Sep 172018
 

Zum Programm des „märchenhaften“ Megas in Kassel gehörte eine Führung durch den Weinbergbunker. saarzwerg und ich haben daran teilgenommen. Gute zwei Stunden sind wir im Berg unterwegs gewesen.

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Auch außerhalb des Megas gibt es regelmäßige Führungen durch diesen Bunker. Kommt mit auf die virtuelle Reise in die Unterwelt …

Wir parken unser Cachemobil an der Straße vor der Grimmwelt in Kassel. Sonntagsmorgens um neun ist dort noch nicht viel los. Wir finden leicht einen Parkplatz. Der Treffpunkt zur Führung ist am Bunkereingang, der sich unterhalb des Weinbergs an der Frankfurter Straße befindet. Der kürzeste Weg nach unten führt durch den Weinberg. Leider müssen wir feststellen, dass der um diese Zeit noch verschlossen ist – so müssen wir uns sputen und den längeren Weg außen herum nehmen.

Vor dem Eingang warten schon einige Geocacher auf den Beginn der Führung. Ein Mann von der Feuerwehr kontrolliert unsere Eintrittskarten. Der Bunker steht unter der Verwaltung der Feuerwehr Kassel. Öffentliche Führungen sind jeden ersten Montag im Monat. Auf der Webseite des Feuerwehrvereins findet Ihr alle Details dazu.

Dann ist es soweit, „unser“ Feuerwehrmann sperrt uns den Bunker auf und wir dürfen ihn betreten.

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Im ersten großen Raum sammelt er die Gruppe und gibt uns eine Einführung in dieses Bauwerk. An der Wand hängt eine Karte von den Stollen dieses Bunkers: Er ist sehr groß, was meine Vorfreude auf die Führung noch steigert.

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Wir erfahren, dass die Stollenanlage 1825 im Auftrag verschiedener Bierbrauer gebaut wurde, um Bier und Eis kühl zu lagern. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage als Luftschutzraum für mehr als 10.000 Menschen ausgebaut. Teile wurden als Befehlsbunker und Lagerraum von der Wehrmacht genutzt.

Dann geht es richtig los – wir laufen durch die Gänge. Unser Weg ist gut beleuchtet. Hier drinnen ist es kühl und feucht. Die Temperatur liegt bei konstant 10°C das ganze Jahr über – die Luftfeuchtigkeit bei 90%.

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Wir erreichen eine kleine Öffnung im Mauerwerk, an die sich ein niedriger Gang anschließt. Unser Guide erklärt uns, dass dies der kürzeste Weg zur Krankenstation sei – wer möchte, darf ihn nehmen. Das lasse ich mir natürlich nicht zwei Mal sagen und verschwinde mit meiner Taschenlampe im Gang. Stark gebückt kann ich im Gang noch halbwegs laufen …

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Auf der „anderen Seite“ endet der Gang in einem Raum. Dort sind verschiedene medizinische Geräte ausgestellt.

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Nach einer Weile kommt der Rest unserer Gruppe zusammen mit dem Guide durch den „normalen“ Eingang. Wir erfahren, dass die hier ausgestellten Geräte aus verschiedenen anderen Bunkern stammen. Dieser Raum wurde im Zweiten Weltkrieg als Krankenstation genutzt. Es waren ein Arzt und einige Krankenschwestern während der Bunker besetzt war, anwesend. Sogar eine Entbindung wurde in einer Bombennacht hier unten durchgeführt.

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Wir laufen weiter. Wieder geht es durch endlos lange Gänge oder auch mal durch große Räume. An den Wänden stehen rote Zahlen. Wir erfahren, dass dies Platznummern waren, an denen sich die Schutzsuchenden im Luftschutzbunker orientieren konnten. Nur an dem ihnen zugewiesenen Platz durften sie sich aufhalten.

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Wieder erreichen wir eine Öffnung in der Wand. Diese ist vergittert.

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Dahinter befindet sich ein alter Notausstieg, der heute oben verschlossen ist. In dem Falle, dass durch Bombeneinschläge die Eingangstüren verschüttet wurden, konnten Helfer durch den Schacht nach oben ins Freie steigen und von außen die Eingänge freiräumen.

