Nov 232015
 

 

Tag 4: Die Wanderung zum GCD, das Going-APE-Mega und die Fahrt nach Kanada

Ein Gastbeitrag von TheGreenTool

Der Sonntag sollte der Wandertag des Wochenendes werden. Noch vor dem Going-APE-Mega, das um 10 Uhr knapp 90 km östlich von Seattle am Snoqualmie Pass begann, war eine Wanderung zum „Geocache“ (GCD, versteckt am 21.06.2000), dem letzten Geocache mit dreistelligem GC-Code, geplant. Über das Listing des Mega Events wurde bekanntgegeben, dass eine Gruppe an einem Wanderparkplatz am Startpunkt des Weges um 6:30 Uhr losmarschieren wollte. Der wollten wir uns gerne anschließen. Das würde das Riskio eines DNFs doch deutlich reduzieren. Also war sehr frühes Aufstehen angesagt. Aber was soll’s, erholen konnten wir uns ja noch nach dem Wochenende :o).

Pünktlich erreichten wir den ziemlich überfüllten Parkplatz. Keine Ahnung, ob hier 50 oder 100 Cacher starteten, aber es waren deutlich mehr als eine Handvoll. Wir standen zwar direkt ganz vorne bei den Ersten, konnten aber deren Tempo nicht mithalten und fielen nach einer Weile zurück. Nun gut, auch kein Beinbruch. „Einfache Strecke 3,2 km“ hörte sich noch gemütlich an, aber die fast 500 m Höhenunterschied waren dann sehr bald spürbar. Doch das tolle Wanderwetter ermöglichte grandiose Aussichten. Ein wirklich toller Weg! Der Cache lohnt sich also nicht nur aus statistischen Gründen.

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Traumhafte Ausblicke beim Aufstieg zum GCD

 

Auf dem Weg nach oben lagen noch fünf Tradis, wobei einer davon besonders nachdenklich stimmte: „ECM41 Remembered“ (GC5E9EW). Vor einem Jahr, beim letzten Going-APE-Mega und der letzten gemeinsamen Wanderung zum GCD, erlitt an dieser Stelle der gerade mal 43 Jahre alte Geocacher ECM41 einen Herzinfarkt, den er trotz sofortiger Ersthilfe durch andere Cacher vor Ort nicht überlebte. Nur 43 Jahre? Genauso alt wie ich…

Die letzten 100 bis 150 Meter Luftlinie mussten dann querfeldein durch ziemlich dichtes Gestrüpp bezwungen werden. Da sich die große Gruppe bis hier oben weit auseinandergerissen hatte, standen wir nun alleine vor der Entscheidung, wo wir abbiegen sollten. Überraschenderweise konnten wir trotz eines 15 Jahre alten Caches keine Cacherautobahnen erkennen, so dass wir uns irgendeine verhältnismäßig lichte Stelle aussuchten und dann der (virtuellen) Kompassnadel folgten. Am Final war dann Hochbetrieb und jeder nach uns ankommende Cacher kroch aus einem anderem Busch hervor oder erreichte aus einer anderen Richtung die Finallocation. Wir schossen Erinnerungsfotos und frühstückten erst einmal, bevor es wieder an den Abstieg ging.

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TheGreenTool mit Vater am GCD

 

Für Statistikcacher gibt es seit zwei Jahren ein weiteres Schmankerl auf dem Weg zum Parkplatz der GCD-Wanderung oder eben auch auf dem Weg zurück, so wie wir ihn absolvierten. Entlang der Straße wurde eine 11-teilige Challenge-Serie versteckt: „A challenge along the road to GCD #1“ (GC4JQ1B) und folgende. Wir erfüllten zu diesem Zeitpunkt sechs Challenges. Dennoch trugen wir uns in alle Logbücher ein. Denn es ist in den Guidelines ausdrücklich erlaubt, die Challenges nachträglich online zu loggen, auch wenn man sie erst später erfüllen kann. Der Eintrag im Logbuch darf schon vor Erfüllung erfolgen.

