Die Abtei Marienstatt vereint 800 Jahre Klostergeschichte, eine der ältesten gotischen Kirchen rechts des Rheins und eine Bibliothek mit über 100.000 Büchern – ein Besuch lohnt sich für mehr als nur ein paar Fotos.
Wie eine Tour mit Brauhaus, Labcaching und Übernachtung im Gästehaus aussehen kann, zeigt dieser Erfahrungsbericht. Schaut doch mal rein!
Über die historische Nisterbrücke
Nach unserer Wanderung über Teile des Druiden- und Westerwaldsteigs führt mich mein Weg direkt an einem stillen Zeugen der Geschichte vorbei: der historischen Nisterbrücke, die sich in malerischer Ruhe über die Große Nister spannt. Ihre Wurzeln reichen bis ins Mittelalter zurück – bereits 1478 wird eine Vorgängerin erwähnt, über die einst der mittelalterliche Heer- und Handelsweg „Leipziger Straße“ von Köln in den Osten verlief. Ihre heutige, so charmante Gestalt mit der niedrigen Steinbrüstung erhielt sie zwischen 1721 und 1734, als der damalige Abt von Marienstatt eine umfassende Erneuerung veranlasste.
Mittlerweile ist sie vom Autoverkehr befreit und dient heute nur noch Fußgängern und Radfahrern als Zugang zum Kloster – ein Idyll, das zusammen mit der Abtei eine geschützte Denkmalzone bildet.
Ich schlendere über die Brücke in Richtung des Torhauses der Abtei.
Rundgang durch das Klosterareal
Dieser Ort hat Geschichte! Bereits 1212 wurde das Zisterzienserkloster von Mönchen aus Heisterbach gegründet – zunächst allerdings nicht hier, sondern bei Kirburg. Der Legende nach soll die Gottesmutter Maria dem Abt Hermann im Traum einen mitten im Winter blühenden Weißdornstrauch gezeigt haben, der den neuen Standort anzeigte. Dieser Weißdornzweig ziert bis heute das Wappen der Abtei. 1227 zog der Konvent schließlich endgültig ins Tal der Nister, wo die Grafen von Sayn dem Kloster die Grundherrschaft schenkten. In den folgenden Jahrhunderten gedieh die Abtei und ab 1243 entstand die frühgotische Basilika – eine der ältesten gotischen Kirchen rechts des Rheins.
Doch die bewegte Geschichte nahm eine dramatische Wende: 1802/1803 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation aufgelöst, die Mönche mussten gehen. Es dauerte bis 1888, dass Zisterzienser aus der österreichischen Abtei Mehrerau die verlassenen Gebäude zurückkauften und wiederbesiedelten; 1890 wurde Marienstatt erneut zur Abtei erhoben. Heute leben hier wieder Mönche, und die Abtei ist ein spirituelles und kulturelles Zentrum der Region geblieben.
Ich schlendere am Brauhaus vorbei zum ehemaligen Torhaus.
Es wurde 1754 fertiggestellt und ist damit ein prägender Teil der barocken Klosteranlage, die unter Abt Petrus Emons entstand. Heute ist das Torhaus alles andere als eine bloße Durchgangsstation: Hier befindet sich der große, helle Klosterladen mit Buch- und Kunsthandlung, in dem du stöbern, Literatur entdecken und Klosterprodukte mit nach Hause nehmen kannst.
Nachdem ich das Torhaus durchquert habe, liegt der Eingang zur Basilika direkt in meiner Sichtachse.
Kurz vor der Kirche biege ich nach rechts ab und gelange zum Hauptgebäude, das mit seinem markanten Mittelpavillon die barocke Silhouette der Abtei prägt.
Die heutigen Klosterbauten – mit Ausnahme der mittelalterlichen Kirche – stammen aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg und wurden unter Abt Petrus Emons zwischen 1735 und 1751 errichtet, nachdem die alten Gebäude abgerissen worden waren. 1747 wurde der Neubau im Barockstil mit dem charakteristischen Mittelpavillon feierlich eingeweiht. Das Gebäude besteht aus drei Flügeln, wobei der dritte Flügel erst um 1908/09 angebaut wurde, um die nahezu 80.000 Bände umfassende Klosterbibliothek aufzunehmen.
Spaziergang durch den Klostergarten
Am Nachmittag habe ich etwas Zeit für Labcaching. Dabei komme ich auch in den barocken Klostergarten, der eine öffentlich zugängliche Oase der Ruhe ist, die nach alten Plänen rekonstruiert wurde und mit ihrer Blütenpracht zum Verweilen einlädt.
Links der Hauptachse befindet sich der Heil- und Kräutergarten, in dem mehr als 300 Pflanzen nach altem klösterlichem Heilwissen angebaut werden – von Thymian und Salbei bis hin zu Kapuzinerkresse.