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Von diesen Notausgängen gibt es mehrere. An einer anderen Stelle können wir einen Blick in einen solchen Schacht werfen. Er ist eng und es gibt nur eine einfache Eisenleiter. Im Schacht befinden sich noch Wassertanks, die die Notreserve bildeten, falls die Wasserzufuhr von außen gekappt worden wäre.

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Und wieder geht es durch Gänge und Räume. Immer wieder erfahren wir Geschichten aus der Zeit der Nutzung als Luftschutzbunker. Wir haben Glück mit „unserem“ Feuerwehrmann – er ist voll motiviert und hat viel interessantes zu erzählen.

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So erfahren wir, dass die „selbstleuchtenden“ Wegweiser aus einem schwach radioaktiven Element bestehen und – nachdem sie angeleuchtet wurden – eine Zeitlang selbstständig leuchten. Alles ungefährlich, solange man nicht an der Farbe leckt ;-)

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Wir erreichen den Teil des Bunkers, der im Zweiten Weltkrieg als Befehlsstelle genutzt wurde.

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Auf der rechten Seite ist ein Tisch aufgebaut mit Telefon und einer alten Schreibmaschine. Die hohe Luftfeuchtigkeit hat hier ihren Dienst getan – die Tasten klemmen überwiegend.

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Dahinter ist noch ein kleiner Raum, in dem eine Telefonvermittlung aufgestellt wurde.

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Hier funktionierte die Vermittlung noch mit Kabeln und Steckern – es wurde also eine echte „Verbindung“ hergestellt.

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Anschließend geht es weiter zu dem ältesten Teil der Stollenanlage, dort wo Bier und Eis gelagert wurde.

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Während der Documenta war der Bunker für Führungen ein halbes Jahr nicht zugänglich. In dieser Zeit war er Teil der Kunstausstellung.

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Wir biegen nach links ab und kommen in einen Bierkeller. Rechts und links an der Seite befinden sich die Auflagen für die großen Bierfässer.

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Einen Raum weiter wurde das Eis gelagert. Der Raum ist über eine Treppe von oben zugänglich, damit das Eis hineingeworfen werden konnte. Bei dem Ausbau zum Bunker wurde die Decke verstärkt.

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Unsere Führung neigt sich dem Ende – die zwei Stunden sind einfach zu schnell vergangen. Wir machen uns auf den Rückweg.

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Kurz vor den Eingang werfe ich noch einen Blick in den Raum, wo früher die Lüftungsanlage untergebracht war. Frischluft war hier unten sehr wichtig und wurde mit elektrisch betriebenen Pumpen in die Stollenanlage gepumpt. Bei einem Ausfall der Motoren konnte das Ganze von Hand „gekurbelt“ werden.

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Im Vorraum sind einige alte Geräte ausgestellt. An den Wänden finde ich noch die originalen Beschriftungen aus dem Zweiten Weltkrieg.

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Zum Abschluss wird uns noch die Gasschleuse erklärt: Einen Gang, der an beiden Seiten mit einer Gasdrucktür verschlossen ist, nutzen wir als Schleuse.

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Eine Tür ist verschlossen – durch die andere betreten wir die Schleuse. Als unsere komplette Gruppe dicht gedrängt im Gang steht, wird die Eingangstür verschlossen. Bei uns kommt ein Gefühl der Überfüllung auf. Ich frage mich, wie sich damals die Leute gefühlt haben müssen, die bei Fliegeralarm in den Bunker wollten und hier drinnen auf die Öffnung der inneren Tür warten mussten. Dann ist es endlich soweit – wir dürfen durch die andere Gasdrucktür die Schleuse verlassen …

Damit geht eine tolle Führung zu Ende!

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In meinem Webalbum findet Ihr noch ein paar Fotos mehr von unserer Besichtigung.

Wie hat Euch diese virtuelle Führung durch den Weinbergbunker in Kassel gefallen? Seid Ihr selbst schon dort gewesen? Was sind Eure Empfehlungen für Bunkerbesuche? Wie immer freue ich mich auf Eure Rückmeldungen in den Kommentaren unter diesem Artikel!

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  2 Antworten zu “LP: Der Weinbergbunker in Kassel”

  1.  

    Leider waren wir zu spät dran um eine Bunkerführung in Kassel zu buchen.
    Vielen Dank für den kleinen Einblick in die Unterwelt der Weinberge!
    Somit weiß ich jetzt wenigstens ein bisschen was ich da verpasst habe ;-)

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