Nov 092015
 

 

Tag 2: Die historische Cachetour in das Umland von Portland

Ein Gastbeitrag von TheGreenTool

Der Wecker klingelte am nächsten Morgen, es war ein Freitag, sehr früh. Auf dem Plan stand ein großer Roadtrip zu mehreren historischen Caches rund um Portland. Portland liegt 280 km südlich von Seattle. Da die Caches, die wir ansteuerten, noch ein gutes Stück sowohl östlich als auch westlich von Portland lagen, standen am Ende des Tages mehr als 850 km auf dem Zähler.

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Der entscheidende Teil unserer „historischen“ 850-km-Tour

Welche Caches veranlassten mich nun, diese „Gewalttour“ zu planen? Das erste Ziel (neben ein paar besuchenswerten Unterwegs-Caches, z. B. „where the cows came from“ (GC3REFA) und  „Aloha TB Hotel“ (GC1G3TR) ) war der zweitälteste noch aktive Cache der Welt: „GC12 5/12/2000“ (versteckt am 12.05.2000). Ich hatte mich vorab bereits bei den „NettenLeut(h)en“ (bekannt von ihren Mystery-Tools auf www.gc.de), deren Name ich in den Logs fand, erkundigt, wo der beste Parkplatz zu finden ist. Kurz bevor wir die Parkplatz-Koordinaten erreichten, kam uns ein anderes Auto entgegen. Der Fahrer hielt an und öffnete grinsend sein Seitenfenster: „Are you searching strange things in the woods?“. Wir lachten und bejahten die Frage. So schnell hatten sich mehrere Cacher gefunden, die gemeinsam zum GC12 laufen wollten.

Zum GC12 waren es einfache Strecke etwa 1,5 km. Nichts Anstrengendes also. Von dort konnte man, wenn man wollte, zum GC17 weiter wandern. Insgesamt bedeutete dies aber zehn zusätzliche Kilometer. So gerne ich gewollt hätte, aber dafür war unser Tagespensum zu groß. Der GC17 war für mich auch keine statistische Notwendigkeit, da sein Versteckmonat Juli 2000 bereits durch den belgischen GC40 abgehakt war. Dies war übrigens der einzige vorab geplante echte Kompromiss beim Zusammenstellen des USA-Trips. Der GC12 beeindruckte uns dann am meisten dadurch, dass das erste Logbuch noch immer gut erhalten in der Munitionskiste vorhanden war. Inzwischen tauchte die nächste größere Gruppe Cacher auf. Wir gingen zurück zum Mietmobil und starteten zum nächsten Hauptziel des Tages. Nebenbei brachte uns der erste Caches des Tages das zweite Souvenir ein – für den Bundesstaat Oregon.

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Das erste Logbuch des GC12 ist noch immer in der Cachedose vorhanden

 

Das zweite Ziel war dann die historischste Cachelocation überhaupt, sozusagen der Geburtsort des Geocachings. Wir wollten zu der Stelle fahren, an der ein gewisser Dave Ulmer am 3. Mai 2000 den allerersten Geocache versteckt hatte. Den Original-Cache, der später als GCF „The Original Stash“ auf Geocaching.com gelistet wurde, gibt es zwar nicht mehr, dafür eine Gedenktafel, die an den Cache erinnert und ein „Tribute“-Cache: „Original Stash Tribute Plaque“ (GCGV0P). Dafür gab es dann als Belohnung auch gleich das nächste Souvenir. Außerdem liegt gerade mal 20(!) Meter daneben der Ersatzcache für den abhanden gekommenen „Original Stash“: „Un-Original Stash“ (GC92, versteckt am 22.10.2000) , ein weiteres Kreuzchen in unserer „Funde nach Platzierungs-Monat“-Matrix.

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TheGreenTool mit Vater an der Gedenktafel für den allerersten versteckten Geocache (GCF/GCGV0P)

 

Vor Ort trafen wir noch ein Cacherpaar aus Österreich, das sich einen Traum erfüllte und mit einem nagelneuen Ford Mustang Cabrio mehrere Wochen durch die USA tourte. So konnten wir gegenseitig schöne Erinnerungsfotos schießen. Den letzten Kilometer zur Tribute Plaque säumten zudem noch einige, teilweise sehr nette Drive-Ins den Weg, z. B. „Slider“ (GC2W5V6).

