Ein Earthcache mit Lostplace-Feeling im Stöffel-Park

Zwischen rostigen Brecheranlagen und 25 Millionen Jahre alten Fossilien liegt eine Route, die Industriegeschichte und Erdgeschichte auf ungewöhnliche Weise verbindet.

Ich nehme euch mit auf meinen gut einstündigen Rundgang durch den Stöffel-Park– inklusive eines Earthcaches, den man direkt im Museum lösen kann. Schaut mal rein!

 

 

Der Stöffel-Park

Weit mehr als nur ein Ausflugsziel ist der Stöffel-Park – er ist ein Ort, der Geschichte, Industrie und Natur auf einzigartige Weise miteinander verbindet. Seine Wurzeln reichen bis ins Tertiär zurück, als hier die berühmte Stöffel-Maus lebte und Fossilien hinterließ. Diese Funde werden heute im TERTIÄRUM präsentiert, einem Museum mit Fossilienausstellung. Ein zweiter, ganz eigener Anziehungspunkt ist die Historische Werkstatt – auch „Alte Schmiede“ genannt –, die aus der alten Schmiede und der ehemaligen Stellmacherei besteht und fast 100 Jahre lang das Herzstück des Betriebs war. Heute ist hier ein Erlebnisraum eingerichtet, der nicht nur die Firmenhistorie der Firma Adrian erzählt, sondern auch Einblicke in die Kunst des Schmiedens und der Energieversorgung gewährt. Erhalten sind unter anderem eine Esse, eine Hammerschmiede, eine Transmission, Drehbänke und Standbohrmaschinen, und in der ehemaligen Stellmacherei wird das Leben und Arbeiten rund um die Werkstatt gezeigt. Doch auch die jüngere Vergangenheit hat den Park geprägt: Der Stöffel war einst ein Basaltsteinbruch mit ausgedehnten Zerkleinerungsanlagen, in denen der gewonnene Grundstoff Basalt für die Weiterverarbeitung aufbereitet wurde.

Wer die Dimensionen dieses faszinierenden Ortes erfassen möchte, erklimmt am besten den Stöffel-Aussichtsturm und lässt den Blick über ein Gelände schweifen, das heute als lebendiges Museum, Abenteuerspielplatz und Kulturstätte dient. Der Eintritt kostet für Erwachsene 7 Euro, für Kinder bis 14 Jahre 4 Euro und für Familien 14 Euro; behinderte Menschen, Schülerinnen und Schüler, Studierende sowie Auszubildende zahlen ermäßigt 4 Euro. Geöffnet ist der Park in der Saison vom 1. März bis 31. Oktober: dienstags bis donnerstags von 10 bis 17 Uhr sowie freitags, samstags, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr; montags bleibt er geschlossen, es sei denn, ein Feiertag fällt auf einen Montag. Vom 1. November bis Ende Februar hält der Stöffel-Park Winterruhe und ist nur bei kulturellen Veranstaltungen – etwa in der Alten Schmiede oder im TERTIÄRUM – zu den jeweils genannten Einlasszeiten geöffnet.

Ich nehme euch mit auf einen gut eine Stunde dauernden Rundgang durch die faszinierende Industrieanlage.

 

Die Historische Werkstatt

Wir beginnen in der Historischen Werkstatt, in der eine vergleichende Ausstellung die Werkzeuge der damaligen Zeit zeigt und diese mit großen Informationstafeln erklärt. Ich laufe an überdimensional großen Bohrmaschinen vorbei.

Überdimensional große historische Standbohrmaschine in der Industriehalle des Stöffel-Parks

Etwas weiter hängen an der Wand verschiedene alte Werkzeuge und abgenutzte Maschinenteile.

An der Wand montierte historische Handwerkzeuge und Maschinenteile in der alten Schmiede

Auch eine historische Schmiede mit Esse und verschiedenen Zangen an der Seite der Halle ist noch wunderbar erhalten.

historische Schmiede mit Esse und verschiedenen Zangen

Ich sehe hier aber auch so manche Rätsel-Maschine, bei der ich spontan absolut nicht sagen kann, was sie früher eigentlich genau angetrieben hat. Ich sehe Zahnräder …

… und eine alte Mechanik mit einer großen Handkurbel, mit der man einst etwas hochkurbeln konnte.

eine alte Mechanik mit einer großen Handkurbel

Weiter hinten im Raum widmen sich modern beleuchtete Info-Tafeln dem Thema Eisen und Stahl.

