Geocaching lebt von physischen Schätzen – Geocoins, Trackables, Woodies. Jetzt bringt das HQ mit „Shareables™“ ein neues digitales Sammel-Feature ins Spiel. Klingt erstmal spannend, hat aber einen großen Haken: den Preis.
Im Beitrag schaue ich mir die Ankündigung genau an und versuche mich kritisch damit auseinanderzusetzen. Schaut doch mal rein!
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Was sind Shareables überhaupt?
- Der technische Zwilling: Ein Déjà-vu zu den Treasures
- Die kostenpflichtige Variante des klassischen Banners?
- Der Knackpunkt: Das Abo-Modell und die unverschämten Preise
- Meine Meinung zu den Kosten: Völlig überzogen!
- Weitere kritische Fragen, die wir uns stellen können
- Gibt es auch positive Aspekte?
- Sind die Shareables aktuell schon sammelbar?
- Mein Fazit: Braucht die Community das?
Einleitung
Geocaching hat sich in seinen 25 Jahren Bestehen immer weiterentwickelt: weg von der reinen Suche nach der klassischen Filmdose im Wald, hin zu einem facettenreichen Hobby. Wir alle kennen und lieben den Austausch von physischen Gegenständen wie Geocoins und Holzmünzen (Woodies) – sie sind das haptische Herzstück unserer Community. Mittlerweile wurden diese Sammelgegenstände durch digitale Souvenirs und Treasures ergänzt.
Im aktuellen Newsletter stellt das HQ nun ein weiteres Feature vor: Shareables™. Als Blogger und leidenschaftlicher Geocacher habe ich mir die offizielle Ankündigung genauer angesehen. Mein Fazit vorab: Ich bin skeptisch. Im Folgenden nehme ich die neue Funktion kritisch unter die Lupe.
Kurz gesagt: Shareables sind individuelle digitale Kunstwerke, die Spieler selbst in einem speziellen Grafik-Editor der Geocaching-Webseite erstellen, sammeln und im Spiel teilen können. Sie sollen Meilensteine, gefundene Caches, Haustiere oder ein Lieblingsabenteuer feiern.
Geteilt werden können diese digitalen Bildchen auf drei Wegen:
- In Person: Direkt über die hauseigene Geocaching-App (iOS und Android ab Version 10.14.1+) via Bluetooth oder QR-Code.
- Beim Loggen: Als digitales Geschenk im Cache-Log eines Finders für den Owner.
- Als Cache-Verknüpfung: Ein Owner verknüpft ein Shareable mit seinem eigenen Cache. Wer diesen findet und loggt, bekommt das Shareable automatisch in seine Sammlung.
Der technische Zwilling: Ein Déjà-vu zu den Treasures
Wer sich auf der neuen Shareables-Webseite umschaut, dem fällt sofort etwas auf: Das Ganze wirkt technisch der Webseite der kürzlich eingeführten Treasures verdammt ähnlich. Fast so, als hätte man das Grundgerüst der Treasures-Plattform eins zu eins übernommen, um nun das nächste digitale Sammel-Feature aufzuspielen. Statt echter Innovation bekommen wir hier also alten Wein in neuen Schläuchen – der jetzt sogar noch etwas kosten soll.
Die kostenpflichtige Variante des klassischen Banners?
Besonders die Möglichkeit, ein Shareable mit einem eigenen Cache zu verlinken, lässt mich stutzig werden. Im Grunde ist das nichts anderes als eine kostenpflichtige, restriktive Variante des klassischen Profil-Banners.
Seit jeher gehört es zur Tradition beim Geocaching, dass Owner für besondere Runden oder anspruchsvolle Caches ein eigenes Banner gestalten. Mit ein bisschen technischem Geschick kann heute jeder Geocacher völlig kostenlos ein solches Bild erstellen, den HTML-Code im Listing hinterlegen und Findern erlauben, sich das Abzeichen stolz auf der eigenen Profilseite einzubinden.
