Geocaching und Sightseeing in Turkmenistan: Aşgabat und Köneürgenç

Im ersten Teil meiner Artikelserie über unsere Rundreise über die große Seidenstraße berichte ich Euch von unserem Aufenthalt in Turkmenistan – einem Land in dem manche Dinge etwas anders sind! Wir schauen uns die Hauptstadt Aşgabat an und fahren mit dem Nachtzug nach Köneürgenç.

Kommt mit auf die virtuelle Reise nach Turkmenistan mit seinen Prunkbauten, Denkmälern, Moscheen, einem Basar und den historischen Orten Nisa, Anau und Gurgentsch!

 

 

Aşgabat

Wir fliegen mit der Lufthansa von Frankfurt über Baku nach Aşgabat. Der Flug mit der Zwischenlandung dauert ca. sechs Stunden. Um in Turkmenistan einreisen zu dürfen benötigen wir ein Visum, welches am Flughafen nur dann ausgestellt wird, wenn man vorher von der Tourismusbehörde ein Einladungsschreiben bekommen hat. Um diese Formalitäten hat sich zum Glück unser Reiseveranstalter gekümmert und so bekommen ich nach etwas Schlangestehen mein Visum.

Anschließend tauschen wir am Flughafen noch Euro in die lokale Währung Manat. Zur Sicherheit sollte man die Quittungen aufheben, da in Turkmenistan der Geldtausch nur an wenigen offiziellen Stellen erlaubt ist.

Gegen zwei Uhr in der Nacht erreichen wir endlich unser Hotel. Uns ist klar, dass diese Nacht recht kurz wird. Dass sie aber so kurz wird, damit haben wir nicht gerechnet: gegen sechs Uhr morgens bekommen wir einen Anruf von der Rezeption, der aus aufweckt. Der Präsident würde gleich zum Flughafen fahren und an unserem Hotel vorbeifahren. In unserem Zimmer sei ein Fenster geöffnet, welches daher zu schließen sei und die Vorhänge müssten wir auch komplett zu machen. Und dafür wecken sie uns? Naja, andere Länder, andere Sitten!

Apropos andere Länder, zu Turkmenistan möchte ich noch anmerken, dass dort Facebook, Instagram, Whatsapp und sicherlich noch einige andere Apps und Protokolle blockiert sind. Auch das Schreiben von eMails über gmx ist bei mir nicht möglich.

 

Die Ausgrabungsstätte von Nisa

Als ersten Programmpunkt schauen wir uns die Überreste der ehemaligen erste Hauptstadt der Parther an. Seit 2007 ist diese Ausgrabungsstätte ein UNESCO-Welterbe. Hier müssen wir zu ersten mal eine Fotogebühr zusätzlich zum Eintritt zahlen. Die Treppe mit dem roten Belag schraubt die Erwartungen in die Höhe …

… leider zu Unrecht, wie ich finde. Viel wurde noch nicht ausgegraben und restauriert. Da ich schon mal das Glück hatte, Aït-Ben-Haddou in Marokko besichtigen zu können, ist dies hier nichts besonderes mehr. Wir betreten die ehemalige Stadt durch ein kleines Stadttor.

In der Stadt sind nur noch die engen Gassen und die Grundmauern der Häuser zu sehen.

Die ehemalige Stadtmauer, die die komplette Stadt umgeben hat, ist heute eine kleine Anhöhe. Von dort habe ich einen schönen Blick über die Ausgrabungen und auf die Berge, die Turkmenistan vom Iran trennen.

 

Die Gypjak Moschee

Nach der Besichtigung von Nisa fahren wir zu einer der größten Moscheen in ganz Zentralasien: die Gypjak- oder Türkmenbaşy Ruhy Moschee. Die Moschee wurde im Geburtsort des ersten turkmenischen Präsidenten Saparmyrat Nyýazow errichtet. Sie wurde von einer französischen Firma gebaut und ist bis auf die goldenen Kuppeln komplett in weiß gehalten. Sie besitzt vier recht hohe Minarette.

An der Vorderseite befindet sich dieser riesige Torbogen.

Wir gehen in die Moschee. Bevor wir den großen Gebetsraum betreten können, müssen wir unsere Schuhe ausziehen. Neben den Eingängen gibt es dazu hohe Regale zum Abstellen. Zum Glück ist gerade sehr wenig los – das Wiederfinden der Schuhe sollte also kein Problem darstellen …

Der Innenraum ist komplett mit einem Teppich ausgelegt.

