LP: Atlantikwall – Der Bunkerstrand von Ringkøbing

Im letzten Teil meiner Artikelserie über unsere Rundreise durch Dänemark berichte ich Euch von unserem Besuch am Bunkerstrand von Ringkøbing. Dort gibt es viele verlassene Bunker aus der Zeit des zweiten Weltkrieges. Die meisten sind offen und einige beherbergen sogar einen Geocache …

Kommt mit auf die virtuelle Reise zu den verlassenen Bunkern des Atlantikwalls!

 

 

Am Strand von Houvig

Gegen Mittag erreichen wir einen öffentlichen kostenlosen Parkplatz am Strand von Houvig.

 

Am Parkplatz

Dort gibt es ein kleines Toilettenhäuschen und davor ein Tisch mit zwei Bänken. Eigentlich ideal, um dort zu picknicken …

Leider ist sie aber schon besetzt und die Familie erweckt bei uns nicht den Eindruck, als würde sie in den nächsten Minuten aufbrechen. Daher suchen saarzwerg und ich uns ein gemütliches Plätzchen in einer Senke in den Dünen. Warum in einer Senke? Naja, wir haben heute zwar Glück mit dem Wetter: es ist recht sonnig und fast schon warm – aber leider weht ein sehr starker Wind.

Nach unserem Picknick räumen wir wieder alles in Auto. Dabei fällt mir ein großes Schild an der Seite vom Toilettenhäuschen auf: es ist eine Informationstafel zu den Bunkern, die im zweiten Weltkrieg von den Deutschen hier am Stand errichtet wurden.

Hier wurde die Radarstellung „Ringelnatter“ der Luftwaffe und die Heeresküstenbatterie „Kryle“ als Teil des Atlantikwalls gebaut. Insgesamt sind hier noch mehr als 50 Betonkonstruktionen innerhalb eines Radius von wenigen hundert Metern zu sehen.

 

Die Bunker in den Dünen

Für unseren Rundgang durch die Dünen nehme ich meine Stirnlampe und ein paar Taschenlampen mit. Unser erstes Ziel ist der Tradi Riddle underearth – „Regelbau L487“, der, zum Zeitpunkt, als ich diesen Artikel schreibe, sich auf der Position 10 der Liste der Gecaches Dänemarks mit den meisten Favoritenpunkten befindet.

Vom Parkplatz bis zu den Koordinaten des Tradis sind es etwa 500 Meter. Auf einer Düne in der Nähe sehen wir schon den ersten Bunker.

Nur ein paar Meter weiter zweigt ein kleiner Pfad von dem Fahrweg ab. Er geht in Richtung des Geocaches auf eine Düne hinauf. Oben angekommen schaut der Bunker recht unspektakulär aus.

Wir suchen uns einen Zugang und umrunden den Betonbau einmal. An der zugewachsenen Seite werden wir fündig! Die Tür ist offen.

Der Bunker ist in Laufe der Zeit „etwas“ mit Sand vollgelaufen. Im „Entengang“ meistern wir den Eingang.

Drinnen können wir zum Glück wieder aufrecht gehen. Es gibt einige große Räume in diesem Stockwerk. An der Decke ist ein Splitterschutz zu erkennen, der bei Beschuss verhindern sollte, dass Betonbrocken aus der Decke ausbrechen und die Soldaten verletzten.

Im nächsten Raum ist eine große Öffnung im Boden. Jetzt ist klar, dass diese Bunker mehrere Stockwerke hat. Eine solche Größe hätte ich gar nicht vermutet – von außen sieht man nur einen kleinen Teil.

Wir suchen die Treppe nach unten. Es gibt zwei davon. Eine mit ziemlich viel Sand auf den Stufen und eine andere, die gut zu gehen ist.

Unten angekommen finden wir viele weitere Räume. Einige davon sind sogar mit Farbe gestrichen. Leider ist der Bunker komplett leer geräumt. Im Gegensatz zu einigen Festungen der Maginotlinie ist hier drinnen nicht mehr viel zu sehen.

Wir suchen immer noch nach dem Geocache. In einem Gang bemerken wir etwas „verdächtiges“.