Etwa gegen 11 Uhr erreichten wir dann das Mega Event. Das „Going Ape 2015“ (GC5F58Q) Mega Event heißt deswegen so, weil bis 2011 in der Nähe des Eventgeländes, auf der anderen Seite des Snoqualmie Tunnels, ein APE Cache lag: „Mission 9: Tunnel of Light“ (GC1169). Leider kamen wir dafür gut vier Jahre zu spät. Das Besondere an diesem APE war, dass man dazu durch den 3,7 km langen stillgelegten stockfinsteren Eisenbahntunnel laufen musste – und zwar hin und wieder zurück. Interessant ist auch, dass man nach wenigen hundert Metern auf ein kerzengerades Stück gelangt und man von dort bereits das über 3 km entfernte Tunnelende sehen kann. Zwar war es angesichts des Megas natürlich nicht sehr einsam im Tunnel – in der Mitte liegt sogar ein Cache: „Bloody Fingers, Dirty Diapers …“ (GCJMDK) – aber der Tunnel zog sich doch ganz schön in die Länge.

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Das Ende des Snoqualmie-Tunnels unweit des GC79

 

Ich wollte natürlich nicht nur deshalb durch den Tunnel, weil es es ein besonderes Erlebnis ist. Auf der anderen Seite liegen nämlich zwei weitere interessante Caches: Zum Einen der „Mission 9: Tunnel of Light Reclaimed“ (GC300N0), ein Erinnerungs-Tradi an der selben Location, an der früher der APE-Cache lag, zum anderen der „Iron Horse“ (GC79, versteckt am 07.10.2000), ein willkommener Lückenfüller für unsere „Funde nach Platzierungs-Monat“-Matrix.

Da der APE-Erinnerungs-Cache uns keinen statistischen Mehrwert einbrachte, einen weiteren Kilometer Laufen bedeutet hätte, wir ziemlich kaputt waren und die Zeit drängte, reihten wir uns lediglich in die Schlange vor dem GC79 ein und marschierten anschließend wieder zurück durch den Tunnel zum Eventgelände.

Dieser Oldiecache bedeutete für uns unter dem Strich inklusive Zuweg zum Tunnel und Rückweg zum Eventgelände dennoch eine weitere 9-km-Wanderung. Mit der GCD-Wanderung am Morgen und dem etwas abgelegenen Parkplatz des Megas summierte sich dies auf beachtliche 18 km Fußmarsch. Nicht schlecht für einen Wandermuffel wie mich. Zur Belohnung gab es aber immerhin noch das Souvenir für das Going-APE-Mega und bleibende Eindrücke dieser besonderen Location.

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Licht am Ende des Snoqualmie Tunnels

 

Aber der Tag war damit noch lange nicht zu Ende. Zwar war nun kein Wandern mehr angesagt, aber ein statistisches Ziel fehlte noch: Kanada! Vom Mega-Event aus bedeutete dies noch knapp 260 km bis zur amerikanisch-kanadischen Grenze und von dort noch weitere 200 km zurück zum Hotel. Gegen 15 Uhr starteten wir am Snoqualmie Pass. Ich bin noch immer sehr beeindruckt, wie schmerzfrei mein Daddy diesen ganzen „Unsinn“ mitmachte. Aber er genoss es einfach und saugte die Eindrücke, die es natürlich durch unsere vielen Meilen im Auto und zu Fuß reichlich gab, dankbar auf.

Erst kurz vor der kanadischen Grenze entschieden wir uns, auf den ursprünglich geplanten Besuch der kanadischen Metropole Vancouver und weitere 100 km Fahrt zu verzichten und es bei zwei schnellen Tradis unmittelbar hinter der Grenze zu belassen. Wir waren doch recht platt und erinnerten uns noch gut an die Rückfahrt vom Freitag nach der Gewalttour zu den historischen Caches rund um Portland, als wir uns von Rastplatz zu Rastplatz retteten und uns im 20-Meilen-Rhythmus mit dem Fahren abwechselten, weil wir kaum noch die Augen aufhalten konnten. Das wollten wir diesmal vermeiden (was uns aber auch nur teilweise gelang).

Über die Grenze ging es verhältnismäßig flott und nach 20 Minuten Aufenthalt für zwei schnelle unspektakuläre Tradis („All I Hear Is Wine, Wine, Wine!“ (GC3TBKP) und  „Urban Impact“ (GC2P0CH) ), unserem 24. Länderpunkt Kanada und dem Souvenir für die kanadische Provinz British Columbia, passierten wir die Grenze wieder Richtung Süden.