Ganz in der Nähe, zwischen der Basilika und der Außenmauer des Klostergartens, liegt der frühere Klosterfriedhof, der heute eine stille Wiese mit einem Kreuzweg ist.
Dieser Ort blickt auf eine lange Geschichte zurück: Bei den Zisterziensern war es Brauch, die verstorbenen Mönche an der Nordseite der Kirche zu bestatten, weshalb dieser Platz vermutlich bis zur Auflösung des Klosters im Jahr 1802 als Abteifriedhof diente. Später, nach der Gründung der Pfarrei Marienstatt im Jahr 1827, wurden hier die Katholiken aus den umliegenden Orten beigesetzt, bis die Bestattungen Mitte der 1960er Jahre endeten und die Gräber bis Anfang der 1990er Jahre eingeebnet wurden.
Heute erinnern wieder aufgestellte Originalgrabsteine und eine Infostele an diese Vergangenheit.
Lab- und Geocaching am Kloster
Ich nutze die wenige freie Zeit im Kloster, um das LabAdventure „Abtei Marienstatt“ zu spielen. Die einzelnen Labcaches führen mich über das gesamte Klostergelände, vom kleinen Wasserkraftwerk bis zur historischen Nisterbrücke.
Auch den Earthcache beim Wasserkraftwerk kann ich gut lösen. Hätte ich mehr Freizeit gehabt, so hätte ich sicher auch noch die vielen Multis oder Tradis in Angriff genommen. Auch aus Geocaching-Sicht lohnt sich ein Besuch in der Abtei Marienstatt.
Das Brauhaus vor dem Kloster
Am Abend kehrt unsere Gruppe im Marienstatter Brauhaus ein – hier wird eine Tradition fortgeführt, die weit über das Kloster hinausstrahlt.
Die Geschichte des Brauens in Marienstatt reicht bis ins Mittelalter zurück: Bereits 1362 wird das Bierbrauen auf dem Klostergelände erstmals erwähnt, und aus dem Jahr 1457 ist belegt, dass zum Inventar des Klosterhofes in Gehlert ein Braukessel gehörte. 1578 wurde den Mönchen neben Wein auch Bier gereicht. Um 1700 ließ Abt Benedikt Bach ein neues Brau- und Backhaus errichten – mit der Begründung, das Kloster habe „fast keine Einnahmequelle“ und eine Brauerei werde sich „gut rentieren“. Ende des 19. Jahrhunderts folgte der nächste Schritt: 1898 erhielt Abt Konrad Kolb die Erlaubnis, eine Gastwirtschaft zu betreiben, und 1899 wurde eine Brauerei eingerichtet. Am 14. Mai 1899 notierten die Mönche stolz: „Prima vice bibimus novam cerevisiam in nostro monasterio factam“ – zum ersten Mal tranken sie Bier, das im eigenen Kloster gebraut wurde. Doch die Freude währte nur kurz: Bereits 1908 musste die Produktion wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt und die Gerätschaften verkauft werden.
Fast ein Jahrhundert lang blieb es still im Sudhaus – bis zum 1. Mai 2004, als im neu umgebauten Marienstatter Brauhaus wieder das erste Fass angestochen wurde. Heute erwartet dich im Keller die kleine Hausbrauerei, im Obergeschoss ein Speiselokal mit Biergarten.
Vor dem Abendessen wird unsere Gruppe durch den Braukeller geführt, in dem ein riesiger Braukessel steht.
Die Edelstahltanks, die du neben dem Braukessel siehst, sind Gär- und Lagertanks.
Nachdem die Würze gekocht, gekühlt und mit Hefe versetzt wurde, findet im Gärtank die eigentliche Gärung statt – sie dauert bei Marienstatt etwa sieben Tage bei knapp über 10 °C. Anschließend kommt das junge Bier in den Lagertank, wo es reift und sich klärt, bevor es schließlich in Fässer abgefüllt wird.
Gebraut wird ein untergäriges, naturtrübes Landbier mit 55 Prozent dunklem Malz.
Danach gehen wir wieder hoch in den Speisesaal, wo uns ein 3-Gänge-Menü serviert wird.
Der Hauptgang besteht aus einem Dippekooche mit Apfelmus, einem typischen Gericht dieser Region.
Die Basilika der Abtei Marienstatt
Am nächsten Morgen nutze ich die frühe Stunde als Gelegenheit, um ohne Touristen einen Blick in die Basilika zu werfen. Sie zählt zu den ältesten gotischen Gotteshäusern rechts des Rheins. Der Baubeginn der Kirche wird auf das Jahr 1246 datiert, doch die Arbeiten zogen sich über Jahrhunderte hin. Die Arbeiten wurden erst 1425 endgültig abgeschlossen.