Ich räume die Steine zu Seite und werde fündig. Dahinter liegt eine recht große Dose mit einem Logbuch. Nach dem erfolgreichen Log verlassen wir den Bunker wieder und laufen die nächste Düne hinauf, da sich in deren Flanke ein weiterer Bunker befindet.

Aber auch dieser Bunker ist komplett leer geräumt – bis auf ein wenig Müll ist hier nichts mehr drinnen. Wie steigen von der Düne hinunter auf einen alten Betonweg. Er beginnt an einem kleinen Betonhaus.

Darin befindet sich nur ein großer Raum, der leider schon von Sprayern heimgesucht wurde.

Die Dünen sind voll mit Betonbauwerken. Es sind für uns zu viele, um sich jeden einzelnen anzuschauen. Viele schauen auch gleich aus: verbunkerte Munitionslager mit jeweils zwei großen Lagerräumen und an beiden Enden einen geschützten Eingang.

Dann fällt uns an der nächsten Düne eine andere Bauweise auf: hier führt ein Gang durch eine Düne hindurch.

Den schauen wir uns etwas genauer an. In der Mitte des Tunnels geht ein Gang nach rechts ab, er führt in einen großen Raum, der ebenfalls komplett leer ist. Schade, so kann ich nicht erkennen, wofür dieser Bunker einmal gedient hat.

Gleich nebenan sehe ich auf meiner Karte einen weiteren Geocache: den Tradi „Fast nicht gesehen…“ . Versteckt in einer Düne führt ein kleiner Eingang zu einer Kammer. In der Mitte ist ein Fundament mit einer Eisenstange in der Mitte. Im Krieg war darüber eine Öffnung, die inzwischen zu betoniert wurde. Ich vermute, dass das mal eine MG-Stellung war.

Die Dose können wir nach einer kurzen Suche gut finden und loggen. Auf einer großen und hohen Düne sehe ich einen kleinen betonierten Ausguck. Wir spazieren zum Fuß der Düne und steigen hinauf, was dann doch etwas anstrengend ist. Oben angekommen werden wir mit einem tollen Rundumblick auf die Dünen und das Meer belohnt.

An der Seite hat der Beobachtungsposten einen kleinen Eingang – es ist wieder „Entengang“ angesagt. Der kleine Posten hat in alle Richtungen kleine Schlitze zum Hinausschauen.

Von hier oben ist ein weiterer Bunker zu sehen – es ist aber wieder nur ein Munitionslagerraum. Auf eine Besichtigung verzichten wir.

Inzwischen haben wir das nördliche Ende der Stellung erreicht und wollen am Stand entlang zurück zu unserem Auto laufen.

 

Die Bunker am Strand

Der Zugang zum Strand gestaltet sich schwieriger als erwartet – der Wind hat noch mehr aufgefrischt und bläst uns die Sandkörner ins Gesicht. Ich ziehe mein Buff darüber um dem Sandstrahl zu entgehen. Am Strand angekommen bietet sich uns ein besonderer Blick – der Strand ist übersät mit Bunkern, die meisten stehen nicht mehr gerade und sind etwas eingesunken. Als erstes sehe ich diesen ehemaligen Kanonenbunker.

Gleich daneben befindet sich ein Geocache in einem ehemaligen Feuerleitbunker: der Tradi „Gebisset – Anne’s birthday cache„. Auch dieser große Bunker ist offen. Davor steht nur ein Warnschild, welches auf die Gefahren hinweist. Von Verboten wir in Deutschland oder Frankreich ist hier nichts zu lesen. So gefällt mir das!

Wir betreten den Bunker und brauchen fast kein Licht, da durch die vielen Öffnungen genügend einfällt. Auf der Seeseite ist ein großer Beobachtungsraum vorhanden. Es ist jedoch vom Rest des Bunkers abgebrochen und daher etwas geneigt. Trotzdem ist der Ausblick daraus auf den Stand atemberaubend.

Der Geocache ist schnell gefunden. Das Listing des Cache weist uns auf etwas besonderes hin: hier hat 1995 der Künstler Peter Callesen kleine Zeichnungen, die vom Holocaust handeln, angebracht. Diese suchen wir natürlich. In einem abgelegenen Seitenraum werden wir fündig.

