Jun 162016
 

Wünsdorf hat eine lange Geschichte: Truppenübungsplatz im ersten Weltkrieg, Sitz des Oberkommandos des Heeres im zweiten Weltkrieg und größte russische Garnison zur Zeit der DDR. Im Laufe der Zeit sind dort einige Bunker entstanden, die heute besichtigt werden können. Nebenbei kann man sogar noch einige Geocaches besuchen.

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saarzwerg und ich haben an der Bunkerführung teilgenommen und anschließend in der Nähe noch Geocaching betrieben. Kommt mit auf die virtuelle Führung!

 

 

Bunkerstadt Wünsdorf

Bei der Vorbereitung unseres ersten Besuches in den östlichen Bundesländern habe ich auch nach Lostplaces geschaut. Schnell war mir bei meinen Recherchen die ehemalige Garnison der russischen Streitkräfte in Wünsdorf aufgefallen.

Wünsdorf liegt in Brandenburg, ca. 40 Kilometer südlich von Berlin. Der ehemalige größte russische Militärstandort wird inzwischen erschlossen. Es wurden Wohnungen gebaut und Firmen angesiedelt. Dennoch sind an vielen Stellen noch die “Überreste” der russischen Vergangenheit zu sehen.

Es gibt mittlerweile mehrere Museen, welche auch verschiedene Führungen durch die Bunkeranlagen anbieten. Gegen 10 Uhr morgens erreichen wir die Touristeninformation, wo saarzwerg und ich für 15€ ein Kombi-Ticket für Museum und Bunkerführung kaufen.

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Da die Führungen jeden Tag um 14 Uhr stattfinden, haben wir noch etwas Zeit uns vorher die Museen anzuschauen. Für die normale Führung muss man sich nicht vorab anmelden.

 

Die Museen

Im Garnisonsmuseum wird uns die Geschichte von Wünsdorf bis zum Ende des zweiten Weltkrieges dargestellt.

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In der langgezogenen Halle sind zeitlich sortiert viele Gegenstände, Karten und Fotos ausgestellt. Wir tauchen so leicht in die Vergangenheit ein.

Dabei werden auch die Bunkerhäuser von Maybach I und der Nachrichtenbunker Zeppelin vorgestellt. Beides bekommt man auf der Bunkerführung zu sehen. Für uns ist es eine optimale Vorbereitung auf die Führung durch die Bunker.

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Im Gebäude daneben befindet sich schon das nächste Museum. Hier wird die Geschichte der russischen Garnison nach dem zweiten Weltkrieg bis zum Abzug der Truppen 1994 dargestellt.

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Auf der großen Karte sehen wir zum ersten Mal, wie groß diese “russische Stadt” auf deutschem Boden war. Besonders interessant finde ich die Dienstanweisungen zum Umgang mit der Bevölkerung. Die Soldaten sollten vorsichtig sein, wenn sie die den Militärbereich verlassen.

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Als drittes Museum dient einer der vielen Spitzbunker, die auf dem Gelände errichtet wurden. Auf drei Stockwerken wird darin seine damalige Nutzung erklärt.

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Unmittelbar am Spitzbunker suchen und finden wir unseren ersten Geocache des Tages: den Traditional “Zuckerhut unter Beschuss“.

 

Die “Bunkersiedlung” Maybach I

Kurz vor 14 Uhr gehen wir zur Touristeninformation, wo wir auf den Start unserer Bunkerführung warten. Am Rande bekommen wir die Frage eines anderen Teilnehmers mit, ob Fotografieren erlaubt sei – die Antwort, ja, aber nur ohne Stativ. Super – ich freue mich darauf ein paar interessante Bilder machen zu können.

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Pünktlich ruft unser Guide alle zusammen: Wir sind ca. 15 Leute, die sich für die Führung heute angemeldet haben. Gemütlich spazieren wir zum Eingang eines abgesperrten und eingezäunten Bereichs.

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Am ehemaligen Torhaus gibt uns unser Guide eine kurze Einführung in die Geschichte von Wünsdorf und zeigt uns auf dem Übersichtsplan, was wir in den nächsten 90 Minuten sehen werden.