Mit den Shareables versucht das HQ nun, diese etablierte, kostenlose Community-Tradition zu kommerzialisieren. Wer seinen Findern künftig ein digitales Souvenir direkt über das HQ-System anbieten möchte, wird de facto gezwungen, für diese „offizielle“ Banner-Alternative zu bezahlen.
Der Knackpunkt: Das Abo-Modell und die unverschämten Preise
Sammeln ist für alle kostenlos – auch ohne aktives Abo bleiben erhaltene Shareables in der Sammlung. Für das Erstellen und Teilen wird jedoch kräftig zur Kasse gebeten. Und nein: Shareables sind nicht in der Premium-Mitgliedschaft enthalten.
Wer eigene Shareables fertigstellen und im Spiel nutzen möchte, braucht ein zusätzliches, kostenpflichtiges Shareables-Abonnement. Premium-Mitglieder erhalten zwar einen Rabatt, doch die jährlichen Preise haben es in sich:
- 2 fertige Shareables: $9.99/Jahr für Premium-Mitglieder (Basis-Mitglieder: $11.99)
- 5 fertige Shareables: $11.99/Jahr für Premium-Mitglieder (Basis-Mitglieder: $14.99)
- 10 fertige Shareables: $14.99/Jahr für Premium-Mitglieder (Basis-Mitglieder: $17.99)
Die Preise können je nach Region, Währung und Steuern variieren. Schade, dass im deutschen Blogbeitrag zu den Shareables keine Euro-Preise zu finden sind.
Meine Meinung zu den Kosten: Völlig überzogen!
Sprechen wir Klartext: Knapp 15 Dollar im Jahr – für Premium-Mitglieder! – für gerade einmal 10 eigene Shareables ist meiner Meinung nach viel zu teuer. Über die Preise bei den kleineren Mengen von 2 oder 5 Stück für 10 bzw. 12 Dollar brauchen wir erst gar nicht zu reden. Das steht in keinem Verhältnis zu dem, was man am Ende bekommt: die Erlaubnis, ein paar Byte an Pixelgrafiken auf einem HQ-Server abzulegen und zu teilen.
Viel wichtiger finde ich die Frage: Warum muss das überhaupt ein Abonnement sein? Wenn ich einen physischen Trackable auf die Reise schicke, kaufe ich mir einmalig einen Tracking-Code – ganz ohne Abo-Verpflichtung. Warum bietet man digitale Shareable-Lizenzen nicht genauso als Einmalkauf an? Ein Abo-Modell für statische Grafiken aus einem Baukastensystem wirkt wie eine künstliche Barriere, um Spielern dauerhaft das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Das HQ begründet diesen Schritt damit, eine „weitere Einnahmequelle“ erschließen zu wollen, um die normale Premium-Mitgliedschaft so erschwinglich wie möglich zu halten. Für mich hinterlässt das trotzdem einen faden Beigeschmack von reiner Geldmacherei.
Weitere kritische Fragen, die wir uns stellen können
1. Wo bleibt der Bezug zum echten Geocaching?
Geocaching lebt von der Natur, dem Suchen und dem physischen Abenteuer. Schon in der Vergangenheit gab es Diskussionen über rein digitale Features wie Souvenirs und Treasures. Digitale Bildchen gegen jährliche Gebühren zu erstellen, entfernt das Spiel ein weiteres Stück von seinen Wurzeln. Ersetzen leblose Pixel bald das stolze Gefühl, eine echte Geocoin oder zumindest eine Woodcoin in den Händen zu halten?
2. Technische Einschränkungen zum Start
Wer gehofft hat, die neue Funktion nahtlos in seinen gewohnten Workflow zu integrieren, wird enttäuscht: Zum Start wird es keine In-App-Benachrichtigungen über empfangene Shareables via Drittanbieter-Apps (API-Partner) geben. Man ist gezwungen, die offizielle App oder Website zu nutzen. Der API-Zugriff für Partner soll zwar künftig erweitert werden, doch zum Start nutzt das HQ offenbar wieder die Gelegenheit, die hauseigene App voranzubringen.