Obwohl die Zeichnungen nun schon mehr als 20 Jahre alt sind, sind sie immer noch gut zu erkennen. Ich denke, diese Kunstwerke hätten wir ohne Geocaching sicher nicht gesehen. Hier nun ein paar Impressionen dieser außergewöhnlichen Zeichnungen, die das Leben und Sterben von KZ-Häftlingen zeigt:

Noch ein letzter Blick aus dem Bunker und wir verlassen ihn wieder.

Wir laufen den Stand entlang immer Richtung Süden. Am Stand „liegen“ unzähliger Bunker herum und vermittelt uns einen Eindruck, wie groß diese beiden Stellungen im zweiten Weltkrieg wohl einmal gewesen sein müssen.

Dann kommen wir zu einem irgendwie anders ausschauenden Bunker. Im unteren Bereich hat er nur eine Öffnung, die zur Landseite gerichtet ist. Sie ist jedoch komplett mit Sand zugelaufen und nicht mehr benutzbar. An der Vorderseite hängt ein abenteuerlich ein dickes Tau aus einer Öffnung im oberen Stockwerk hinunter. Ich schaue in meine Geocaching-App und wirklich, hier liegt der Tradi „Bunker„, der D und T 4,5 ist. Da ich kein Sicherungsmaterial dabei habe verzichte ich auf einen Versuch, die Dose zu signieren.

Ein paar Schritte weiter liegt der nächste größere Bunker halb unter einer Düne. Auch hier finden wir nur einen Zugang in zweimeterfünzig Höhe. Ohne Leiter ist da wohl nichts zu machen.

Wir nähern uns unserem Parkplatz. Auf der Karte sehe ich noch den Multi „The Bunker“ . Er besteht nur aus einer Station und dem Final. Die erste Station kann ich mit Hilfe meiner OpenStreetMap-Karte lösen und so laufen Saarzwerg und ich gleich zu Final, welches sich auf einer Düne befindet. Ich nehme an, dass es sich bei diesem Bunker um eine ehemalige Flak-Stellung handelt. Bei dieser Dose müssen wir zunächst etwas suchen, bevor wir uns ins Logbuch eintragen können.

Gegen 16 Uhr verlassen wir den Parkplatz. Obwohl wir uns nicht alle Bunker angeschaut haben, sind doch gute drei Stunden wie im Fluge vergangen.

 

Am Strand von Søndervig

Wir verlassen den Stand von Houvig und fahren zurück Richtung Ringkøbing bis nach Søndervig, wo wir mitten im Ort auf einem kostenpflichtigen Parkplatz unser Auto abstellen.

Unser erstes Ziel ist hier der Virtual „Søndervig sunset – Virtual“ am Eingang zum Strand. Auch hier bläst der Wind wieder recht stark! Wir mach schnell unser Beweisfoto und spazieren weiter.

Ein paar Schritte weiter liegt schon der erste Bunker im Sand. Auch hier vermute ich wieder eine ehemalige Flak-Stellung.

Richtung Süden sind noch einige weitere Bunker zu sehen, die recht nahe am Meer liegen. Einige werde sogar schon vom Wasser umspült.

Diese Bunker kann ich nicht wirklich erkennen. Für große Kanonen sind die Öffnungen meiner Meinung nach zu klein. Für mich schaut das aus, was wären hier mobile kleinere Kanonen auf das Meer oder den Strand ausgerichtet worden. Auf der Vorderseite des Bunkers eine Scharte zu schießen und auf der Rückseite ein großes Tor um die Kanone hinein zu fahren.

Die Toröffnungen sind zum Teil recht groß und bieten einen Blick auf den Strand.

In der Nähe fällt mir der Tradi „Sunset View North Sea“ auf. Er liegt etwas 100 Meter landeinwärts in den Dünen. Wir machen uns auf und erklimmen die erste, was wieder recht anstrengend ist. Nach einem Schritt nach oben geht es wieder einen halben herunter, da der Sand so bröselig ist. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir den Scheitel der Düne und haben einen tollen Blick auf die Bunker und das Meer.

Wir nähern uns den Koordinaten und finden einen kleinen Ringstand vor. Laut dem Cachelisting hat hier mal ein großes Radar gestanden.

Wir finden nur noch die Fundamente und die Dose.

