Sep 282015
 

Heute wurde ich in der Yahoo-Geocaching-Liste auf einen Artikel aufmerksam gemacht, der folgenden Titel trug “Roman ruins in Cadiz at risk from ‘geocaching’”. Übersetzt heißt das sinngemäß, dass Geocacher eine Bedrohung für die Römischen Ruinen bei Cadiz darstellen.

Traumwelten / pixelio.de

Bildnachweis: Traumwelten / pixelio.de

 

Natürlich hat mich das Thema berührt und ich habe versucht mir eine eigene Meinung zu bilden…

 

Die Zeitung

Der Link im Yahoo-Geocaching-Listen-Beitrag verweist auf die spanische Zeitung “the olive press”. Laut ihrem eigenen Presse-Kit ist sie eine englischsprachige investigative Zeitung für Andalusien. Die Zeitung ist kostenlos und hat eine Auflage von 35.000 Stück. Hinzu kommen laut eigenen Angaben noch 80.000 Downloads der digitalen Version. Ich nehme an, dass sich diese Zeitung über Anzeigen und Werbung finanziert.

 

Der Artikel

In der Online-Ausgabe vom 27. September 2015 findet sich ein (recht kurzer) Artikel mit dem Titel: “Roman ruins in Cadiz at risk from ‘geocaching’“. Im Text kann ich lesen, dass es um die Ausgrabungsstätte “Baelo Claudia” in Andalusien geht. Diese Stätte sei nun einer neuen Bedrohung ausgesetzt, die Nichts mit dem Wetter oder der Zeit zu tun hätte.

THE Roman ruins of Baelo Claudia have encountered a new threat that has nothing to do with the weather or time.

Wow – denke ich mir, fängt ja schon mal recht reißerisch an.

Dann wird im Artikel kurz das immer beliebter werdende Geocaching erwähnt, dessen negative Auswirkungen nun auch an der Costa de la Luz zu spüren seien.

Weiter wird kurz in einem Satz erklärt, dass beim Geocaching mit Hilfe von GPS-Koordinaten und oft Hinweisen “Objekte” gesucht werden.

Naja – alles nichts Neues – ich frage mich, wann kommen die denn nun endlich zum Punkt?

Nun kommt der entscheidende Satz – das Management der antiken Ausgrabungsstätte sagt, dass dieses Verhalten (Anmerkung: damit ist das Geocaching gemeint) große strukturelle Schäden verursacht, insbesondere an der Steinwand des Parkplatzes, wo Geocaches versteckt sind.

Sie geben an, dass Steine verschoben werden, was zu Schäden an der Wand und zu Stolperfallen führt.

They claim that stones are being moved, causing damage to walls as well as resulting in tripping hazards.

Zum Schluß des Artikels finde ich neben Werbung noch einen Satz, in dem das Management ankündigt, rechtliche Schritte zu ergreifen und Geocaching in den römischen Ruinen im Einklang mit den andalusischen Gesetzen zu verbieten.

Der ganze Artikel hat insgesamt nur 127 Worte…

 

Die Römischen Ruinen

Die antike Ausgrabungsstätte Baelo Claudia liegt ca. 70  km südöstlich von Cadiz und hat einen kurzen Eintrag in Wikipedia. 1989 wurde die Anlage von der andalusischen Provinzregierung unter Denkmalschutz gestellt. Das Grabungsprojekt wird von der EU gefördert.

Neben dem Ausgrabungsgelände mit Theater gibt es ein Museum.

 

Der Geocache

Nach intensiver Suche im Netz habe ich nur einen Geocache gefunden, den ich diesem Gelände zuordnen kann: den Traditional “Baleo Claudia. Conociendo Andalucia“.

Der Cache wurde am 22. Juni 2014 vom Al-Andalus Team platziert und wurde seitdem 59 Mal gefunden.

Das Listing ist ansprechend gestaltet und mit zwei Spoilerbildern versehen. Diesen Bildern zufolge war der Cache in einer Trockenmauer versteckt.

 
(Spoilerbilder aus Listing von geocaching.com)
 

Mit diesen beiden Bildern sollte die Dose eigentlich ohne große Sucharbeit zu finden sein? Auch macht diese Mauer am Parkplatz(!) auf mich nicht den Eindruck als wäre sie antik?!

Dieser Geocache wurde am 21. September 2015 von den Ownern (leider nur mit spanischen Kommentaren) archiviert. Soweit ich die Übersetzungen von Google verstehe, scheinen Geocacher bei der Suche nach dem Cache in Diskussionen mit den Angestellten geraten zu sein…

 

Mein Fazit

Grundsätzlich finde ich Geocaches in Trockenmauern nicht akzeptabel, da in allen Fällen, die ich kenne, die Mauern den Eindruck erweckt haben, als würden sie unter den Geocachern leiden…

In diesem Fall finde ich jedoch, dass die Zeitung – indem sie titelt, dass Geocacher hier eine antike Stätte gefährden würden – weit über das Ziel hinaus schießt. Das wird der Situation nicht gerecht. Hier geht es “nur” um eine Trockenmauer neben einem Parkplatz und nicht um die systematische Zerstörung einer antiken Stätte!

Da der Artikel auch recht kurz ist, vermute ich , dass es hier nur darum geht schnell Aufmerksamkeit zu erregen und Klicks zu provozieren um Werbekunden glücklich zu machen!

Auch hätte ich mir gewünscht, dass das Management den Kontakt zu den Ownern sucht. Sicher hätte man gemeinsam in der Nähe des Parkplatzes eine Stelle für eine Dose finden können, die unbedenklich ist und keine unerwünschten Nebenwirkungen durch die Suche von Geocachern hat. Für die Ausgrabungsstätte hätte das vielleicht sogar den ein oder anderen Geocacher als interessierten Besucher zusätzlich bedeuten können.

Wenn man dem Zeitungsartikel dennoch etwas Positives abgewinnen will, dann doch nur, dass es eine kleine Chance gibt, einige Wenige durch diesen Artikel etwas sensibilisiert zu haben, in Zukunft beim Platzieren einer neuen Dose nachzudenken und sich zu fragen, was dieser Geocache für die Umgebung bedeuten könnte…

*****

Wie denkt Ihr über diesen Artikel und das gewählte Versteck? Wie immer freue ich mich über Euer Feedback!

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