Über dem Gebetsraum befindet sich eine riesige Kuppel, die mit einem Mosaik in Form einer Blüte geschmückt ist.

Wir setzen uns auf den Boden und lauschen den Ausführungen unserer Reiseleiterin. Der erste Präsident ließ diese Moschee errichten und baute gleich daneben noch ein Mausoleum für seine Familie. Am 24. Dezember 2006 wurde er dort neben seinen Brüdern und Eltern beigesetzt.

 

Basar Tolkuchka

Anschließend besuchen wir einen der größten Märkte in Mittelasien: den Basar Tolkuchka. Es ist ein moderner Basar mit vielen (zum Glück nummerierten) Markthallen, in denen die Händler ihre Waren anbieten.

Wir beginnen unsere „Erkundung“ in der Halle mit Kleidung und Stoffen. Sehr beliebt ist in Turkmenistan die Kleider selbst zu schneidern. Dazu gibt es auf dem Markt die schon fertigen Stickarbeiten zu kaufen. Damit können die traditionellen Gewänder einfach selbst gemacht werden.

Am Ausgang der Halle fallen mir diese alten Nähmaschinen ins Auge. Es sind doch tatsächlich manuelle Nähmaschinen von Singer.

Wir bekommen eine gute halbe Stunde Freizeit um den Markt auf eigene Faust zu erkunden. In den Hallen gibt es wirklich alles zu kaufen, was eine Familie benötigt. Wir sehen sehr viele Einheimische, die mit viele Tüten bepackt durch die Hallen laufen.

Dann steigen wir wieder in den Bus und fahren ein paar Hallen weiter. Dieser Basar ist wirklich riesig. Unsere lokale Reiseleiterin führt uns zwischen ein paar Hallen hindurch und durch einen kleinen Park. Am Rande der Hallen befindet sich der Viehmarkt.

Hier werden Fettschwanzschafe, Rinder und Kamele verkauft.

Scheinbar wird der Tierschutz in diesem Land nicht besonders wichtig genommen. Einige der hier zum Kauf angebotenen Tier schauen nicht mehr so fit aus. In manchen Gehegen gibt es noch nicht einmal Wasser. Ich bin froh, als wir wieder zu unserem Bus zurückkehren.

 

Die Ruinen von Anau

Unser nächstes Ziel sind die Überreste der Moschee der mittelalterlichen Stadt Anau, die heute ein Pilgerzentrum ist. Eine kleine weiße Steintreppe führt zu den Ruinen hinauf.

Viel ist leider von der Moschee nicht mehr erhalten. Davor befindet sich zwei Gräber und ein kleines Mausoleum eines Scheichs.

Das besondere an der Moschee war der prunkvolle Pischtak (monumentaler Haupteingang zentralasiatischer und persischer Moscheen und Medersen) mit seinem Mosaik. Etwa 30 Prozent davon konnten bei den Ausgrabungen gefunden werden. Dieses große Mosaikteil vermittelt einen Eindruck von der Schönheit des Pischtaks.

Wir gehen hinunter zum Pilgerzentrum. Hier gibt es eine große öffentliche Küche, die gerade stark genutzt wird. jeder kann sich hier sein Essen selbst zubereiten. Meist sind hier Großfamilien oder größere Gruppen zugange.

In den Töpfen brodelt überwiegend Fleisch. Vegetarier habe hier unter den ehemaligen Nomadenstämmen echt schlechte Karten!

 

Geocaching am historischen Museum

Nun fahren wir zum Staatsmuseum, in dem sich auch eine historische Ausstellung über Turkmenistan befindet. Ich nutze die Zeit, in der alle aus dem Reisebus aussteigen um zum einzigen Geocache zu rennen, bei dem wir hier in Aşgabat vorbeikommen.

Der Traditional „Ashgabat Flagpole“ liegt 30-50 Meter von der großen Flagge entfernt in der Basis eines kleinen Baumes.

Als ich mich unbeobachtet fühle, greife ich zu und logge. Allerdings scheint sich eine Wache gewundert zu haben, dass ich plötzlich nicht mehr zu sehen war. Sie kommt nach mir schauen, als ich gerade die Dose weggelegt hatte. Sie schaut mich an, sieht dass ich wieder auf dem Weg zum Museumseingang bin und lässt mich ohne anzusprechen gehen. Puh, da hab‘ ich wieder Glück gehabt.