Getreu der zisterziensischen Regel ist die Kirche bewusst schlicht gehalten: Du suchst vergebens nach prunkvollen Türmen, stattdessen krönt nur ein bescheidener Dachreiter das Bauwerk.
Seit 1927 trägt die Kirche den Titel „Basilica minor“ – das päpstliche Wappen über dem Eingangsportal erinnert daran
Das Innere mit dem dreischiffigen Langhaus und dem Chorumgang wirkt trotz der langen Bauzeit wie aus einem Guss. Ein besonderes Highlight erwartet dich im Hochchor: das Ursula-Retabel aus der Zeit um 1350, einer der bedeutendsten mittelalterlichen Flügelaltäre des Rheinlands. Und auch das Chorgestühl aus der Zeit um 1290, das noch regelmäßig für das Chorgebet genutzt wird, zählt zu den ältesten in Deutschland.
Ich schlendere frühmorgens ganz alleine durch die Basilika. An einem Gnadenbild der Marienstatter Pietà in der 1947 neu geschaffenen südlichen Seitenschiffkapelle halte ich inne.
Auf der anderen Seite des Kirchenschiffs fällt mir diese Nische ins Auge, zu der ich keine weiteren Informationen finden kann.
Auf der Eingangsseite der Basilika befindet sich dieses Kirchenfenster mit Jesus, Maria und Aposteln, das ich zum Abschluss fotografiere.
Danach verlasse ich die Basilika wieder und gehe zum Sammelpunkt für unsere Führung.
Führung durch die Abtei mit Bibliothek
Am nächsten Morgen warte ich vor dem Hauptgebäude auf den Beginn der Führung.
Dabei schweift mein Blick am prunkvollen Portal nach oben.
Anschließend führt uns Frater Gregor durch die Abtei.
Uns empfängt die Eingangshalle mit einem bemerkenswerten Blickfang: ein Treppenaufgang aus Eichenholz, der in das Obergeschoss hinaufführt. Dieses Treppenhaus ist kein bloßes architektonisches Detail, sondern ein Stück barocker Klostergeschichte. Das Forum Abtei Marienstatt, der Förderkreis der Abtei, führt die Sanierung des Treppenhauses mit seinem berühmten Treppenaufgang aus Eichenholz im Hauptgebäude als eines der zukünftigen Projekte auf. Damit wird deutlich: Dieses historische Bauwerk bedarf auch nach Jahrhunderten der Pflege und Erhaltung.
An der Decke der Eingangshalle befindet sich dieses beeindruckende Gemälde.
Der Zisterzienserorden entstand 1098 als Reformbewegung aus dem Benediktinerorden, als sich Robert von Molesme mit Gefährten im burgundischen Cîteaux niederließ, um die Regel des heiligen Benedikt strenger und einfacher zu leben. Seinen entscheidenden Aufschwung verdankt der Orden dem heiligen Bernhard von Clairvaux, der im 12. Jahrhundert eintrat und die Gründung zahlreicher Tochterklöster in ganz Europa vorantrieb. Die Zisterzienser zeichneten sich durch ein Leben in abgelegenen Gebieten, körperliche Arbeit, Eigenbewirtschaftung und eine schlichte, unverzierte Bauweise aus.
An der Rückwand der Eingangshalle ist eine Statue von Bernhard von Clairvaux zu sehen.
Er wird traditionell im weißen Mönchshabit der Zisterzienser dargestellt. In seinen Händen oder zu seinen Füßen findet sich häufig ein Bienenkorb – ein Symbol, das auf seine außergewöhnliche und mitreißende Beredsamkeit verweist. Seine Predigten waren so eindringlich, dass man sagte, seine Worte flössen „wie süßer Honig“ über seine Lippen.
Anschließend führt uns Frater Gregor in die Klosterbibliothek.
Die Bibliothek der Abtei Marienstatt ist in ihrer heutigen Form ein Betonbau aus den Jahren 1907–1909, aber ihre Sammlung reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Etliche Bände der Sammlung gehören seit 2017 zum nationalen Kulturgut Deutschlands.
Die Bibliothek umfasst heute etwa 111.000 Medieneinheiten, darunter über 101.000 Bücher; etwa 21.500 Bände gehören zum historischen Altbestand, der im März 2017 als Sachgesamtheit in das Verzeichnis national wertvollen Kulturguts eingetragen wurde. Zum Altbestand zählen Handschriften, Inkunabeln und Drucke bis 1900, darunter große Teile der Privatbibliothek des ersten Abtes nach der Wiederbesiedelung, Dominikus Willi (später Bischof von Limburg), mit 442 Titeln. Das älteste Buch ist ein Psalterium aus der Zeit um 1300 aus einem nordostfranzösischen Franziskanerkloster; das älteste Schriftstück ist ein Pergamentfragment aus der Zeit um 1200, das bei einer Restaurierung als Teil eines zisterziensischen Lektionars identifiziert wurde. Die Bibliothek verfügt außerdem über mehr als 600 Bibeln und biblische Ausgaben, darunter die älteste deutschsprachige Bibel von 1534.
