Mai 192014
 

Nach dem Besuch der Stp Adolf sind saarzwerg und ich weiter zur MKB Malo Terminus gefahren. Diese Erkundung wurde ein echter Erfolg: Wir sehen neben dem Fort noch viele Bunker aus dem zweiten Weltkrieg. Die Leitstelle M162a erweckt mein besonderes Interesse und wir haben die Gelegenheit diesen Bunker von Innen zu sehen.

LP: Atlantikwall - MKB Malo Terminus - Feuerleitstelle M162a

In diesem Artikel berichte ich von der Vorbereitung und dem Tag am Atlantikwall und führe Euch virtuell durch diese Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg…

Zuhause am Computer

Als ich anlässlich unseres Besuches beim Megaevent den Tag am Atlantikwall vorbereitet habe, ist mir schnell diese Stellung auf Google Earth aufgefallen. Nach etwas Recherche war der Name schnell gefunden: Marineküstenbatterie Malo Terminus oder auch MKB Malo Terminus.

Wegen der Vielzahl an Gebäuden und Bunkern habe ich auf dem Satellitenbild hier nicht mehr jede Struktur einzeln markiert – vielmehr habe ich Euch den Bereich rot umrandet, welchen saarzwerg und ich bei unserem Besuch erkundet haben.

LP: Atlantikwall - MKB Malo Terminus - Google Earth Überblick über die Stellung

Diese Batterie liegt von der Stp Adolf nur ca. sechs Kilometer die Küste entlang Richtung Dünkirchen. Laut Satellitenbild sollte man recht nahe der Stellung am Stadtrand von Malo les Bains am Strand parken können – Parkplätze sind wahrscheinlich nur gut außerhalb der Badesaison hier zu finden ;-)

Auf dem Weg zur MKB Malo Terminus kann man noch weitere Bunker erkennen, die zum WN Darmstadt gehören. WN steht hier für Widerstandsnest, also einer Befestigung, die kleiner als ein Stützpunkt oder eine Batterie ist.

Der Tag am Atlantikwall

Nachdem unser Besuch bei der Stp Adolf eher enttäuschend verlaufen ist, freue ich mich auf unsere Erkundung der Marineküstenbatterie! Wie geplant finden saarzwerg und ich leicht einen Parkplatz am Strand – ziemlich genau dort, wo auch der Pfad in die Dünen beginnt.

Wir folgen dem Pfad. Zunächst geht es etwas bergan auf den Scheitel der Düne und anschließend mehrmals hinauf und hinunter. Das Gehen in den Dünen ist beschwerlich – an einem festen Untergrund fehlt es eben oft!

Aber von der Dünen haben wir nun einen schönen Blick auf den ersten Bunker: einen Doppelschartenstand (R219).

LP: Atlantikwall - WN Darmstadt - Doppelschartenstand R219

Wir folgen dem Pfad weiter bergan und erreichen den Bereich der MKB Malo Terminus. Dort liegt ein weiterer Bunker schräg im Sand – die Erosion hat die Bunker aus ihren ursprünglichen Positionen rutschen lassen. Nun liegt dieser SK Gruppenunterstand in Marinebauweise auf dem Strand. Um Unfällen vorzubeugen wurde dieser Bunker mit einem Gitter verschlossen.

LP: Atlantikwall - MKB Malo Terminus - SK Gruppenunterstand

Das Gelände ist öffentlich zugänglich und auch außerhalb der Badesaison sind hier viele Strandbesucher unterwegs. Verbotsschilder sind hier kaum zu finden.

Wir wandern nun weiter landeinwärts die Düne hinauf. Auf der höchsten Stelle finden wir eine offene Bettung für eine 4cm Flugabwehrkanone (Flak).

LP: Atlantikwall - MKB Malo Terminus - Offene Bettung für Flak

Der Zugang zu den unteren Räumen dieser Bettung wurde leider mit Sand zugeweht. Hier können wir das Innere nicht mehr erkunden.

LP: Atlantikwall - MKB Malo Terminus - Unter der Flak-Bettung

60 Meter weiter auf dem nächsten Hügel steht ein alter französischer Kommandobunker. Auch dessen Eingang ist mit einem Gitter verschlossen. Als wir dort ankommen packt gerade ein Fotograf seine Ausrüstung aus, um sein Modell vor Bunker und Meer im wehenden Kleid abzulichten.

LP: Atlantikwall - MKB Malo Terminus - Französischer Kommandobunker

Nun spazieren wir hinter die Düne und erreichen innerhalb dieser Atlantikwall-Stellung den Bereich, in dem sich das Fort befindet. Hier gibt es mehrere Gebäude, die zum Teil in den Hang der Düne eingebaut wurden. Leider ist hier gerade eine Gruppe Jugendlicher zu Gange, was eine Erkundung einiger Gebäude verhindert.

