nicht toll zu finden :D

        Wenn es am Ende keinen Unterschied macht wie ein Cache gefunden wird, macht es auch keinen Sinn sich Mühe bei dessen Erstellung zu geben. Das ist für mich der einzig logische Umkehrschluss. Aber wie gesagt, wie man sich bettet, so liegt man und dementsprechend entwickelt sich Geocaching ja auch.

  5. In der Tat verstoßen diese Datenbanken bzw. deren Nutzung nicht gegen die Guidelines, denn dort steht nicht, wie man an die Koordinaten gelangen muss.
    Die Ironie dabei ist:
    Genau diejenigen, die solche Tools nutzen, um ihre Statistiken zB mit vielen D5er.Mysteries aufzuhübschen, führen jegliche Art von Statistikvergleichen ad absurdum: Denn wenn sich jeder beliebig viele Mysteries oder auch Multis ohne Aufwand „sichern“ kann und die „Leistung“ nur noch darin besteht, das Finale zu stempeln, ist es keine Leistung mehr.
    Ich höre gelegentlich „Dann soll Owner XY gefälligst lösbare Mysteries legen, ich habe keinen Bock auf diesen Nerd-Sch…“ als Begründung dafür, „abzukürzen“. Aparterweise kommt von genau diesen Cachern aber auch „Du musst Dir ja keine Angel zulegen“ – Bigotterie in Reinkultur, Hauptsache, die eigene Spielweise ist über jeden Zweifel erhaben.
    Interessieren würde mich allerdings, mit welcher Begründung Groundspeak Cacher sperrt, die solche Datenbanken betreiben. Und natürlich, wieso die ihren Nutzern außerhalb der Plattform nachspionieren, der Zusammenhang zwischen Datenbankbetreiber und GS-Account ist nicht auf Anhieb ersichtlich, sondern muss erst recherchiert werden.

  6. Ich mache Mysteries nur auf ehrliche Art. Ich löse sie selbst oder mal zu zweit. Oft klappt das auch. Wenn nicht, frage ich bei Geocacher-Kollegen oder beim Owner nach, die ihn schon gelöst haben. Ich will dann aber keine Komplettlösung, sondern nur einen Denkanstoß. Das mache ich auch erst, nachdem ich schon verschiedenes selber probiert habe.
    Wer auf welche Art die Mysteries löst, kann man nicht nachprüfen. Man kann ja oft auch nicht nachprüfen, ob jemand die geloggten Caches wirklich besucht hat. Manche loggen einfach irgendwelche Caches, wo sie nie waren. Andere lassen sich von anderen Leuten ins Logbuch eintragen. Das kriegen aber die anderen Cacher mit und werden diese Person dann nicht mehr ernst nehmen. So auch bei uns in der Gegend, wo jemand verschiedene Mega-Events weltweit „besucht“ hat, die zeitgleich in Deutschland, England und USA stattfanden. Im Log stand nur „Danke für die Organisation“. Das hat jeder mitgekriegt und denkt sich seinen Teil.
    Wenn ich als Owner feststelle, dass jemand einen Geocache online loggt, aber nicht besucht hat, dann informiere ich ihn darüber, dass er diesen Cache möglicherweise versehentlich geloggt hat. Wenn er seinen Log nicht selber löscht, mache ich das gerne für ihn. ;-)
    Meistens kommen sie aber damit durch. Und auch mit den Schummeltricks, sei es das Plugin oder eine riesige Liste, kann man nicht überprüfen. Aber auch das fällt auf. Ich habe einmal einen Cacher nach einem Tipp zu einem Mystery gefragt, den er bereits gefunden hatte. Er hat nur rumgestammelt und gesagt, dass er das gerade gar nicht sagen kann. Aber wenn ich die Finalkoordinaten haben möchte, die könne er mir geben… Alles klar.

  7. Meine Aussage (die 2. Auf deiner pro-seite) war eigentlich keine inhaltliche, sie war auf eine Aussage von dir bezogen, bei der du in meinen Augen komplett argumentationsfrei sagtest „wer keine lust auf rätseln hat, kann doch ignorieren“. Darauf antworte ich argumentationsfrei auf selbe art und weise „wer kein bock auf ignorieren hat kann doch per script/DB lösen“.

  8. Powertrails nur noch als Tradis?
    Wie macht man dann die tollen Geoarts ;-)

    Aber ernsthaft, das der Beschiss dieses Ausmaß annehmen wird, war mir kurz nach Einführung der Challenges klar.

    Die Einführung und des von GS unterstützten Sch….zvergleich Dienstes Project-GC und dessen Erfolg zeigt aber das es da ein „Bedürfnis“ unter Geocachern gibt, eben dieses Bedürfnis zu befriedigen.

    Immer wenn irgendwo Leistung verglichen und bewertet wird, ist Betrug nicht weit entfernt.
    Egal ob es sich um Sport oder Geocaching handelt.

    Nur im Sport gibt es dafür Kontrollen und Schiedsrichter.
    Aber ich als Owner bin beides nicht und werde auch nicht dafür von GC bezahlt.

    Fazit: Spielt das Spiel wie ihr wollt, ich suche mir inzwischen die Caches (Rosinen) raus, auf die ich Lust habe.

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