Im hinteren Bereich schaue ich mir außerdem eine alte Lore an, mit der damals die Basaltsteine auf Schienen durch das Gelände transportiert wurden.

eine alte Lore an, mit der damals die Basaltsteine auf Schienen durch das Gelände transportiert wurden

Schmied, Schlosser und Stellmacher haben genau hier Hand in Hand gearbeitet, um diese unermüdlichen Transportwagen und abgenutzten Werkzeuge nach dem harten Einsatz im Steinbruch wieder instand zu setzen.

 

Spaziergang zum Aussichtspunkt

Ich verlasse die ehemalige Werkstatt und schaue zu den riesigen Brecheranlagen hinüber.

Blick von der historischen Werkstatt auf die imposanten rot-braunen Brecheranlagen im Stöffel-Park

Dort beginnt mein Aufstieg hinauf zum Plateau des Steinbruchs. Ich laufe exakt den Weg steil bergan, wo früher einmal die voll beladenen Loren auf Schienen herunterfuhren.

Der ansteigende Trassenweg entlang der Brecheranlagen, auf dem früher Materialloren fuhren

Oben angekommen, schaue ich mich erst einmal fasziniert um. Hier verlaufen überall verstaubte Förderbänder, die das gebrochene Basaltgestein in verschiedene Korngrößen sortierten und zu den jeweiligen Brechern transportierten.

Blick auf erstaubte Förderbänder, die das gebrochene Basaltgestein in verschiedene Korngrößen sortierten und zu den jeweiligen Brechern transportierten

Die vielen verrosteten Industriegebäude, Silos und Siebwerke wirken, als wären sie alle über lange Holz- und Stahlbrücken miteinander verbunden.

Blick auf verrosteten Industriegebäude, Silos und Siebwerke

Anschließend folge ich dem schmalen Pfad weiter auf den kleinen Hügel hinauf. Gelegentlich drehe ich mich um und genieße die Perspektive auf das Areal.

Blick vom Hügel auf die Brecheranlagen im Stöffelpark

Je weiter ich mich entferne, desto kleiner und kompakter wirken die gewaltigen Hallen tief unter mir.

Entfernter Blick vom Hügel auf die Brecheranlagen im Stöffelpark

Nach einem kurzen Spaziergang und einigen Stufen erreiche ich schließlich den Aussichtspunkt, der einen fantastischen Panoramablick über den stillgelegten Teil des Steinbruchs freigibt. Direkt gegenüber prangt ein riesiger weißer „STÖFFEL-PARK“-Schriftzug auf der Anhöhe, der mich sofort an die berühmten Lettern in Hollywood erinnert.

Aussichtspunkt mit Blick auf den großen weißen Stöffel-Schriftzug an den Steinbruchfelsen

Gleich darunter liegt friedlich der Stöffelsee, dessen blaugrünes Wasser einen tollen Kontrast zu den rauen Basaltwänden bildet.

Der Stöffelsee mit spiegelndem Wasser am Fuße der steilen Steinbruchwände

Nachdem ich einige Bilder gemacht habe, schlendere ich langsam wieder zurück in Richtung der Brecheranlagen.

 

Vorbei am Vorbrecher

Ich gehe vom Hügel über die große Freifläche hinüber zum Vorbrecher.

Freifläche im Stöffel-Park mit Blick auf das massive Gebäude des historischen Vorbrechers

Ein solcher Vorbrecher ist die erste entscheidende Station in einer Gesteinsaufbereitungsanlage: Das frisch gesprengte Rohmaterial wird direkt hineingekippt und im ersten Schritt zerkleinert. Ein klassischer Backenbrecher drückt hierbei die riesigen Felsbrocken mit einer beweglichen Brechbacke gegen eine feststehende Wand, um das Gestein auf eine Kantenlänge von etwa 300 mm zu reduzieren. Erst danach transportieren lange Bandbrücken das Material weiter zu den Nachbrechern für die feinere Zerkleinerung.

Unten an der Anlage sind noch immer die massiven Zähne zu sehen, mit denen die gewaltigen Gesteinsbrocken früher Stück für Stück in den Schlund der Maschine befördert wurden.

Nahaufnahme der historischen Zähne des Förder- und Brechmechanismus am Vorbrecher

Im Stöffel-Park ist dieser Koloss Teil der historischen Brecheranlagen, zu denen insgesamt vier Gebäude gehörten – das älteste stammt bereits aus dem Jahr 1902.