Ich folge meiner Gruppe ins Museum.

 

Im Erdgeschoss können wir den aktuellen Präsidenten Gurbanguly Berdimuhamedow und seine Staatsgeschenke bewundern. Um ersten Stock befindet sich die Ausstellung zur Geschichte von Turkmenistan. Während unsere Reiseleiterin uns die Ausstellung erklärt, werden wir von zwei Museumsangestellten „überwacht“. Ich habe jedoch nicht den Eindruck, als würde sie auch nur ansatzweise etwas von den deutschen Ausführungen unserer Reiseleiterin verstehen.

 

Eine Stadtrundfahrt durch Aşgabat

Unser Hotel liegt am Rande der Stadt. Da an allen öffentlichen Gebäuden in Turkmenistan ein absolutes Fotografierverbot besteht, habe ich dies jedoch nicht bedauert. Mit unserem Reisebus machen wir eine Stadtrundfahrt. Im Zentrum fahren wir an den Regierungsgebäuden vorbei. Alle sind pompös mit weißem Carrara-Marmor gestaltet. Warum kleckern, wenn man auch protzen kann?

Auf fast jedem größeren Verkehrskreisel steht ein „kleines“ Denkmal. In der Stadt gibt es unzählige davon. An Aşgabat ist leicht zu erkennen, dass hier Geld vorhanden ist. Schade nur, dass es in den ländlichen Gebieten außerhalb der Hauptstadt ganz anders ausschaut …

Anschließend fahren wir einige der vielen Denkmäler ab. Wir starten am Neutralitätsdenkmal. Es ist riesig. Auf der Spitze steht ein goldener Präsident, der seinem Volk zuwinkt.

An seiner Basis schreitet die Ehrengarde zwischen den beiden Wachhäuschen hin und her. Kommt man denen zu nahe, wird man von den Wachen weggeschickt.

In der Mitte des Denkmals befinden sich die fünf Teppichmuster, die sich auch auf der Fahne von Turkmenistan wiederfinden. Sie stehen für die fünf Volksstämme der Turkmenen.

Dann steigen wir wieder in den Bus und fahren zum nächsten Denkmal: zum Monument der Unabhängigkeit. Ein weiß-goldener Turm mit einem Museum in der breiten Basis.

Rundherum sind viele schwarz-goldene Statuen von Persönlichkeiten aus der Geschichte von Turkmenistan aufgestellt. Im Hintergrund seht ihr das „kleine“ Kulturzentrum von Aşgabat.

Als nächstes fahren wir zum Denkmal für „Ruhnama“ – dem Buch der Seele, welches der erste turkmenische Präsident eigens für sein Volk geschrieben hat und in den Schulen lesen lies. Darin leitet er „sein“ Volk zu einer „richtigen“ Lebensweise an. Wollte man als Turkmene eine Stelle in der Verwaltung bekommen oder einfach nur den Führerschein machen, so wurde man auf die Kenntnis dieses Buches geprüft …

Wir fahren weiter und kommen an diesem Denkmal vorbei. Es schaut aus, wie ein großer aufgestellter Schild. Entgegen einer früheren Ankündigung unserer lokalen Reiseleiterin halten wir hier leider nicht.

Ich versuche herauszufinden, um welches Denkmal es sich hier handelt. Bei Spiegel Online werde ich fündig: laut dem Guinness-Buch der Rekorde ist es das „weltgrößte Riesenrad in geschlossener Bauart“. Schade, dass wir es uns nicht näher anschauen können.

 

Hotelempfehlung für Aşgabat

Als ich mir die Hotels unserer Rundreise in der Vorbereitung näher anschaue, fällt mir auf, dass booking.com scheinbar keine Hotels in Aşgabat (oder in ganz Turkmenistan?) im Angebot hat. Daher kann ich Euch von unserem Hotel nur den offiziellen Hotellink geben. Wir übernachten im 5-Sterne-Hotel Archabil.

Es befindet sich nur 500 Meter vom staatlichen Museum mit dem Geocache entfernt. Hier der Blick vom Haupteingang auf die Stadt.

Die Zimmer sind geräumig und modern eingerichtet. Unser Badezimmer verfügt über eine Regendusche. Zum Frühstück gibt es ein Buffet mit allerlei leckeren lokalen Spezialitäten. Ich würde wieder in diesem Hotel übernachten wollen.