Da der Wind immer noch recht stark ist, beschließen wir unseren Rundgang hier zu beenden und durch die Strandhaussiedlung zum Parkplatz zurückzulaufen. Damit geht ein toller Tag am Bunkerstrand von Ringkøbing zu Ende.

 

In Ringkøbing

Wir fahren zurück nach Ringkøbing, wo wir zunächst in unser Hotel einchecken. Danach wollen wir einen Blick in den Ortskern werfen. Da es doch recht weit ist, entschließen wir uns mit dem Auto zu fahren. Wir parken in der Nähe des Hafens. Dort fällt uns dieses Schild auf:

Ich finde den Text „Knallert forbudt“ recht witzig und frage bei einer Freundin nach, die etwas dänisch kann. „Knallert forbudt“ bedeutet Mofas verboten. Ist doch süß, oder? Nach ein paar Minuten Fußmarsch erreichen wir den Hafen. Es ist inzwischen schon nach 18 Uhr. Das scheint in diesem verschlafenen Ort die Zeit zu sein, an der die Bordsteine hochgeklappt werden. Will heißen, dass wir am Hafen kein passendes und offenes Restaurant für unser Abendessen finden können.

Also mach ich schnell noch ein paar Fotos und danach laufen wir Richtung Marktplatz.

Kaum ein Restaurant hat hier offen. Wir bemühen den TripAdvisor und finden schließlich einen Italiener …

… wo wir unseren Bunkertag gemütlich bei einem Rotwein und einem guten Essen ausklingen lassen.

 

Hotel- und Restauranttipp für Ringkøbing

Noch unserem luxeriösen und doch etwas teureren Hotel in Aarhus wollen wir in Ringkøbing nicht mehr ganz so viel Geld ausgeben. Die Auswahl an Hotels ist dort eh nicht so groß. Letztlich entscheinden wir uns für das „Danhostel Ringkøbing“ (Provisionslink), welches einer Jugendherberge ähnelt und recht günstig ist. Dafür bekommen wir ein geräumiges Mehrbettzimmer mit Einzelbetten für uns alleine. Die Betten müssen wir selbst beziehen. Im Zimmer hängt ein großer Fernseher an der Wand. Die Internetverbindung ist gut und schnell. Das Frühstücksbuffet ist sehr reichhaltig für dänische Verhältnisse – es gibt sogar ein Ei! Bei einem nächsten Besuch in Ringkøbing würden wir wieder diese Unterkunft buchen.

Am Abend suchen wir uns ein nettes Restaurant im Ortskern von Ringkøbing. Leider ist die Auswahl um diese Uhrzeit nicht mehr so toll. In der Nähe vom Marktplatz werden wir bei einem Italiener fündig: wir kehren im „Ristorante Pizzeria Italia“ ein. Das Essen ist sehr gut – wir gönnen uns eine Vorspeise, eine Hauptspeise und Rotwein für unseren letzten Abend auf dieser Tour!

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Dieser Blogbeitrag ist Teil einer Artikelserie über unsere Dänemark-Rundreise mit dem kleinen Abstecher nach Schweden. Den Übersichtsartikel mit den Links zu den anderen Beiträgen findet Ihr unter „Geocaching-Rundfahrt durch Dänemark mit Schweden-Länderpunkt!“ .

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Wie hat Euch unser Besuch am Strand von Ringkøbing gefallen? Wäre das auch etwas für Euch? Welche Caches hätte ich noch machen sollen oder welche Sightseeing-Spots besuchen? Wie immer freue ich mich auf Eure Kommentare unter diesem Beitrag.

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Saarfuchs

Jörg (Saarfuchs) betreibt Geocaching seit 2008. Sein besonderes Interesse galt zunächst Mysteries, dann den T5-Caches und mittlerweile den Lostplaces. Zu seinen Hobbies gehören Reisen, Fotografieren, Bergwanderungen und Hochtouren. Er geht weltweit auf Dosen-Suche und berichtet in seinem Blog regelmäßig mit vielen Fotos über sein “Geocaching” und damit verwandte Themen.

Ein Kommentar:

  1. Fast wären wir uns über den Weg gelaufen….. Bei „Riddle underearth“ waren wir 3 Tage später, aber ohne wirklich gute Taschenlampe. Daher sehr creepy, aber auch beeindruckend. Mein bisher größter Bunker.

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