Jul 272012
 

Hier nun der zweite und letzte Teil der kleinen Artikelserie über den “Schlüsselmacher”, also den Kultcache “Dark Places – Das Vermächtnis des Schlüsselmachers“.


Mit den beiden Owner habe ich ein kleines Interview geführt um herauszufinden, wie es zu dem Cache gekommen ist und wer hinter dem Schlüsselmacher steckt.

Fett gedruckt findet ihr meine Fragen und kursiv seine Antworten dazu:

Der Cache „Dark Places – Das Vermächtnis des Schlüsselmachers“ ist ja inzwischen mit ~500 Logs ein Kult-Cache geworden. Wie seid ihr auf die Idee zu diesem Cache gekommen?

Das Gelände selbst haben wir auf dem Heimweg nach einem kurzen T5 Ausflug entdeckt. Die erste Begehung der Lokation hat unser Cacherherz höher schlagen lassen und wir hatten sofort die ersten Ideen und wollten sofort mit der Umsetzung beginnen. Noch am selben Abend haben wir damals unter Google Wave eine Brainstorming Session gestartet, bei welcher auch der Name und die Idee mit den Schlüsseln geboren sind. Alles weitere kam dann im Laufe der Zeit. Aus diversen Gründen lag zwischen dem Fund des Geländes und dem Publish ein gutes 3/4Jahr.

Was war für Euch die größte Schwierigkeit beim Legen des Caches und wie seid ihr damit umgegangen?

Zigeuner und Metalldiebe. Die Hallen hat sich mit jedem Besuch verändert. Wir hatten den Cache schon im November 2010 „auf dem Papier“ fertig. Als wir dann gerade vor Ort beim Auslegen waren, fuhren einige LKWs und Traktoren auf das Gelände und machten sich auf dem Außengelände breit. Nach einem klärenden Gespräch stellte sich heraus, dass ein Zirkus die Genehmigung für die Nutzung der Hallen als Winterquartiert erhalten hat. Im April 2011 waren die Hallen dann wieder begehbar, allerdings wurde von den Zigeunern alles verwüstet. Ein kompletter Raum war überhaupt nicht mehr zugänglich, andere Räume verschissen und vermüllt. Ein totes Känguru verweste im Keller und Heuballen lagen im Weg. Davor war der LP noch besenrein und sauber, danach das pure Chaos.

Auch hatten wir geniale Stationen geplant, mit einem handbetriebenen Hydraulikkran, welchen die Cacher auf Schienen hätten durch die halbe Halle schieben müssen um dann eine Betonplatte anzuheben um den Hinweis zu finden. Oder einer Laufkatze unter der Decke, zu welcher man hätte hoch klettern müssen und von unten mit einer langen Kette fortbewegt werden müssen um auf den Schienen einen Schlüssel zu finden.
 

Mit jedem unserer Besuche war wieder ein Highlight verschwunden, auch ganze Plattformen und Treppen wurden von Metalldieben geklaut. Wir mussten zwei Monate lang den Cache so oft ab- und umbauen, dass wir zwischenzeitlich der Verzweiflung nahe waren. Letztendlich konnten wir dann doch noch eine halbwegs langlebige Version basteln und die Story zu den Stationen überlegen.

Ihr habt im Listing einen Kalender für diesen Cache angeboten, damit zu einer Zeit nur ein Team am suchen ist. Wie waren Eure Erfahrungen mit dem Kalender?

Wir waren überrascht, wie diszipliniert sich die Cacher an den Kalender gehalten haben und das, obwohl er sogar als „nicht verbindlich“ im Listing bezeichnet wurde. Uns wurden in der gesamten Zeit nur 1-2 Fälle berichtet, bei denen angemeldete Teams durch ein weiteres vor Ort gestört wurden. Ansonsten haben sich die Teams untereinander abgesprochen und so wurden auch evtl. Mehrfachbelegungen konstruktiv geklärt.

Einige der Aufgaben, die hier gestellt werden, haben es meiner Meinung nach „in sich“. Da muss lange durch enge und verstaubte Lüftungsschächte oder Gänge geklettert werden oder auch ein Weg auf das Dach gesucht werden. Die meisten Aufgaben bestehen darüber hinaus noch aus mehreren Teilen. Warum habt ihr den Cache so schwer und zeitaufwendig gestaltet?

