Aug 272015
 

Nach einem Jahr Pause war es nun endlich wieder soweit: tower27, Corvus1, saarzwerg, ein Muggle und ich packten die Rucksäcke und brachen in Richtung Alpen auf. Im ersten Teil der kleinen Artikelserie über unsere “Geobergtour 2015” in die Berchtesgadener Alpen rund um den Watzmann berichte ich Euch von unserer Klettertour vom Kehlsteinhaus über die beiden Klettersteige “Mannlgrat” und “Salzburger Steig” zum Purtschellerhaus.

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Eigentlich war die Tour ja anders geplant… aber die eigene Gesundheit geht vor!

 

 

Die Anreise

Vom Saarland über die A8 sind es fast 600 Kilometer bis nach Berchtesgaden. Der Routenplaner geht von sechs Stunden Fahrt aus. Die Realität sieht leider anders aus. Da Einige von uns freitags noch arbeiten müssen, kommen wir erst gegen 13:30 los. Der Verkehrsfunk berichtet von einigen größeren Staus auf der A8. Wir entscheiden uns über Heilbronn und Nürnberg auszuweichen. Diese Stecke ist mehr als 70 Kilometer länger, aber es sollten dort weniger Baustellen und Staus sein. Wir erreichen unser Hotel für die erste Nacht erst gegen 22:00 Uhr.

 

Das Hotel für die erste Nacht

Bei der Auswahl unseres Hotel ist uns ein echter Glücksgriff gelungen: das Explorer-Hotel (Werbelink) in Schönau in der Nähe des Königssees. Ein günstiges und sehr modernes neues Hotel für Aktivurlauber.

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Das Einchecken geht schnell. Gegenüber der Rezeption hängt eine Karte der Region. Ich nutze die Gelegenheit die Tourplanung für den kommenden Tag an dieser zu erklären.

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Den Abend lassen wir anschließend an der Bar bei einigen Absackern ausklingen!

 

Die Fahrt zum Kehlsteinhaus

Da saarzwerg sich nicht für Klettersteige begeistern kann, fällt ihr die Aufgabe zu uns morgens zum Dokumentationszentrum Obersalzberg zu fahren. Dort fährt um halb neun der Bus zum Kehlsteinhaus ab. Ich bin überrascht, wie viele Touristen um diese Zeit schon hier sind. Nach einiger Zeit Schlangestehen haben auch wir unsere Tickets und steigen in einen der Busse.

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Im oberen Teil ist die Kehlsteinstrasse sehr interessant: Die Straße schlängelt sich am Abgrund entlang und wir haben tolle Ausblicke ins Tal, auf den Watzmann und den Königssee.

Oben angekommen steuern wir als Erstes auf den Tunnel zum Aufzug zu. Die Idee haben aber auch noch Andere – so müssen wir etwas warten bis wir an der Reihe sind mit den Aufzug vom Busparkplatz die 120 Meter bis zum Kehlsteinhaus hinaufzufahren.

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Wir verlassen den Aufzug und gehen ins Freie. Wow – was für ein Ausblick auf das Untersbergmassiv.

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Die Sicht ist zwar etwas diesig – dafür haben wir aber heute morgen Kaiserwetter – besser geht es nicht für diese Tour!

 

Auf dem Kehlstein

Wir wollen den Touristenmassen etwas entfliehen und machen uns zu Viert auf den kurzen Weg zum Kehlsteingipfel.

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Auf dem Weg dorthin habe ich diesen Postkartenblick vom Kehlsteinhaus, den Cache-Corner auch auf die gleichnamige Geocoin gepackt hat.

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Ich mache noch ein Foto mit der Coin zum Andenken, dass diese Coin schon auf dem Kehlstein war.

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Bevor es nun endlich in den Klettersteig geht, lassen wir von einem Touristen noch ein Gruppenfoto von uns machen: tower27, Carmen (ein standhaftes Muggle und nicht zu überzeugen Geocaching doch mal zu versuchen), ich und Corvus1.

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Wir sind gut gelaunt und hoch motiviert… Bevor es in den Klettersteig hineingeht, gibt es noch einen Tradi zu suchen: “Eagle’s Nest“. tower27 findet die Dose recht schnell. Leider ist das Logbuch sehr feucht. Damit ist unser Tagescache auch abgehakt.

 

Der Mannlgrat-Klettersteig

Gegen 9:20 Uhr haben wir unsere Klettersteigsets angelegt und starten die Tour. Auf dem Wegweiser ist zu lesen, dass es vier Stunden bis zum hohen Göll sind. Zunächst geht es über einen gut ausgebauten und mit Drahtseilen versicherten Weg stetig leicht bergab über den Mannlgrat. Da dieser Weg noch Teil des Rundwegs am Kehlsteinhaus ist, kommen wir gut voran.

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Unser Weg verläuft weiter leicht bergab. Es geht unter einem riesengroßen Steinbrocken hindurch. Zum Glück waren wir nicht hier als der Brocken diese Position erreicht hat.

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Überall auf dem Grat haben wir eine tolle Aussicht. Am Anfang sehen wir noch das Watzmannmassiv und den Königgsee in der Mulde davor.