LP: Atlantikwall - MKB Malo Terminus - Teil des Forts

Auch finde ich es sehr schade, dass jede freie Wand dieser Batterie Opfer der Sprayer wurde. Die Gebäude sind alle leer geräumt – außer Schutt, der langsam von den Wänden fällt, ist hier nichts mehr zu finden.

LP: Atlantikwall - MKB Malo Terminus - Gebäude im Fort

Die Gebäude sind in einem großen “U” angelegt – dazwischen ist ein Platz. Auch hier wurden einige Eingänge mit Gittern verschlossen – eine Öffnung wurde sogar speziell für Fledermäuse präpariert. Später werde ich bei weiteren Recherchen feststellen, dass es hier wohl auch einen Zugang zu unterirdischen Quartieren gibt. Bei der Erkundung fällt uns jedoch nichts Derartiges auf.

LP: Atlantikwall - MKB Malo Terminus - gemauerte Gebäude im Fort

Eines der hinteren Gebäude schauen wir uns etwas genauer an – auch hier gibt es viele Graffitis und leergeräumte Zimmer.

LP: Atlantikwall - MKB Malo Terminus - Graffitis im Fort

Nachdem wir genug vom Fort der MKB Malo Terminus gesehen haben, nähern wir uns meinem Highlight dieser Tour: dem Marine-Regelbau M162a “Leitstand für leichte Seezielbatterien“.

LP: Atlantikwall - MKB Malo Terminus - M162a Leitstand für Seeziele

Auf der Rückseite ist der Zugang zu den Räumen im Inneren nur noch mit einem halben Gitter versehen und es befinden sich keinerlei Verbotsschilder am Bunker – also packt uns die Neugier und wir gehen hinein.

LP: Atlantikwall - MKB Malo Terminus - Eingang zum Leitstand

Leider sehen wir auch hier Wände, die mit vielen Graffitis gefüllt sind, leere Räume und fehlende Türen. Alle Metallteile sind durch das salzige Meeresklima schon arg verostet.

LP: Atlantikwall - MKB Malo Terminus - fehlende Panzertür im Leitstand

Wir gehen in den Raum hinter dem Eingang. Dort befindet sich eine Scharte um den Eingang zu schützen. An der Decke erkennt man den Splitterschutz, der bei einem Treffer verhindern sollte, dass aus der Decke fallende Steine die Soldaten verletzen können.

LP: Atlantikwall - MKB Malo Terminus - Scharte im Leitstand

Eine kleine Treppe trennt die übrigen Räume vom unteren Beobachtungsraum. Von hier haben wir einen tollen Blick über das Meer.

LP: Atlantikwall - MKB Malo Terminus - Ausblick aus dem Leitstand

Wir  verlassen den Leitstand wieder. Beim Rausgehen kommt uns gerade die Gruppe Jugendlicher entgegen, die wohl eine Party im Bunker feiern wollen. Das Wetter ist heute kalt und nicht sehr sonnig – trotzdem sind am Strand und innerhalb der Atlantikwall-Stellung viele Besucher unterwegs.

Bedingt durch den seitlichen Anbau fällt es mir leicht auf das Dach des Bunkers zu klettern. Von dort habe ich eine gute Übersicht über die MKB Malo Terminus.

LP: Atlantikwall - MKB Malo Terminus - Saarfuchs auf dem Dach des Leitstandes

Ich gestehe es – auch ich bin der Versuchung erlegen für Facebook ein entsprechendes Foto auf dem Dach des Leitstandes von saarzwerg schießen zu lassen…

LP: Atlantikwall - MKB Malo Terminus - Saarfuchs auf dem Dach des M162a

Wir entschließen uns den Rückweg über den Strand anzutreten, da dort unten noch einige Bunker im Sand liegen. Der Abstieg durch die lose Düne erfordert etwas Vorsicht – schließlich will ich nicht unsanft auf den herumliegenden Betonteilen landen. Diese losen Teile im Hang rutschen langsam ab und stammen von Mauern, Treppen und sonstigen Befestigungen.

LP: Atlantikwall - MKB Malo Terminus - M162 Sicht vom Strand

Nachdem wir den Strand erreicht haben, bewundern wir dort die großen Geschützbunker R671 (Schartenstand für Geschütze auf mittlere Sockellafette 120°), die mittlerweile durch die Erosion bis zum Strand gerutscht sind.