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Es geht weiter und wir kommen am ersten “Bunkerhaus” vorbei. Vor dem zweiten Weltkrieg gab es hier zwölf sogenannte Bunkerhäuser, die jeweils zwei oberirdische und zwei unterirdische Stockwerke hatten. In diesen Bunkern, die aus der Luft wie normale Häuser aussahen, war das Oberkommando des Heeres im zweiten Weltkrieg untergebracht. Nach dessen Ende wurden die Bunkerhäuser von den Besatzungsmächten gesprengt.

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Bei einigen hat das auf Grund der sehr stabilen Bauweise nicht so richtig funktioniert.

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Der Aufbau aller Häuser ist identisch. Der Quader vorne in der Mitte ist die Gasdruckschleuse, die den Eingang in dieses Haus bildete.

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Bei anderen Häusern war die Sprengung leider erfolgreicher.

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Hier steht fast nur noch die Eingangsschleuse, die auch den Zugang zu den Kellergeschossen eröffnet.

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Unterirdisch waren alle Häuser an einen Ringtunnel angeschlossen, der heute noch zu großen Teilen erhalten ist. Auf der normalen Führung der Bunkerstadt Wünsdorf sehen wir diesen Tunnel nicht. Auf Anfrage werden jedoch auch längere und speziellere Führungen angeboten.

 

Der Bunker “RANET” oder Zeppelin

Zwischen 1937 und 1939 wurde in der Nähe der Bunkersiedlung Maybach I ein weiterer Bunker mit der Bezeichnung “Zeppelin” für die Nachrichtenvermittlung gebaut. Bis auf einen recht erfolglosen Sprengversuch hat dieses Bauwerk die unmittelbare Nachkriegszeit unbeschadet überstanden. Die russische Garnison in Wünsdorf hat den Bunker übernommen und zur geschützten Führungsstelle des Oberkommandos der GSSD ausgebaut. Von den russischen Streitkräften bekam der Bunker die Bezeichnung “RANET”.

Im zweiten Teil unserer Führung geht es nun unter die Erde, um “RANET” zu besichtigen.

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Wir betreten den Bunker durch eine Gasschleuse im Eingangsbauwerk, welche bei den Ausbauarbeiten von den russischen Streitkräften hinzugefügt wurde.

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Einige Räume später erreichen wir das zentrale Treppenhaus. An der Decke erkenne ich einen Splitterschutz, so wie er auch in den Maginot-Bunkern eingebaut wurde.

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In der linken oberen Ecke befindet sich die Eintrittsöffnung für die vielen Nachrichtenkabel.

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Leider wurde der Bunker nach der Rückgabe durch die russischen Streitkräfte von unseren Behörden mit der deutschen Gründlichkeit geleert. Nur an einigen Stellen sind noch fest installierte Schaltkästen mit russischen Schriftzeichen vorhanden.

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Die Gesellschaft, die nun der Besitzer des Geländes samt seinen Bunkern und Bunkerhäusern ist, bemüht sich jedoch, die Ausstattung wieder aufzutreiben und hier auszustellen.

Bei einem kleinen Teil der Nachrichtentechnik ist es schon gelungen. In der ehemaligen Nachrichtenzentrale werden diese Ausstellungsstücke gezeigt.

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Wir setzen unsere Führung durch den Bunker fort. Unser Guide ist sehr motiviert und erzählt viel über das Leben hier unten im Bunker. Er gibt uns auch die Gelegenheit in einen sehr langen Zugangsstollen hineinzugehen. Obwohl der Bunker nicht für die dauerhafte Nutzung durch Soldaten ausgelegt ist (es gab keine Schlafräume), so wurde dieser Tunnel mit Klappbetten ausgestattet, um im Falle eines Atomschlages mehrere Wochen hier unten überleben zu können.

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Während unserer Führung ist der Bunker beleuchtet, was in den Gängen zu interessanten Lichteffekten führt.

Bei den Durchgängen fehlen hier die Panzertüren.

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Nun kommen wir in einen Bereich, wo kurz nach Kriegsende von den Alliierten Sprengversuche durchgeführt wurden – zum Glück recht erfolglos. In der Decke klafft zwar ein riesiges Loch – jedoch hat der Rest der Stahlbetondecke gut gehalten.

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Bei Ausbau des Bunkers durch den GSSD wurde das Loch für Lüftungsrohre genutzt und mit einer Betondecke verschlossen.

In einem weiteren Raum schauen wir uns die Kommunikationstechnik von damals an: ein Rohrpostsystem. Kapseln mit Dokumenten konnten so schnell über längere Strecken transportiert werden. Ein Fax gab es damals ja noch nicht.

