Mrz 212013
 

Besucht man Paris, so ist sicher eines der Highlights ein Besuch der Katakomben. Obwohl hier keine Dose liegt, haben mich diese von Menschen geschaffenen Hohlräume doch sehr beeindruckt. Und da sich auch so man anderer Geocacher für den Untergrund interessiert, möchte ich euch mit diesem Artikel in den Untergrund von Paris entführen…

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In die Katakomben von Paris werden immer nur 200 Besucher gleichzeitig eingelassen. Da saarzwerg und ich dies zum Glück in unserem Reiseführer gelesen haben, folgen wir seiner Empfehlung und sind schon um 9:30 Uhr am Eingang. Wir sind die Ersten. Die Katakomben öffnen an jedem Tag außer montags und an Feiertagen jeweils um 10:00 Uhr. Kurz nach unserer Ankunft beginnt sich eine Schlange zu bilden. Um 10:00 Uhr werden wir eingelassen – zu diesem Zeitpunkt ist die Schlange hinter uns schon bestimmt 100 Meter lang – wir haben alles richtig gemacht!

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Nachdem wir unsere Eintrittskarten bezahlt haben, steigen wir 130 Stufen hinab. In einem kleinen Raum hängt eine Karte der Katakomben. Um die Größe zu verdeutlichen, sind die Straßen über die Katakomben gezeichnet. Einen Teil davon werden wir nun anschauen…

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Der Weg führt uns durch recht dürftig beleuchtete Gänge. Fotografieren ist unter diesen Lichtverhältnissen eine echte Herausforderung. Natürlich ist die Benutzung eines Blitzgerätes oder eines Stativs nicht gestattet. Eine Taschenlampe hingegen ist erlaubt und kann helfen, das ein oder andere Bild noch zu retten.

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Ab und zu findet sich an der Wand eine Gravur – daran kann man das Alter dieser Gänge erkennen. Sie wurden ursprünglich als Zugänge zu den unterirdischen Steinbrüchen gebaut. Fast 2000 Jahre wurden unter Paris Steine, Gips und Ton als Baumaterial für Häuser unterirdisch abgebaut.

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Nach kurzer Zeit erreichen wir einen größeren Hohlraum. Die Wände sind zum Teil gemauert und in der Mitte stehen Säulen um die Decke abzustützen.

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An einer Seite des Hohlraums hat sich ein Steinmetz verewigt – er hat einen kleinen Palast aus dem Stein gehauen. Das Absperrgitter nutze ich, um die Kamera abzustützen – so gelingt mir das folgende Foto. Der Steinmetz hatte sich hier echt Mühe gegeben – die Fassade des Palastes ist sehr filigran.

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Neben diesem großen “Bauwerk” gibt es an der gegenüberliegenden Wand noch ein weiteres kleines Kunstwerk – eine kleine Burg, die aus der Wand gemeiselt wurde.

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Wie schlendern weiter durch einen kleinen Gang und erreichen einen weiteren Raum. Auch hier haben sich die Steinmetze wieder ausgetobt und diese tolle Burglandschaft aus dem Stein gehauen. Hier wurden einige Bauwerke sogar etwas angemalt.

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Im nächsten Raum finden wir eine Tafel, die erklärt, dass hier unten auch Brunnen für die Arbeiter gegraben wurden. Hinter einer Absperrung führt ein kleiner Gang nach unten zu dieser Wasserstelle. Leider können wir sie nur von oben betrachten.

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Nachdem wir wieder einige Zeit dem engen Gang weiter gefolgt sind, öffnet sich der Gang plötzlich – er wird höher und breiter. Die Decke wurde hier mit einigen gemauerten Bogen abgestützt.

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Kurz danach erreichen wir den Eingang zum “Friedhof”. In einer größeren Halle gibt es einige Hinweistafeln. Da wir heute die ersten Besucher an dieser Stelle sind, haben die Wächter der Katakomben noch nicht ihre Postion auf den Stühlen bezogen. Noch kann ich Fotos machen ohne Leute drauf zu haben ;-)

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Nun wird es spannend – wir erreichen das Portal zum Totenreich – den Eingang zum Beinhaus. Als die Bevölkerung sowie die Fläche von Paris ständig wuchs und die Friedhöfe überfüllt waren, wurde ab 1785 damit begonnen, die Gebeine aus den Friedhöfen hierher zu überführen.

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Wir durchschreiten das Portal und sehen gleich die ersten kunstvoll gestapelten Gebeine – einer breiten Schicht mit großen Knochen folgt eine Schicht mit Schädeln.

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Wir kommen zu einem großen Steinkreuz. Es hat leider keine Beschriftung – für uns ist hier also nicht zu erkennen, von welchem Friedhof und aus welcher Zeit diese Gebeine stammen.

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Im nächsten Raum stapeln sich die Gebeine  fast bis an die Decke. Wir gehen die paar Stufen zur nächsten Halle hinauf.

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In diesem Raum ist die Steinplatte noch beschriftet. Wir lesen, dass diese Gebeine 1804 vom Friedhof St. Nicolas des Champs geborgen und hierher überführt wurden.