Weil das GENAU unser Verständnis eines guten HCC LPs ist und wir GENAU darauf stehen. Wir haben uns quasi unseren eigenen Lieblingscache gelegt und diesen auch für Gleichgesinnte konzipiert. Er war nie für breite Masse gedacht, um es mal so auszudrücken.

Der Cache besteht deswegen aus „nur“ 16 Teilstationen, weil es irgendwann mal gut war. Wir hatten noch so viele Ideen und Möglichkeiten, da die Lokation einfach so viel hergibt. Uns war es aber wichtig, dass am Ende nicht der Gedanke bleibt: „Schade, da wäre ich ganz gerne noch rein“ oder „Da oben hätte ich noch eine Station gelegt“.

Da man in LPs endlich die Möglichkeit hat, alle Ecken und Winkel zu erkunden die einem im normalen Betrieb niemals zugänglich wären, ist es umso dringlicher den Besuchern Perspektiven und Räumlichkeiten zu zeigen, die einem bei der Besichtigung besonders aufgefallen sind. Bei einem ordentlichen LP sollte der Besucher eher an jeden Winkel geführt und in das Gebäude miteinbezogen werden als dass er super schwierige Rätsel zu lösen hat die Nichts mit der Location zu tun haben. Sowas ist eher für einen Wander-Wald Multi gedacht. Bestes Beispiel ist hierfür ist der Cache „Blacksheep“ mit dem Hamsterrad oder dem Labyrinth.

Ach ja und wir klettern halt gerne ;-)

Habt ihr viele Mails zu diesem Cache bekommen? Was wollten die Cacher dabei?

Die Mails lassen sich eigentlich in drei Kategorien unterteilen:

  • Terminanfragen, quasi zum Vermitteln mit anderen Teams, wenn ein Slot bereits geblockt wurde und ob man ausnahmsweise auch mal mit fünf Personen anrücken darf.
  • Fragen zum Rätsel: Es gilt ja drei Dateien zu finden im Listing. Erstaunlicherweise gab es nicht immer mit der gleichen Datei Probleme, sondern schön gemischt. Die einen fanden die PDF Datei nicht, andere das JPG oder hatten Probleme beim Finden der KMZ Datei.
  • Nachdem die Leute beim Schlüsselmacher waren, wurden wir oft gefragt, ob wir noch andere Caches in diesem Stil empfehlen können. Die drei Favoriten im erweiterten Einzugsgebiet sind hierbei lauteten immer: „Ölav“, „Letzte Schicht unter dem großen L“ und „Mettenheimer LPC“. Die sind wohl von der Art her am ehesten vergleichbar.

Was hat Eurer Meinung nach den Erfolg dieses Caches bewirkt?

Was uns wichtig war, war die Story. Wir finden es sehr wichtig, dass man mit einer Geschichte durch die Location geführt wird, dass man interessiert ist wie´s weitergeht, dass man sich wie in einem Film fühlen kann. Man sollte die ganze Location kennenlernen, jeden Raum erkunden, sich in jeden Spalt quetschen und jede Leiter erklimmen müssen. Das ist uns wohl ganz gut gelungen. Auch haben wir die Örtlichkeiten in unsere Rätsel mit einbezogen, wie zB. beim GhostKey (Materiallager) und dem MendingKey (Schlüsselmaschine).

Ein LP lebt ja erst durch seine Überbleibsel, die Raum für Spekulationen bieten. Wir haben auch schon LPs gefunden die vom Gebäude zwar interessant, aber komplett leer geräumt waren. Da geht dann doch einiges an Charme verloren. Wenn es zusätzlich noch möglich ist, die Räumlichkeiten und Einrichtungen für Stationen zu nutzen, zeugt es von Perfektion. Für uns gehört eine Geschichte dazu, denn das macht das Geocaching so besonders. Sonst könnten wir auch einfach nur mit dem Foto gerüstet auf LP Suche gehen. Hier muss dann jedoch selbst erkundet werden und einige Ecken bleiben gar unentdeckt.

Davon abgesehen haben wir als Team bereits genügend Erfahrung mit LP Caches gesammelt und wissen daher sehr gut, was einen guten Cache ausmacht und wir selbst haben natürlich auch einen sehr hohen Qualitätsanspruch an uns selbst. Letztendlich freut es uns aber, dass wir offensichtlich gute Arbeit geleistet haben.

Letzte Woche wurde der Cache von Euch archiviert. Er scheint jedoch immer noch machbar zu sein. Was war der Grund für die Archivierung?