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Unsere Führung neigt sich dem Ende zu. Wir verlassen den Bunker durch den 250 Meter langen Weststollen.

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Das Eingangsbauwerk ist heute recht unspektakulär – im Zweiten Weltkrieg war der Bunkereingang als großes Wohnhaus getarnt.

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Stellt sich nur die Frage, bei wem täglich mehrere hundert Gäste (bei Wachwechsel im Bunker) zu Besuch kommen – war ja überhaupt nicht auffällig!

 

Geocaching in Wünsdorf

Nach dem Ende unserer Führung durch die Bunkerstadt Wünsdorf wollen wir noch den Tradi “Buchterkirch-Stadion” einsammeln. Dazu müssen wir einen kleineren Spaziergang in ein kleines Wäldchen unternehmen. Die Dose ist schnell gefunden und gegenüber befindet sich schon die Tribüne vom Stadion, von der wir einen schönen Blick haben.

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Das Stadion, welches von den russischen Streitkräften genutzt wurde, ist im Innenraum noch recht gepflegt, der Rasen ist gemäht. Es wird heute noch gerne von Joggern genutzt.

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Wir verlassen das Stadion auf der gegenüberliegenden Seite durch den Bogen am offiziellen Eingang.

Als nächstes fahren wir zum Tradi “Moskau-Express” am ehemaligen Bahnhof der Streitkräfte. Von hier gab es eine Direktverbindung nach Moskau. Leider ist kaum noch etwas davon übrig: Die Schienen wurden demontiert und nach einem Bahnhof schaut es heute auch nicht mehr aus. Der Besuch hat sich nicht wirklich gelohnt.

Besser hat mir da schon der Tradi “Nächster Halt: Вюнсдорф! (mini LP)” gefallen. An einem Wartehäuschen des russischen Militärs suchen wir einen Petling.

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Die Suche gestaltet sich wegen der perfekten Tarnung als äußerst schwierig und zeitaufwendig. Nur durch Zufall habe ich plötzlich den Geocache in der Hand. Meine absolute Empfehlung, falls Ihr dort mal in der Nähe seid.

Zum Abschluss unseres Besuches in der Bunkerstadt Wünsdorf fahren wir zu einem Militärfriedhof mit indischen und arabischen Soldatengräbern.

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In der Zufahrt zum Friedhof finden wir den Tradi “Militärfriedhof Zehrensdorf“. Dort angekommen besichtigen wir den Friedhof, was wir gut mit der Suche nach dem Multicache  “Verlorene Dose 4” verbinden können. Nachdem alle Informationen gefunden sind, können wir auch das leider sehr nasse Logbuch signieren. Ohne diesen Multi wäre uns sicher dieser interessante und geschichtsträchtige Ort verborgen geblieben.

 

Mein Fazit

Mir hat unser Besuch in der Bunkerstadt Wünsdorf sehr gut gefallen. Wer etwas über die Militärgeschichte erfahren möchte oder gerne (ohne sich zuzusauen) unterirdische Anlangen besichtigt, der ist hier richtig. Unser Führer war mit viel Engagement und Fachkenntnis bei der Sache. Ich habe deutlich gespürt, dass er Freude daran hat, uns diese Anlagen und deren Geschichte näherzubringen.

In der näheren Umgebung gibt es einige interessante Geocaches, die uns Spaß gemacht haben. Für Hardcore-Lostplace-Fans gibt es in den Wäldern rund um Wünsdorf sicher noch Einiges zu erforschen. Doch Ihr müsst aufpassen – der Wald ist mit Schildern, die vor lebensgefährlichen Gefahrenstellen warnen, zugepflastert.

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Hattet Ihr schon Gelegenheit Wünsdorf zu besuchen? Wie hat es Euch gefallen? Was sind Eure Empfehlungen für diese Region? Wie immer freue ich mich über Eure Kommentare unter diesem Beitrag.

 

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  Eine Antwort zu “Bunkerstadt Wünsdorf: Geocaching & Sightseeing im Lostplace”

  1.  

    Moin Jörg,

    wäre es in diesem Artikel nicht besser russisch durch sowjetisch ersetzen? Russland war zu der Zeit (1922-91) Teil der Sowjetunion.

    Klingt auf jeden Fall interessant :).

    Grüße Micha

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