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Kaum hat sich der Klettersteig vom Rundweg getrennt, nehmen die Kletterstellen zu: zunächst recht einfach auf allen Vieren unter einem weiteren Steinblock hindurch und anschließend nach oben hinaus klettern.

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Danach habe ich wieder eine grandiose Aussicht auf die andere Seite des Grates und das Untersbergmassiv.

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Gehgelände und drahtversicherte Kletterstellen wechseln sich nun ab. Auch die Höhenunterschiede nehmen zu. Es geht immer mal wieder auf und ab. Wir gewinnen derzeit kaum an Höhe.

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Die Strecken mit Drahtversicherung nehmen weiter zu. Obwohl ich 1,80 Meter groß bin, würde ich mir an manchen Stellen wünschen, dass das Seil etwas weiter gehen würde oder auch ein zusätzlicher Stift oder Trittbügel gesetzt worden wäre.

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Langsam merke ich, wie anstrengend die Kletterei doch ist. Dabei haben wir noch kaum Höhe gut gemacht. Ich lenke mich etwas ab und lasse meinen Blick in die Ferne schweifen und genieße die Aussicht.

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Nun werden die Aufstiege und Kletterpassagen länger. Unsere kleine Gruppe reißt etwas auseinander. Nachdem wir immer mal wieder etwas an Höhe gewonnen haben, geht es hinter der nächsten Kurve schon wieder ein Stück bergab.

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Selten kann man den kommenden Weg weit einsehen. Auf dem folgenden Foto sieht man, wie der Weg leicht bergab durch den Steilhang verläuft.

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Es wird Zeit für eine Pause, um die Gruppe wieder zu sammeln. Sowohl tower27 als auch ich haben inzwischen mit leichten Kreislaufproblemen zu kämpfen. Ich führe das auf die Anstrengung und die fehlende Kondition zurück. Carmen, die das erste Mal auf einer Bergtour dabei ist, hält sich erstaunlich gut.

Mir wird die Pause etwas zu lang. Ich verabschiede mich mit den Worten “Ich gehe schon mal langsam vor…”.

Ich erreiche eine erste Steilstufe. Der Weg verläuft in einer Rinne nun lange und sehr steil nach oben. Ich muss kämpfen. Ich merke, dass meine Oberschenkel sich auf einen Krampf vorbereiten… Nicht gut! Am Ende der Rinne folgt noch eine längere Kletterpassage. Es geht nun nur noch nach oben. Nach einigen Seillängen steige ich auf eine Schotterfläche. Es schaut so aus, als hätte ich den Klettersteig nun hinter mir gelassen.

Über Schotter und Schrofen geht es nur kontinuierlich in Serpentinen nach oben.

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Ich lege eine Pause ein und warte auf die Anderen. Carmen hat zum Glück Magnesium dabei. So kann ich verhindern, dass ich einen Oberschenkelkrampf bekomme.

Ich gehe wieder vor – ich mag einfach keine zu lange Pausen machen. Mittlerweile geht es meinen Oberschenkeln wieder etwas besser. Ich kämpfe mich den Berg hinauf. Das Gelände ist zwar steil, aber einfach. Über Schotter und Felsen geht der Bergpfad immer weiter nach oben.

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Ich erreiche den Gipfelgrat, der zum Hohen Göll hinauf führt. Hier ist eine Abzweigung nach unten zum Purtschellerhaus. Auf dem Wegweiser lese ich, dass es bis zum Hohen Göll noch 1,5 Stunden und bis zum Carl-von-Stahl-Haus noch 5 Stunden sind. Inzwischen ist es 13:15 Uhr – wir haben für die Strecke vom Kehlstein hierher vier Stunden benötigt, wo wir nur zweieinhalb hätten brauchen sollen.

 

Der Abbruch und Plan B

Wer meinen Artikel zur Vorbereitung unserer “Geobergtour 2015” gelesen hat, der erinnert sich sicher, dass das Ziel unserer Tour das Carl-von-Stahl-Haus sein sollte, zu dem der Weg von hier mit mindestens fünf Stunden auf dem Wegweiser angegeben ist. Rechne ich unser aktuelles Tempo (für eine Strecke von 2,5 Stunden haben wir 4 benötigt) hoch, so benötigen wir zur Berghütte noch 8 Stunden. Damit würden wir im Dunkeln ankommen. Da unser geplanter Weg noch mindestens zwei Stunden bergauf geht und danach auf absehbare Zeit auch nicht einfacher wird, entscheiden wir uns gemeinsam den Tourverlauf zu ändern und zum Purtschellerhaus über einen weiteren Klettersteig abzusteigen.

Wir versuchen mehrmals saarzwerg, die zum Carl-von-Stahl-Haus unterwegs ist, zu benachrichtigen. Nach verschiedenen Überlegungen machen wir uns um 13:40 Uhr auf den Weg über den Salzburger Steig um zum Purtschellerhaus abzusteigen. So kommen wir zwar an den vielen T5ern, die zwischen dem Hohen Göll und der Berghütte liegen nicht mehr vorbei, aber unsere eigene Sicherheit und Gesundheit geht hier vor.