Für die Bestandserhaltung besteht ein eigenes Konzept: Seit 2019 nimmt die Bibliothek am Förderprogramm des Landes Rheinland-Pfalz zur Bestandserhaltung teil und erhielt finanzielle Unterstützung; damit wurden wertvolle Bände restauriert, 2022 alle Weißglasfenster mit UV-Schutzfolie versehen und 2024 Datenlogger zur Überwachung des Raumklimas angeschafft. Die Bibliothek ist nach Terminvereinbarung für Wissenschaft und Forschung zugänglich; im Jahresprogramm werden regelmäßig öffentliche Führungen angeboten, bei denen der historische Altbestand im Mittelpunkt steht.
Anschließend verlassen wir die Bibliothek und laufen durch das Obergeschoss zum prächtigen Holztreppenhaus. Dort fällt mir dieses heraldische Emblem ins Auge.
Das barocke Deckenfresko lässt sich anhand seiner typischen Bildelemente entschlüsseln. Im unteren, blauen Teil des Schildes ist ein blühender Weißdornstrauch zu sehen, der auf die Gründungslegende der Abtei zurückgeht: Die Gottesmutter Maria soll dem Abt im Traum erschienen sein und ihm einen mitten im Winter blühenden Weißdorn als idealen Standort für das Kloster gezeigt haben. Der schräg verlaufende, rot-weiß-karierte Balken im rechten Feld ist das traditionelle Erkennungsmerkmal des Zisterzienserordens zu Ehren des heiligen Bernhard von Clairvaux. Hinter und über dem Schild befinden sich schließlich die Pontifikalien eines Abts – Mitra, Krummstab sowie Prälatenhut mit den charakteristischen seitlichen Kordeln und Troddeln.
Danach gehe ich hinunter zum Eingang und damit endet unser Besuch der Abtei Marienstatt.
Übernachtung im Gästehaus der Abtei
Übrigens: Es ist möglich, im Gästehaus der Abtei zu übernachten. Ich bekam ein Apartment beim Gymnasium.
Mein Apartment besteht aus einem einfachen Wohnzimmer mit Couch, Tisch und Sessel sowie einem Schreibtisch mit Stuhl zum Arbeiten.
Auch mein Schlafzimmer ist recht einfach gehalten und besteht aus zwei Betten, die ich – wie in Gästehäusern üblich – selbst beziehe.
Zwischen Wohn- und Schlafzimmer befindet sich mein Badezimmer mit Dusche, Waschbecken und Toilette.
Das Frühstück in Buffetform bekommt unsere Gruppe in einem separaten Raum. Es ist zu meiner Überraschung sehr abwechslungsreich und üppig. Gerne übernachte ich hier noch einmal.
Interaktive Karte der Abtei Marienstatt
Auf der folgenden Karte könnt ihr alle wichtigen Sightseeingpunkte, sowie die Lab- und Geocaches rund um die Abtei sehen. Die Karte ist interaktiv: Ihr könnt hinein- und herauszoomen und die Marker anklicken. Bei den Lab- und Geocaches öffnet ein Klick auf den Namen die zugehörige Beschreibung auf geocaching.com. Die einzelnen historischen Gebäude, an denen ich vorbeigelaufen bin, habe ich euch ebenfalls eingezeichnet.
Falls euch meine Tour interessiert, so könnt ihr hier meine gpx-Datei mit allen Wegpunkten und den Caches herunterladen. Übrigens: Die Wanderung zur Abtei Marienstatt zusammen mit einigen Bildern habe ich inzwischen auch in meinem Komoot eingestellt.
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Dieser Beitrag gehört zu einer Artikelserie, die ich über das „13. Bloggerwandern im Westerwald“ geschrieben habe. Den zugehörigen Überblicksartikel findet ihr unter 13. Bloggerwandern: Mein Kultur- und Wandererlebnis im Westerwald.
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Wie hat euch diese Tourempfehlung gefallen? Seid ihr selbst schon im Westerwald unterwegs gewesen? Was sind eure Empfehlungen für diese Region? Wie immer freue ich mich auf eure Kommentare unter diesem Beitrag!



