 

Weiter zu den Brechern

Vom Vorbrecher laufe ich zu den riesigen Brecheranlagen hinüber.

Die imposanten rostenen Fassaden der historischen Brecheranlagen im Stöffel-Park

An einem Pfosten klebt ein verblasster Wegweiser, der auf die örtliche Wanderung „Stöffel-Route“ aufmerksam macht.

Wegweiser der Stöffel-Route an einem Holzpfosten vor den Brechergebäuden

Danach komme ich an einem weiteren mächtigen Brechergebäude vorbei.

Historisches Brechergebäude mit rotem Backstein und verrosteten Stahlkonstruktionen

Dabei fällt mir ein mittlerweile extrem maroder Schaltkasten ins Auge, an dem der Zahn der Zeit mächtig genagt hat. Für Fotografen gibt es auf dem gesamten Areal wirklich unzählige verfallene Details zu entdecken!

Maroder historischer Schaltkasten mit abgeblättertem Lack und verrosteten Leitungen

Noch ein Gebäude weiter komme ich spontan ins Stutzen: Direkt an den rauen Wänden der alten Industrieanlage wurden Klettergriffe und massive Drahtseilsicherungen angebracht.

An der Backsteinwand des Brechergebäudes montierte Klettergriffe und Stahlseile eines Klettersteigs

Ich frage kurz beim Personal nach und erfahre, dass es sich hierbei tatsächlich um einen integrierten Klettersteig handelt – dieser ist jedoch aktuell bis auf Weiteres geschlossen.

Ich laufe einmal um das Gebäude herum und schaue mir die Rückseite an, wo die Kletterroute spektakulär entlang der alten Wand verläuft.

Rückseite des Industriegebäudes mit den im Zickzack verlaufenden Routen des Klettersteigs

Danach schlendere ich ganz entspannt weiter in Richtung des ehemaligen Kohleschuppens.

 

Rund um Kohleschuppen und Trafohaus

Auf meinem Weg komme ich an der riesigen schwarzen Dampfmaschine vorbei.

Imposante historische Dampfmaschine in schwarzer Lackierung auf dem Freigelände

Danach laufe ich durch den ehemaligen Kohleschuppen, in dem heute ein gemütliches Café untergebracht ist, und steuere direkt das alte Trafohaus an.

Hier befinden sich die Besucher-Toiletten – und ich muss sagen: Ein Toilettengang ist im Stöffel-Park wirklich etwas ganz Besonderes!

Farbige Lichtinstallation und rustikaler Gang im Inneren des historischen Trafohauses

Der Zugangstunnel ist stimmungsvoll illuminiert, während aus den Lautsprechern das typische Zischen und Stampfen von alten Dampfmaschinen ertönt.

Die beleuchteten Eingänge zu den Toiletten

Gleich gegenüber liegt die ehemalige Schaltzentrale des Werks.

Blick auf die historischen Schaltzentrale im Trafohaus

Ich nutze schließlich den direkten Ausgang aus dem Trafohaus ins Freie, um meine Runde über das Gelände fortzusetzen.

 

Weiter zum Museum

Gleich vor dem Ausgang stoße ich auf eine rostige Eisenkonstruktion, deren ehemalige Verwendung ich mir beim besten Willen nicht erklären kann.

Skurrile, stark verrostete Eisenkonstruktion auf dem Freigelände vor dem Trafohaus

Selbst aus etwas Entfernung betrachtet und mit ein wenig Fantasie kann ich mir einfach keinen Reim darauf machen.

Gesamtansicht der rätselhaften historischen Stahlkonstruktion im Stöffel-Park

Anschließend folge ich dem gepflasterten Weg weiter in Richtung Museum. Dabei laufe ich parallel zu einem lang gezogenen System aus alten Förderbändern. Ein kurzer Blick auf meine Karte verrät mir die ursprüngliche Funktion: Über diese Trasse wurde das verarbeitete Gestein früher direkt nach unten zur Verladestation an der Eisenbahnlinie transportiert.

Historische Bandbrücke und Förderbandanlage parallel zum Fußweg Richtung Museum

Dort biege ich schließlich nach rechts ab und stehe auch schon direkt vor dem imposanten Museumsgebäude des TERTIÄRUMs.