Aber es stand noch eine weitere Mission auf dem Tagesplan, die einen richtigen Umweg erforderte. Westlich von Oregon liegt auf einem bewaldeten Berg ein alter Tradi, der im November 2000 versteckt wurde: „Hembre Ridge“ (GCA5, versteckt am 04.11.2000). Da es zu diesem Versteckmonat für uns keine realistischen Alternativen gab, wollte ich unbedingt dorthin, auch wenn einige Vorlogs keinen einfachen Fund erwarten ließen. Das Problem: Um dorthin zu gelangen, muss man 15 km durch den Wald fahren, und zwar hinauf bis auf 900 m ü. NN. Einige schrieben, dass das mit jedem normalen Auto legal machbar wäre, andere empfohlen doch ein Allradgefährt. Wir waren gespannt.

Die beste Stelle, um vom Highway in den Wald abzubiegen, hatte ich mir bereits zu Hause mit Google Maps und StreetView rausgesucht. Als wir am Abzweig standen, realisierte ich erst, was uns nun bevorstand. Ich hatte nämlich nicht erwartet, dass wir uns dort gerade einmal auf 100 m Höhe befanden und dass der legale Weg nur grob geschottert ist. 15 km Holperpiste und 800 m Höhenunterschied – einfache Strecke wohlbemerkt – galt es nun zu bewältigen. Unser Toyota Corolla ächzte und roch zwischenzeitlich ziemlich bedenklich. Was tun, wenn wir jetzt hier oben jetzt eine Reifenpanne oder einen Getriebeschaden bekommen? An Handynetz ist hier nicht zu denken. Das Gefühl wurde immer mulmiger, je höher wir stiegen – und die Steigungen waren teilweise ziemlich heftig. Nach 45 Minuten für 15 km waren wir endlich am Cache angekommen. Zum Glück war der Cache der Begierde und auch die beiden benachbarten „westrides 1“ (GC2BY9H) und „In Open Sky Country – Coast Range GCA5“ (GC2DKTG) noch da. So hatte sich der mentale Stress wenigstens gelohnt. Aber wir mussten die Strecke auch wieder zurück.

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Der Mietwagen hat den Weg zum GCA5 gemeistert.

 

Als wird dann nach zwei Stunden inkl. Suche, Loggen und Erinnerungsfotos endlich wieder den Highway unter den Rädern hatten, waren wir mehr als erleichtert. Wir suchten uns das nächste McDonald’s und fuhren ziemlich erschöpft, aber stolz, alles erreicht zu haben, was auf dem Plan stand, zurück nach Seattle.

 

*****

Ich hoffe, Ihr hattet beim Lesen des zweiten Teils des Gastartikels von TheGreenTool genauso viel Spaß wie ich! Über Kommentare zu dieser Artikelserie würde ich mich sehr freuen.

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  2 Antworten zu “Tour zur Block-Party aus Sicht eines Statistikcachers (Teil 2)”

  1.  

    Die Tour war ja eh recht entspannt. Ich war 2010 mit 3 Freunden in der Gegend unterwegs, GeoWoodstock bei Seattle, Block Party und annähernd alle Altcaches in der Gegend. APE inklusive. Dann noch Kanada und schnell nach Vegas. Allerdings hatten wir dafür ein paar Tage mehr Zeit, 16 um genau zu sein. Am Ende waren es dann ca. 9.000km, bis auf einen einzigen alle Caches aus dem ersten Jahr in Oregon, alle Legemonate, die den anderen noch abgingen (inkl. August mit Potters Pond in Utah), viele andere tolle Caches und viel GEGEND :) Werde die Tour so schnell nicht vergessen…

    Großer Fehler war jedenfalls, keinen SUV zu nehmen, das ist im Westen eigentlich Pflicht, speziell wenn man die alten Caches besuchen möchte. Zu vielen gerade auch im Westen Oregons führen nur solche Schotterpisten :)

  2.  

    Ihr seid am gleichen Tage noch zum Hembre Ridge gefahren! Respekt :-)
    Wir sind zu GC12 gelaufen, was auch sehr schön war.
    Also über den Hembre Ridge komm ich gerade gar nicht hinweg! Statistikcachen ist echt ein Hochleistungsport! Meins wäre es nicht, aber Ihr hattet offensichtlich Euren Spaß! Wir waren am Ende zu faul da runter zu fahren.
    Jetzt bin ich auf den nächsten Teil gespannt!

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