LP: Atlantikwall - MKB Malo Terminus - R671 Geschützbunker

Bei diesen Geschützbunkern wurde der hintere Eingang durch ein Gitter verschlossen. Von dieser Atlantikwall-Stellung MKB Malo Terminus liegen insgesamt vier R671 Geschützbunker und zwei SK Gruppenunterstände am Strand.

Während wir uns bei diesen Bunkern umschauen, haben gerade einige Besucher einen dieser R671 erklettert, um oben vor der Geschützscharte ein Picknik zu veranstalten. Diese Relikte des zweiten Weltkrieges sind hier fest ins Strandleben integriert.

LP: Atlantikwall - MKB Malo Terminus - R671von der Seite

Wir verlassen nun die Marineküstenbatterie in Richtung unseres Autos und kommen wieder am WN Darmstadt vorbei. Bei diesem Doppelschartenstand R219 sind noch an einer Scharte die Eisentüren vorhanden.

LP: Atlantikwall - WN Darmstadt - Doppelschartenstand mit Türen

Da diese Türen nur noch sehr selten (dank den Schrottsammlern) vorhanden sind, schaue ich mir diesen Bunker näher an. Eine Tür ist geschlossen und die andere weit geöffnet – so habe ich diesen schönen Blick auf das Meer.

LP: Atlantikwall - WN Darmstadt - Blick auf das Meer aus dem R219

Ich nutze die Gelegenheit mich noch einmal von saarzwerg fotografieren zu lassen.

LP: Atlantikwall - WN Darmstadt - Saarfuchs im R219

Mit diesem Foto lassen wir unseren Tag am Atlantikwall erfolgreich zu Ende gehen.

Die Geocaches in der Nähe der MKB Malo Terminus

Auf dem Weg vom Parkplatz zur Stellung konnten wir erfolgreich den Tradi “DUNE DEWULF #5” suchen und finden. Obwohl es wegen der sich verändernden Dünen schwierig ist hier etwas auch längerfristig zu verstecken, hat der Owner ein cleveres Versteck gewählt.

Am Rand der MKB Malo Terminus liegt noch ein weiterer Tradi: “la dune cafougnette #6“, der dort zwischen den ehemaligen Panzersperren versteckt ist. Auch den haben wir nach einer längeren Suche gefunden.

Beide Tradis sind jeweils Teil einer Serie von Geocaches in den hinter der Stellung liegenden Dünen.

Die Nachbereitung des Besuches am Atlantikwall

Wieder Zuhause angekommen, versuche ich mehr über diese beiden historischen Orte zu recherchieren. Ich werde bei einer belgischen Atlantikwall-Webseite, die zum Glück auch in englisch verfügbar ist, fündig:

Kurz zusammengefasst war das Widerstandsnest Darmstadt für die Verteidigung der linken Flanke der Marineküstenbatterie Malo Terminus zuständig.

Diese Seeziel-Batterie hatte eine Besatzung von 190 Soldaten. Zur Seezielbekämpfung waren vier 10,5cm Geschütze in den R671 sicher untergebracht. Diese, ursprünglich Schiffskanonen, wurden 1944 von U-Booten entfernt und hier in den Bunkern eingebaut. Zur Verteidigung gab es noch Flugabwehrkanonen und kleinere Kanonen.

Die Lage dieser Stellung geht auf eine frühere französische Batterie zurück, die nach dem Fall von Frankreich von der Kriegsmarine übernommen und ausgebaut wurde. Aus dieser Zeit stammt auch der Kommandobunker, den ich Euch auf einem der Bilder gezeigt habe.

Mehr Bilder von unserem Tag am Atlantikwall könnt Ihr im Webalbum “Atlantikwall bei Bray-Dunes und Zuidcoote” schauen.

Weitere Besichtigungen am Atlantikwall?

Für mich ist der Atlantikwall eine interessante Alternative zur Maginotline, wenn es darum geht, militärische Relikte aus dem zweiten Weltkrieg zu besichtigen und fotografisch zu dokumentieren. Die Maginotlinie ist vom Saarland aus schneller und leichter zu erreichen – leider nehmen die Verbote und Kontrollen an den Festungen zur Zeit aber wieder zu.

Am Atlantikwall habe ich das Gefühl, dass die verbliebenen Bunker leichter zu finden, gut dokumentiert und zumindest von außen leicht zugänglich sind. Wegen der großen Entfernung bieten sich diese Touren leider nur bei Kurzurlauben an.

Wenn ich zukünftig in der Nähe sein sollte, werde ich sicher noch bei weiteren Atlantikwall-Stellungen vorbei schauen und hier im Blog darüber berichten.

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