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Die Knochen haben unterschiedliche Farben. Manchmal sind sie fast weiß, so wie hier auf dem folgenden Foto. Manchmal geht ihre Färbung stark ins gelbliche, die Knochen habe schon Patina angesetzt, was auch der Grund ist, warum Fotografieren mit einem Blitz hier unten verboten ist – der Blitz würde die Patina zerstören.

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Unsere Wanderung durch das Gebeinhaus nimmt kein Ende. Unzählige Gänge mit Knochen und Schädeln liegen auf unserem Weg. Etwas später erreichen wir wieder eine kleine Halle. Diese Knochen hier stammen aus der Kirche St. Laurent.

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Wir haben es fast geschafft. Wir erreichen den letzten Raum mit Gebeinen. An der Decke kann man noch gut die Spuren der Steinmetze sehen, die diese Gänge und Hallen aus dem Stein gehauen haben.

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Der andere Eingang des Gebeinhauses ist erreicht. Wir stehen wieder in einer Halle, die einige Stützen mit Schrifttafeln enthält. Hier verlassen wir das Gebeinhaus. Laut wikipedia liegen hier die Gebeine von ca. 6 Millionen Menschen.

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Auf dem Weg zurück zur Oberfläche kommen wir noch an einigen “Einbrüchen” vorbei. Hier ist die Decke langsam eingebrochen. Um zu verhindern, dass dieses “Loch” bis zur Oberfläche einbricht und an den darüberliegenden Häusern Schaden anrichtet, wurde die Decke an dieser Stelle mit gemauerten Bögen abgestützt. Seit 1777 gibt es eine regelmäßige Begehung der Steinbrüche, um Risiken zu erkennen und zu beheben.

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Im nächsten Raum wurde ein weiterer Einbruch kunstvoll in Szene gesetzt. Hier ist 1875 die Decke eingestürzt. Scheinbar geht aber hiervon kein Risiko aus, da die Stelle nicht abgestützt wurde.

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Wir kommen in den letzten Raum dieses Rundganges. Hier wurde die Decke mit einem weiteren gemauerten Bogen abgestützt.

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Damit ist unser Rundgang durch die Katakomben schon fast beendet. Wir erreichen den Ausgang. Ab hier sind die Gänge wieder komplett vermauert. Über eine Wendeltreppe mit mehr als 80 Stufen steigen wir wieder zur Oberfläche empor.

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Ich hoffe, dieser kleine “virtuelle” Rundgang durch die Katakomben hat euch gefallen. Wie immer gilt, wenn Du mehr Bilder von den Katakomben sehen möchtest, dann wirf doch bitte einen Blick in mein Webalbum.

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  6 Antworten zu “Underground – Die Katakomben von Paris”

  1.  

    Die Katakomben von Paris muss ich mir auch mal unbedingt angucken. Wie ich gehört habe, soll es dort Partys geben und sogar richtige Bars, in denen Jugendliche sich voll laufen lassen. Nur blöd, dass es auch manchmal Leute gibt, die den Weg nicht zurück finden und auf ewig in den Katakomben verschollen bleiben. Dies passiert eher eher seltener, doch es soll passieren und aus diesem Grund hat die Polizei extra eine Patrouille eingeführt, die das rege Treiben unter der Stadt Paris beenden soll. (Quelle: Prosieben)

  2.  

    Sehr interessanter und optisch sehr ansprechender Beitrag. Das muss auch noch auf meine To do-Liste ;-)

  3.  

    Bei unserem Paris-Besuch vor 7 Jahren (oha, bin ich alt…) wollten wir auch dort rein, da wir aber zu spät dran waren hat man uns leider nicht mehr eingelassen.

    Tolle Fotos hast Du aus der Unterwelt mitgebracht.

    (Zum Fotografieren unter solchen Bedingungen kann ggf. ein Beanbag hilfreich sein, der das Ausbalancieren und Ausrichten der Kamera auf Geländern etc. erleichtert und es passt auch in die “kleine” Fototasche. Wird oft noch geduldet, da man nicht im Weg steht und keine sperrigen Gegenstände dabei hat.)

  4.  

    Gigantisch! Das muß ich beim nächsten Parisbesuch unbedingt endlich mal anschauen.

  5.  

    Ich war 1997 einige Monate lang in Paris und der Besuch in den Katakomben war eine der nachhaltig beeindruckendsten Unternehmungen meiner Zeit dort. Es zeigte sich in den Haupträumen so viel Arbeit, Ästhetik und Respekt, die man in die Umbettung der Knochen gelegt hat. Auch mit weniger guter Kamera (und fernab von Digitaltechnik) sind mir damals Fotos gelungen, die ich bis heute faszinierend finde. Soweit ich mich erinnere, war damals weniger für die Gruppen zugänglich als heute.
    Beim Ausgang wurden die Taschen der Besucher kontrolliert, da einige immer wieder “Trophäen” in Form von Schädeln oder anderen Knochen herausschmuggeln. Ernüchternd, dass Leute sich zu so etwas hinreißen lassen. Ich hoffe, dass dieser Form von Knochenschwund inzwischen Einhalt geboten werden konnte.

  6.  

    Super Fotos! Klasse

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