 

Köneürgenç

Unser nächstes Ziel in Turkmenistan liegt fast 500 Kilometer Luftlinie nördlich von Aşgabat am Rande der Wüste Karakum. Ursprünglich war geplant, dass wir mit Turkmenistan Air fliegen. Leider hat diese Fluggesellschaft die Einflugrechte in die EU wegen Sicherheitsmängeln entzogen bekommen. Vier Wochen vor Antritt unserer Reise wurden wir vom Veranstalter darüber informiert, dass wir stattdessen mit einem Zug fahren werden und im Schlafwagen übernachten sollen …

 

Eine Zugfahrt, die ist lustig

Um 19 Uhr soll unser Zug abfahren. Aus mir unerklärlichen Gründen werden wir aber schon um 17:30 am Bahnhof in Aşgabat abgesetzt.

Dort stehen wir uns über eine Stunde die Beine in den Bauch, bis endlich der Nachtzug in den Bahnhof geschoben wird.

Entgegen der Ankündigung von unserem Reiseveranstalter handelt es sich bei den für uns gebuchten Abteilen nicht wirklich um einen Schlafwagen. Vielmehr wurde hier ein „normales“ Abteil mit einer dünnen Auflage zu einer Zwei-Bett-Schlafgelegenheit umgebaut. Dort verbringen wir nun die kommenden 13 Stunden.

Jeder Waggon hat zwei Toiletten. Naja, eher Stehklos, die sich in einem absolut hygienisch desolaten Zustand befinden, der meiner Meinung nach für einen Westeuropäer an Körperverletzung grenzt. An dieser Stelle kann ich nur mein Unverständnis über unseren Reiseveranstalter „Studiosus Reisen“ zum Ausdruck bringen!

Nach einer langen Nacht mit nur wenig Schlaf erreichen wir gegen acht Uhr Morgens den Bahnhof in Daschavauz.

 

Die alte Hauptstadt Gurgentsch

Von dort fahren wir in nach Köneürgenç, wo sich die zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärten Ruinen der alten choresmischen Hauptstadt Gurgandsch befinden. Wir starten unseren Rundgang am Tura-Beg-Chanum-Mausoleum.

 

Hier beeindrucken mich besonders der Rest der prächtigen äußeren Kuppel. Diese wurden damals in Doppelbauweise erstellt. Die innere ist hier noch komplett intakt, die äußere leider nur noch zum Teile erhalten.

Drinnen schaut die Kuppel noch viel schöner aus.

Wir wechseln die Straßenseite und spazieren zum Qutlugh-Timur-Minarett hinüber, das ist mit (heute noch) 62 Meter das höchste Zentralasiens. Minarette dienten den Karawanen in der Nacht als Wegweiser in der Wüste. An ihrer Spitze wurde ein Feuer entfacht. Es war quasi ein Leuchtturm.

Gleich daneben steht das Sultan-Tekisch-Mausoleum. Es wird gerade renoviert.

Auf unserem Rundgang zum Bus kommen wir noch an weiteren Mausoleen vorbei. Es ist eine gute Einstimmung in die alten Bauwerke des Orients, die in Usbekistan auf uns warten. Aber das ist eine andere Geschichte …

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Dieser Blogbeitrag ist Teil einer Artikelserie über unsere Rundreise über die große Seidenstraße durch vier Länder: Turkmenistan, Usbekistan, Kirgistan und Kasachstan. Den Übersichtsartikel mit den Links zu den anderen Beiträgen findet Ihr unter „Geocaching und Sightseeing an der großen Seidenstraße“ .

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Wie hat Euch unser Reisebericht von Turkmenistan gefallen? Seid Ihr schon dort gewesen? Welche Caches oder welche Sightseeing-Spots hätten wir noch besuchen sollen? Wie immer freue ich mich auf Eure Kommentare unter diesem Beitrag.

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Saarfuchs

Jörg (Saarfuchs) betreibt Geocaching seit 2008. Sein besonderes Interesse galt zunächst Mysteries, dann den T5-Caches und mittlerweile den Lostplaces. Zu seinen Hobbies gehören Reisen, Fotografieren, Bergwanderungen und Hochtouren. Er geht weltweit auf Dosen-Suche und berichtet in seinem Blog regelmäßig mit vielen Fotos über sein “Geocaching” und damit verwandte Themen.

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