 

Im TERTIÄRUM

Ich gehe ins Museum. Das architektonisch markante Gebäude des TERTIÄRUMs schützt direkt vor Ort die weltberühmte Fossillagerstätte aus dem Oberoligozän vor rund 25 Millionen Jahren. Im großen Ausstellungsraum erklärt eine eindrucksvoll beleuchtete Wand, wie der damalige Kratersee durch einen gewaltigen Vulkanausbruch entstand und sich im Laufe der Zeit mit Sedimenten füllte.

Beleuchtete Infowand im TERTIÄRUM zur geologischen Entstehung des Tertiär-Stöffelsees

In den Nischen auf der linken Seite sind die spektakulären Fossilien ausgestellt, die bei den wissenschaftlichen Grabungen geborgen wurden. In der hintersten Nische befindet sich das absolute Prunkstück der Sammlung: die berühmte Stöffel-Maus (*Eomys quercyi*), ein winziger Gleithörnchen-Verwandter, bei dem sogar die Flughaut im Ölfeinschiefer perfekt konserviert ist.

Detailaufnahme der fossilen Stöffel-Maus in der Vitrine des Museums TERTIÄRUM

Es gibt aber noch viele weitere faszinierende Funde zu entdecken, wie zum Beispiel versteinerten Krokodilkot (Koprolithen), der wertvolle Rückschlüsse auf das damalige Klima erlaubt,

Nahaufnahme von versteinertem Krokodilkot aus den Tertiär-Sedimenten

oder eine erstaunlich gut zu erkennende fossile Amphibie (*Pelobates decheni*), deren Knochenstruktur und Körperumriss im Stein messerscharf hervortreten.

Gut erhaltenes Amphibien-Fossil im dunklen Sedimentstein des Stöffel-Parks

Nachdem ich mich ausgiebig umgeschaut und diese jahrmillionenalte Welt auf mich habe wirken lassen, verlasse ich das TERTIÄRUM wieder. Damit endet mein Rundgang durch den Stöffel-Park schon.

 

Earthcache „Fossilien im Ölschiefer“

Bei meinem Rundgang durch das Museum kann ich die Fragen des Earthcaches Fossilien im Ölschiefer gut beantworten und das für das Loggen erforderliche Foto problemlos anfertigen.

 

Transparenzhinweis

Den Stöffel-Park habe ich im Rahmen des Bloggerwanderns besucht. Diese Veranstaltung findet regelmäßig statt und ging in diesem Jahr bereits in die dreizehnte Runde. Ausgerichtet wurde es diesmal von der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH gemeinsam mit dem Westerwald Touristik-Service. Das Bloggerwandern soll ausgewählten Bloggern einen Einblick in die Region und ihre Besonderheiten geben. Unterkunft und sämtliche Programmpunkte werden von den Veranstaltern finanziert.

 

Interaktive Karte der Wanderung

Auf der folgenden Karte könnt ihr den genauen Verlauf meines Spaziergangs durch den Stöffel-Park sehen. Die Karte ist interaktiv: Ihr könnt hinein- und herauszoomen und die Marker anklicken. Bei dem Earthcache öffnet ein Klick auf den Namen das zugehörige Listing auf geocaching.com. Die einzelnen historischen Gebäude, an denen ich vorbeigelaufen bin, habe ich euch ebenfalls eingezeichnet.

Falls euch meine Tour interessiert, so könnt ihr hier meine gpx-Datei mit allen Wegpunkten und dem Earthcache herunterladen. Übrigens: Diese Tour zusammen mit einigen Bildern habe ich inzwischen auch in meinem Komoot eingestellt.

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Dieser Beitrag gehört zu einer Artikelserie, die ich über das „13. Bloggerwandern im Westerwald“ geschrieben habe. Den zugehörigen Überblicksartikel findet ihr unter 13. Bloggerwandern: Mein Kultur- und Wandererlebnis im Westerwald.

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Wie hat euch diese Tourempfehlung gefallen? Seid ihr selbst schon im Westerwald unterwegs gewesen? Was sind eure Empfehlungen für diese Region? Wie immer freue ich mich auf eure Kommentare unter diesem Beitrag!

Saarfuchs

Jörg (Saarfuchs) betreibt Geocaching seit 2008. Sein besonderes Interesse galt zunächst Mysteries, dann den T5-Caches und mittlerweile den Lostplaces. Zu seinen Hobbies gehören Reisen, Fotografieren, Bergwanderungen und Hochtouren. Er geht weltweit auf Dosen-Suche und berichtet in seinem Blog regelmäßig mit vielen Fotos über sein “Geocaching” und damit verwandte Themen.

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