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So unspektakulär und doch so schön: Unser erster kanadischer Cache kurz hinter der Grenze

 

Den Grenzbeamten auf beiden Seiten, die naturgemäß sehr neugierig waren, erzählten wir alles auch genau so, wie es war. Sie waren darüber sehr verwundert, ja sogar etwas amüsiert, und stellten noch ein paar typische Muggelfragen, glaubten uns aber letztendlich alles und ließen uns passieren. Okay, welcher Europäer reist schon für 20 Minuten und zwei Caches nach Kanada – und nimmt dafür einen Umweg von 460 km in Kauf? Ja, verrückte Statisikcacher tun so etwas! Und wir hatten Spaß dabei! Nein, es war sogar ein echter Genuss, wirklich alle gesteckten Ziele dieses verlängerten Wochenendes zu „erkämpfen“. Sind wir jetzt etwa Genusscacher ;-)?

Erschöpft, nein tot, fielen wir in die Betten, als wir nach einer hervorragenden Pepperoni-Pizza in einem durch eine voll aufgedrehte Klimaanlage tiefgefrorenen Pizza-Hut-Restaurant wieder im Hotel ankamen.

 

Tag 5: Shopping und Heimflug

Da am nächsten Tag unser Flugzeug zurück nach Frankfurt erst um 19 Uhr Ortszeit abhob und alle Geocaching-Ziele erreicht waren, hatten wir noch fast den gesamten Montag zum Shoppen und Entspannen in Seattle City. Das taten wir auch ausgiebig. Wir ließen noch etwas Geld für Mitbringsel und Andenken da, aßen zu Mittag und suchten dabei keinen einzigen Cache. Völlig ohne Zeitdruck, entspannt und glücklich gaben wir den Mietwagen zurück und checkten am Flughafen SeaTac ein. Die Maschine hob schließlich pünktlich ab und glitt genauso sanft und ruhig zurück nach Deutschland, wie sie es auch auf dem Hinflug tat.

Was für ein geiles Wochenende!

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Unsere gesamte Block-Party-Tour auf der Karte

 

Die Bilanz des verlängerten Wochenendes

  • Mehr als 1600 km mit dem Mietwagen
  • Mehr als 22 km reine Wanderstrecken
  • 52 gefundene Caches
  • Länderpunkte USA und Kanada
  • Die für uns bisher größte Cache-zu-Cache-Entfernung an einem Kalendertag: 8170,7 km
  • Die letzte Block Party: Ein für uns neues einmaliges und jetzt historisches Icon
  • Der Geocaching Headquarters Caches: ebenfalls ein für uns neues und einmaliges Icon
  • Der zweitälteste noch aktive Cache der Welt: GC12
  • Der letzte Geocache mit dreistelligem GC-Code: GCD
  • Versteck-Location des ersten Geocaches der Welt mit Gedenktafel und Tribute-Cache
  • Vervollständigung unserer „Funde nach Platzierungs-Monat“-Matrix bis auf August 2000
  • Caches mit Attribut „GeoTour“ gefunden
  • Challenge-Cache-Serie „Challenges Along The Road To GCD“
  • 2 NGS Benchmarks
  • 10 Souvenirs:
    • US-Bundesstaat Washington
    • US-Bundesstaat Oregon
    • Kanadische Provinz British Columbia
    • Block Party 2015
    • Mega-Event „Going Ape“ 2015
    • Groundspeak Headquarters Cache
    • Original Stash Tribute Plaque
    • International Geocaching Day 2015 *)
    • Geocaching Road Trip 2015 „Put On Your Thinking Cap“ *)
    • Geocaching Road Trip 2015 „Road Trip Hero“ *)

*) Diese Souvenirs wären natürlich auch in Deutschland erreichbar gewesen.

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Es gibt noch statistische Ziele, z. B. der Versteckmonat August 2000.

 

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Ich hoffe, Ihr hattet beim Lesen dieser spannenden Gastartikelserie genauso viel Spaß wie ich! Über Kommentare zu dieser Artikelserie würde ich mich sehr freuen.

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