Unmittelbar nach der Weggabelung geht der Klettersteig über die Schusterroute nun durch die fast senkrechte Wand nach unten.

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Nach einiger Zeit wird die Wand etwas einliegender. Dennoch empfinde ich diesen Klettersteig noch einen Tick anspruchsvoller als den Klettersteig über den Mannlgrat.

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Wir benötigen ca. 30 Minuten, um die Wand nach unten zu durchsteigen. Nun geht es über einen Bergpfad immer weiter abwärts. Da wir den Weg nicht kennen, lassen wir die Klettersteigsets an.

Ich laufe wieder etwas vor. Nach einiger Zeit erreiche ich einen kleinen grünen Hügel, über den unser Weg nach unten führt. Hier warte ich auf die Anderen und nutze die Gelegenheit noch ein paar Bilder zu machen.

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Auch das Kehlsteinhaus ist in der Ferne gut zu erkennen. Hier sind wir heute Morgen gestartet.

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Ein paar Fotos später kommt auch der Rest unserer Gruppe zu dem kleinen und gemütlichen Pausenplatz.

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Nach einiger Zeit des Verschnaufens laufen wir wieder weiter.Wir haben noch Einiges an Höhenmetern abzusteigen. Der steile Bergpfad wechselt sich mit ein paar Felsstufen ab, bei denen wir zum Abklettern die Hände zur Hilfe nehmen müssen.

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Eine gefühlte Ewigkeit später erreichen wir einen Gegenanstieg, dem eine letzte Kletterstelle abwärts folgt. Danach kommt nur noch ein Bergpfad, der kontinuierlich abwärts zur Hütte verläuft. Ich mache eine letze Pause, um auf die Anderen zu warten und ziehe mein Klettersteigset aus. Dabei verpasse ich unabsichtlich meinem Rucksack einen Stoß, der daraufhin den Berghang hinunter kullert. Ich muss mich mit meinen müden Beinen schon anstrengen, um ihn einzuholen, was mir letztlich dann doch noch gelingt…

 

Das Purtschellerhaus

Um 16:40 Uhr erreichen wir nach drei Stunden Abstieg erschöpft, aber doch glücklich, die Hütte zum Übernachten.

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Leider schaffen wir es nicht mehr uns mit saarzwerg vor der letzten Talfahrt der Jennerbahn in Verbindung zu setzen. So muss sie alleine im Carl-von-Stahl-Haus übernachten.

Wir essen üppig zu Abend und vertreten uns noch etwas die Beine. Dabei suchen wir den Tradi “Purtschellerhaus“, den wir gut finden können.

Nach einer erholsamen Nacht in der Hütte werde ich rechtzeitig vor dem Sonnenaufgang wach und kann ihn auf der Terrasse genießen. Langsam schiebt sich die Sonne über die Gipfel der umliegenden Berge.

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Auf der anderen Seite werden die Spitzen des Untersbergmassivs in ein rotes Licht getaucht.

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Nach wenigen Minuten ist das ganze Schauspiel vorbei.

 

Der Rückweg zum Königssee

Nach einem ausgedehnten Frühstück machen wir uns auf den Rückweg zum Königssee, wo wir uns mit saarzwerg treffen wollen, um den Rest der geplanten Bergtour gemeinsam gehen zu können.

Zunächst geht es über Almwiesen und durch einen kleinen Wald steil abwärts. Das Highlight dieses Wegs ist eine lange Holzleiter, die nach unten führt.

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Danach erreichen wir über eine weitere Almwiese den Eckernsattel.

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Anschließend geht es wieder steil nach oben zur Rossfeldringstraße. Unterwegs begegnen wir einer Kuh, der der breite Weg gefällt.

 

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Oben angekommen sind es nur noch ein paar Schritte über die Straße zum Ahornkaser, wohin wir uns ein Taxi bestellt haben, welches uns wieder zum Königsseeparkplatz zurück bringt.

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Auf den Parkplatz angekommen, treffen wir auf saarzwerg, die mit uns gemeinsam die weitere Geobergtour erwandert.

 

Mein Fazit

Eine für mich sehr anstrengende Bergtour mit grandiosen Ausblicken auf die umliegenden Berge. Bei dem Kaiserwetter hat die Wanderung riesigen Spaß gemacht. Die beiden Klettersteige sind anspruchsvoll, aber für uns gut machbar.

Auch rückblickend sind wir mit unserer Entscheidung die Tour abzubrechen und zum Purtschellerhaus abzusteigen sehr glücklich. Kein Geocache dieser Welt ist es wert sein Leben aufs Spiel zu setzten!

Hier der gpx-Track unserer Tour mit dem Höhenprofil auf der interaktiven Karte.

 

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Im Webalbum gibt es noch ein paar mehr Fotos dieser Tour. Wie immer freue ich mich auf Euer Feedback und Eure Kommentare…

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  Eine Antwort zu “Gratwanderung – Vom Kehlstein zum Purtschellerhaus”

  1.  

    schön war’s :)

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