3. Einmal festgelegt, immer festgelegt
Wer ein Shareable erstellt, sollte sich sicher sein: Laut Ankündigung können Design und Name nach der Fertigstellung nicht mehr geändert werden. Wer sich vertippt oder später ein schöneres Foto findet, hat Pech gehabt – oder muss im schlimmsten Fall ein neues Kontingent seines teuren Abos opfern.
Gibt es auch positive Aspekte?
Fairerweise muss man sagen, dass das HQ an einige Komfort- und Sicherheitsfunktionen gedacht hat:
- Opt-Out-Möglichkeit: Wer mit dem Feature nichts anfangen kann, kann die Sammlung von Shareables in den Einstellungen komplett deaktivieren oder Benachrichtigungen ausschalten.
- Spam-Schutz: Unliebsame oder unangemessene Shareables können gemeldet, ausgeblendet oder unwiderruflich gelöscht werden (ein gelöschtes Shareable kann allerdings nicht wiederhergestellt werden).
- Überraschungseffekt: Premium-Mitglieder können zwar gezielt nach Caches mit verlinkten Shareables filtern, das genaue Design bleibt auf der Cache-Detailseite jedoch bis zum Loggen für alle eine Überraschung.
Zu meiner Überraschung habe ich bei einer kurzen Suche festgestellt, dass es schon jetzt weltweit 522 Geocaches gibt, bei deren Log sich ein Shareable sammeln lässt.
Bei mir in der Region betrifft das Caches des Owners Minz, der auch als Reviewer Tupperman unterwegs ist. Ich vermute daher, dass ausgewählte Geocacher bereits vom HQ die Erlaubnis erhalten haben, die neuen Shareables zu erstellen und einzusetzen – offenbar läuft im Hintergrund längst ein stiller Testlauf, bevor das Feature für alle verfügbar ist.
Mein Fazit: Braucht die Community das?
Das HQ versucht hier sichtlich, nach den Treasures ein weiteres digitales Sammel-Ökosystem aufzubauen. Für kreative Köpfe, die gerne Meilensteine visualisieren oder ihren Findern eine kleine digitale Freude bereiten wollen, mag das eine nette Idee sein.
Die Umsetzung als eigenständiges, teures Abonnement ist jedoch völlig misslungen. Anstatt bewährte, kostenlose Community-Traditionen wie die selbst gestalteten Profil-Banner zu respektieren, versucht man hier, ein kostenpflichtiges Alternativsystem zu etablieren. Wer für ein paar Pixel jährlich zur Kasse gebeten wird, obwohl bewährte Konzepte wie Trackables zeigen, dass es auch ohne Abo geht, wird sich zweimal überlegen, ob er mitmacht.
Ob sich das Feature durchsetzt oder wie Blei in den Regalen liegen bleibt, wird die Zeit zeigen. Bis zum 31. Dezember 2026 lockt das HQ immerhin noch mit einer exklusiven „Founding Creator“-Designvorlage für alle, die das Geld trotzdem ausgeben wollen.
Obwohl ich persönlich ein Fan von Souvenirs und Treasures geworden bin – für die Shareables werde ich aktuell wohl kein Geld ausgeben.
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Was denkt ihr darüber? Reizt euch das neue, kostenpflichtige Shareable-System oder werdet ihr sie boykottieren? Schreibt es mir in die Kommentare!







Bei der Ankündigungsmail habe ich schon große Augen bekommen. Die Anmerkungen von dir kann ich so unterschreiben. Ich habe mich schon bei den Treasures ausgeklinkt, denn ich möchte Dosensuchen und das im Wald oder sonstwo, reicht mir.
Wir werden dafür bestimmt kein Geld ausgeben. Zumindest sollte in der Mitgliedschaft davon ein oder zwei pro Jahr kostenlos sein.
Danke für den tollen ausführlichen Artikel dazu