Mai 152014
 

Als klar wurde, dass saarzwerg und ich das Mega in Brügge besuchen würden, wollte ich natürlich auch einen Tag am Atlantikwall verbringen. Von unserem Besuch in Raversyde habe ich ja schon ausführlich berichtet. Für den Rest des gleichen Tages wollte ich noch zwei weitere Stellungen in Richtung Dünkirchen besuchen, die auf den Satellitenbildern mein Interesse geweckt hatten: die Stp Adolf und die MKB Malo Terminus.

Atlantikwall - Stp Adolf - Blick auf die Scharte der Meßstelle

In diesem Artikel möchte ich Euch von unserer Erkundung des Stützpunkt Adolf (Stp Adolf) berichten…

Die Vorbereitung

Inzwischen habe ich mir angewöhnt, meine Lost-Place-Touren mit Google und Google Earth vorzubereiten:

  1. Über Google findet man leicht kml-Dateien, in denen die ehemaligen Stellungen markiert sind: Ich bevorzuge dazu die Webseite “Atlantikwall-Relikte“, auf der aktuell über 3100 Stellungen dokumentiert sind.
  2. Über Google Earth kann man sich dann die ausgewählten Stellungen näher betrachten. Die Satellitenbilder sind in vielen Regionen richtig detailliert geworden. So kann ich schnell eine erste Einschätzung geben, was es dort noch zu finden gibt.

Im folgenden Satellitenbild habe ich mal die interessanten größeren Strukturen, die gut zu erkennen sind, rot eingerahmt.

Atlantikwall - Stp Adolf - Google Earth Ansicht der Stellung

Die Erkundung der Stp Adolf

Diese Atlantikwall-Stellung befindet sich nördlich von Dünkirchen in unmittelbarer Nähe der Ortschaft Bray-Dunes am Meer. Vom Museum in Raversyde ist es kaum eine Viertelstunde Fahrt mit dem Auto. Parkplätze sind am Strand außerhalb der Badesaison genügend vorhanden.

Nachdem wir das Auto abgestellt haben, sind es nur wenige Minuten zu Fuß bis wir den ersten Bunker erreichen: den Regelbau 637 “Meßstelle für Heeresküstenbatterien (HKB)”. Leider stellen wir fest, dass ein Großteil dieses Bunkers unter Sand begraben ist. An eine Erforschung im Inneren ist nicht zu denken.

Atlantikwall - Stp Adolf - Meßstelle im Sand versunken

Direkt daneben finden wir noch einen schusssicheren Beobachtungsstand (VG6b). Dieser ist noch mehr von der Düne bedeckt. Auf den Panoramio-Bildern vor ein paar Jahren ist noch ein MG-Pilz  zu sehen – dieser ist inzwischen wohl vollständig im Sand versunken.

Atlantikwall - Stp Adolf - Schusssicherer Beobachstungsstand

Wir laufen weiter den Stand entlang. Etwa 150 Meter weiter finden wir einen 2-Schartenstand (R219). Dessen Innenraum ist noch in gebückter Haltung begehbar – jedoch nicht sehr interessant.

Atlantikwall - Stp Adolf - 2-Schartenstand

Die noch freien Seitenwände wurden leider von Sprayern mißbraucht. Dieser Regelbau 219 hat in beide Richtungen des  Strandes je eine Scharte zur Verteidigung der Stellung.

Atlantikwall - Stp Adolf - 2-Schartenstand von der Seite

Von dort laufen wir etwas düneneinwärts und bemühen uns den Hang hinauf zu kommen. Im Hang befindet sich eine offene Bettung für eine Kampfwagenkanone (OB 5cm KwK), die langsam dabei ist sich ihren Weg nach unten zu suchen.

Atlantikwall - Stp Adolf - Offene Bettung für 5cm KwK

Mühevoll erreichen wir den Scheitel der Düne – auf der anderen Seite zeigt mein GPS einen weiteren Bunker an. Leider ist auch hier die Enttäuschung groß: Der Doppelgruppenunterstand (R502) ist bis auf seine Decke im Sand versunken. Auch hier besteht für uns keine Möglichkeit mehr das Innere zu erforschen.

Atlantikwall - Stp Adolf - Versunkener Gruppenunterstand

Wir entschließen uns diese Stellung zu verlassen. Auf unserem Rückweg kommen wir an einer weiteren offenen Bettung vorbei, dieses Mal für einen schweren Granatwerfer (OB sGrWfr).

Atlantikwall - Stp Adolf - Offene Bettung für Granatwerfer

Kurz bevor wir wieder die Häuser erreichen finden wir noch einen letzten Bunker in den Dünen. Von außen schaut er recht unscheinbar aus – außer einem Eingang keine weiteren Öffnungen.

Atlantikwall - Stp Adolf - Toilettenbunker von außen

Hierbei handelt es sich um einen feldmäßig verstärkten Toilettenbunker (Vf WC). Im Inneren gibt es dazu noch den passenden Schriftzug an der Wand. Leider wird dieser Raum wohl auch heute noch von den Standbesuchern für ihre Notdurft genutzt – daher sind wir schnell weiter spaziert…

Atlantikwall - Stp Adolf - Toilettenbunker von Innen

Die Geocaches

Für die Geocacher unter uns liegen in den Dünen hinter der Stp Adolf noch zwei Tradi-Serien:

Die Nachbereitung

Um ehrlich zu sein, habe ich mir von diesem Besuch mehr erhofft. Leider sind die meisten Bunker inzwischen fast vollständig unter den Dünen begraben – oft sieht man nur noch die Betondecken.  Die Eingänge der Bauwerke und die benachbarten Laufgänge sind mit Sand gefüllt und nicht mehr zugänglich. Die einzigen Ausnahmen waren hier der feldmäßig verstärkte (Vf) Toilettenbunker und der Regelbau R219 2-Schartenstand.

Weitere Informationen über diese Stellung habe ich auf der Webseite zum Atlantikwall der 15ten Armee gefunden: Es handelt sich hier um eine Infanteriestellung, die auch Beobachtungsaufgaben für die landeinwärts liegende Heeresküstenbatterie Blei übernahm. Ferner war hier ein Hauptquartier untergebracht.

Der Ausblick

Auch wenn diese Erkundung nicht so wie erwartet verlaufen ist, so hat es doch Spaß gemacht am Meer entlang zu spazieren und diese Relikte aus vergangenen Zeiten näher betrachten zu können. Ich hätte mir gewünscht eine Wühlmaus zu sein, um den ein- oder anderen Bunker auch von Innen sehen zu dürfen.

Mein anschließender Besuch bei der HKB Malo Terminus war dafür sehr viel besser als erwartet: mein bisheriger Favorit am Atlantikwall! Aber das ist eine andere Geschichte für einen anderen Artikel…

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