Dem Cache selbst geht´s gut, die eine Stage wäre in kürzester Zeit repariert bzw. ersetzt und die Original-Finaldose liegt ausgebeult und repariert zu Hause. Wir KÖNNTEN den Cache wieder restaurieren und wohl noch lange Zeit aktiv halten, wir WOLLEN es aber nicht.

So schön es auch ist, dass ein Cache populär wird und die Massen begeistert, für so einen LP-Cache ist es das Schlimmste was passieren kann. Das hat unserer Meinung nach mehrere Gründe:

  • Bei einem solchen Massenansturm lässt es sich auf Dauer nicht vermeiden, dass die Infrastruktur um und in dem Gelände in Mitleidenschaft gezogen wird.
  • Favoriten-Punkte locken die Leute an, ob sie dem Cache gewachsen sind oder nicht. Es ist ein HCC Cache und definitiv einer der schwierigeren und gefährlicheren Sorte. Cacher mit wenig oder gar keiner Erfahrung bringen sich somit nur selbst in Gefahr. Favoriten machen blind! Die Statistik ist oft ein falscher Motivator.
  • In letzter Zeit häufen sich andere Aktivitäten in den Hallen (Graffiti, ausgebrannte Autos, Vandalismus, usw..). Wir wollen nicht, dass unser Hobby irgendwann damit in Verbindung gebracht wird. Zu Beginn hatten wir die Hallen noch für uns, das hat sich nun geändert. Das einzige Positive daran, ist der Anblick leicht bekleideter Frauen während ihrer Fotoshootings :-)

Die Archivierung wurde von Euch ein paar Tage vorher angekündigt, was nochmal zu einem kleinen  „Run“ auf den Cache führte. Warum diese Ankündigung?

Wir wollten eigentlich den Cache Ende Mai bereits archivieren, allerdings haben wir gerade in den letzten Tagen davor noch viele Anfragen erhalten, den Kalender zu erweitern und Termine zu blocken. Da all diese Teams bereits in den Startlöschern standen, die Rätsel gelöst hatten und voller Vorfreude mit den Hufen scharrten, haben wir entschieden den Cache nochmal für weitere 6 Wochen, 6 Tage und 6 Stunden zu verlängern, allerdings ohne Support.


Dieser Cache wurde unter einem neuen geocaching.com-Account veröffentlicht, der selbst noch keine Caches gefunden hat. Was war der Grund für diesen „Sockenpuppen“-Account?

Eigentlich ganz simpel: Wir wollten zum einen dem Mythos Schlüsselmacher eine „Identität“ verschaffen, aber hauptsächlich aus Gründen der besseren Zusammenarbeit der beiden Owner. Wir hatten somit die Möglichkeit, beide am Listing zu arbeiten und uns gegenseitig zu vertreten. Auch ein gemeinsamer Mailaccount, Youtube, Twitter und Google Account wurden genutzt. Es hat uns die Zusammenarbeit ungemein vereinfacht.

Nun “ Butter bei die Fische“ – seid ihr bereit Euch zu outen? Wer seid Ihr?

Wir haben nie ein Geheimnis daraus gemacht, nur haben wir es nicht proaktiv kommuniziert. Auf direkte Fragen haben wir direkt und ehrlich geantwortet. Daher fällt es nun auch nicht schwer, diese Frage zu beantworten. Wir, Romerror und Greenmaya freuen uns darüber, dass ihr Spaß an unserem Cache hattet und bedanken und für die genialen Logs!!!

Habt Ihr noch einen Schlusssatz für mich? Etwas, was ihr den Lesern mit auf den Weg geben wollt?

Verinnerlicht die Do´s und Dont´s für LP Caches, verhaltet Euch anständig, macht nichts kaputt, nehmt nichts mit und lasst nichts vor Ort.  Eigentlich selbstverständlich, aber man kann es leider nicht oft genug sagen…

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  Eine Antwort zu “LP: Schlüsselmacher – das Interview”

  1.  

    Hallo,

    Danke für das klase Interview und sozusagen das "MakingOf" für den Schlüsselmacher.
    Mich hat der Cache auch sehr begeistert und ich konnte hier sozusagen alles nochmal im "Review" an mir vorbei laufen lassen.
    (Von einigen Fototouren, an denen ich mich als Muggel ausgegeben habe mal ganz zu schweigen ;-) )

    Danke für Eure Mühe mit dem Interview und Grüße,
    derMönch (Sebastian)

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