Okt 242013
 

Vor circa zwei Monaten hat Saarfuchs sich mal wieder ein Buch, einen Krimi, dessen Plot rund um Geocaching aufgebaut ist, gekauft und mich gebeten ihn zu lesen. Diesmal war es der Krimi „Knochenfinder“ von Melanie Lahmer.

Knochenfinder Cover Geocaching Buch von Bastei-Lübbe

Da ich gerne Krimis lese, war das für mich kein großes Opfer. Allerdings sind mir bei einem Krimi neben der logisch konstruierten Handlung, die nicht auf den ersten Blick erkennen lassen sollte, wer der Mörder ist, auch die Nebenhandlungen wichtig. Damit meine ich die Darstellung des Privatlebens der ermittelnden Figuren und die Blicke in den Alltag der potentiell Verdächtigen. Beides muss für mich einigermaßen vielschichtig sein und sich nicht platt auf die Formel „Ermittler vögelt und säuft sich durchs Leben“ bzw. „Verdächtiger erfüllt alle gängigen Klischees wie dumm-dreist, überheblich,…“ reduzieren lassen. Wer genauer wissen will, was ich meine, sollte mal einen Blick in die Inspector Lynley –Reihe von Elizabeth George werfen. Nun gut, wie steht es damit aber bei „Knochenfinder“?

 

Der Krimi-Anteil von “Knochenfinder”

Von Seiten der Polizei stehen Kommissarin Natascha Krüger und ihr Chef Hauptkommissar Winterberg im Mittelpunkt. Wie die Autorin deren private Probleme schildert, ist durchaus überzeugend und gut zu lesen, allem voran die Probleme, die Winterberg mit einem seiner fast erwachsenen Söhne hat. Hier ergeben sich auch Berührungspunkte zu dem Fall, den Winterberg und Krüger gerade bearbeiten: René Staudt, ein Mitschüler des Sohnes, ist verschwunden und schätzungsweise entführt worden. Das die Eltern das Verschwinden erst spät bemerken und zunächst auch noch gegenüber der Schule bemänteln, ist gut geschrieben und glaubwürdig – stellt sich doch im Lauf des Buches heraus, dass die heile Fassade der finanziell wohl nicht allzu schlecht gestellten Familie gar nicht so heil ist.

 

Was hat der Krimi “Knochenfinder” aber jetzt mit Geocaching zu tun?

Parallel zum Verschwinden Renés tauchen in den Finalboxen einer Cacheserie menschliche Finger auf, die sich letztlich René zuordnen lassen, der zum Zeitpunkt der Amputation noch gelebt hat. Für die Ermittler wird so klar, dass die Zeit, die ihnen bleibt, um René zu retten, knapp wird. Für die Cacherszene bedeuten die Funde Unruhe in den Foren und führen zum Disablen der Cacheserie, in der man jeweils einen Hinweis auf den Bonuscache der Serie finden konnte. Klar ist, dass der Täter ein Geocacher sein muss – aber warum tut er so etwas, bringt er so doch das Hobby in Misskredit?! Zum Ende des Krimis kann der Leser dieses Motiv erfahren und hier wird er, so überzeugend der Krimi bis dahin für mich war, für mich etwas schwach, weil ich mir ein solches Motiv schlichtweg nicht vorstellen kann. Das Motiv an sich wird oft in den Foren diskutiert, dass allerdings Jemand zu Entführung und Misshandlung greift, erscheint mir doch etwas weit hergeholt und zu extrem.

Was nun die Nebenhandlung zwischen Kommissar Winterberg und seinem Sohn angeht, muss ich auch hier Abstriche machen: Der Sohn hat Snuff-Videos auf seinem Computer, die der Vater entdeckt. Als Vater schaltet er nicht die Polizei ein, sondern entzieht seinem Sohn den Rechner. Dieser Handlungsstrang ist bis dahin für mich plausibel, er bleibt dann allerdings einfach so stehen. Da es hier aber um kein Kavaliersdelikt geht, wäre es für mich zwingend erforderlich gewesen, dass die Autorin diesen Handlungsstrang weiter verfolgt, andererseits: Vielleicht schielt diese ja schon auf eine Fortsetzung?

Was Geocaching ganz allgemein angeht, schildert die Autorin, die auch selbst cacht, mit Hilfe des von ihr eingeführten Polizisten Simon Steinhaus, der sich in Natascha Krüger verguckt und dessen Hobby Geocaching ist, die Grundlagen für Nichtcacher verständlich und korrekt. Sei es, dass die Funktionsweise eines GPS erklärt wird, was ein Traditional und ein Logbuch ist, sei es wie es nach dem Loggen vor Ort weitergeht, das hat soweit Hand und Fuß.

 

Das Ende von Knochenfinder?

Ob es der Polizei gelingt, René Staudt rechtzeitig zu finden und ob dieser Handlungsstrang überzeugt, das kann Jeder, den der Krimi interessiert, selber nachlesen. Im Großen und Ganzen habe ich selbst aber schon schlechtere Krimis – auch zum Thema Geocaching – gelesen.

 

Der Preis für Knochenfinder

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