Dez 122012
 

Wer nach qualitativ hochwertigen Caches sucht, dem ist sicher schon mal GcVote – ein alternatives Bewertungssystem für Geocaches  – über den Weg gelaufen. Ich habe für Euch Guido Wegener interviewt, von dem GcVote geschrieben wurde.


Fett gedruckt findet ihr meine Fragen und kursiv seine Antworten dazu: 

Was genau ist GcVote?

GCVote (oder ursprünglich mal GC-Vote) ist ein Service, der es Geocachern ermöglicht, die Caches auf geocaching.com mit 1 bis 5 Sternen zu bewerten.

Im Kern besteht das System aus einem zentralen Server und Erweiterungen für diverse Browser. Die Erweiterungen blenden Bewertungsinformationen auf den Seiten von Geocaching.com ein. Der GCVote-Server wird aber auch von Geocaching-Apps genutzt, die die Bewertungen einblenden oder aktive Bewertungen ermöglichen.

Wie bist Du auf die Idee zu GcVote gekommen?

Im Grünen Forum (geoclub.de) gab es hitzige Diskussionen, ob Cache-Bewertungen funktionieren können. Es gab auch Versuche, Bewertungsmöglichkeiten auf den Cache-Beschreibungen einzubauen, aber die machten wohl bei vielen Browsern Probleme und störten damit Cacher, die sich nicht für Bewertungen interessierten.

Ich hatte zufällig davon gehört, dass man mit der Firefox-Erweiterung Greasemonkey relativ einfach Änderungen an der angezeigten Webseite vornehmen kann. Das wollte ich nutzen, um ein System zu implementieren, das niemanden stört. Nur wer sich die Erweiterung installiert, bekommt überhaupt etwas von GCVote mit, so dass ein Kritikpunkt an Bewertungssystemen ausgeräumt werden konnte.

Gab es von der Idee bis zur Umsetzung irgendwelche Schwierigkeiten und wenn ja, wie bist Du damit umgegangen?

Abgesehen von technischen Problemen gab es viel Kritik von Ownern, die nicht wollten, dass ihre Caches „hinterrücks“ bewertet werden. Deswegen biete ich an, Caches von GCVote auszunehmen. Die Argumente und Gegenargumente bei dieser Diskussion würden Seiten füllen. Dieses Opt-Out für Caches halte ich für den besten Kompromiss für die Geocaching-Community.

Ansonsten gibt es immer wieder Änderungen an den Webseiten, für die GCVote dann angepasst werden muss. Zum Glück gibt es ein paar nette Leute, die mir dabei fast die ganze Arbeit abnehmen. Seit der Geburt meiner Tochter habe ich nämlich nur sehr wenig Zeit übrig.

Kannst Du uns ein paar Statistiken über Anzahl der angemeldeten Benutzer, bewertete Caches und abgegebene Bewertungen geben?

Die gibt es wöchtentlich aktualisiert auf www.gcvote.com. Zur Zeit sind 5877059 einzelne Bewertungen für 856056 unterschiedliche Caches gespeichert und 21527 Benutzer registriert.

Aber nur ein Bruchteil der angemeldeten Benutzer ist wirklich aktiv, aber wie will man Karteileichen exakt definieren?

Was kostet dich GcVote im Monat oder Jahr? Wie viel Serverplatz und Bandbreite benötigst Du?

Der Server ist ein Shared Host für ca. 10€ im Monat. Die durchschnittlich 10 Anfragen pro Sekunde verbrauchen wahrscheinlich 1 bis 2 GB Bandbreite am Tag. Aber die Bandbreite ist bei dem Angebot nicht limitiert.

Die Datenbank liegt so ungefähr bei 1 GB, wenn ich das richtig sehe.

Du hast auf deiner Webseite keine Werbung, sondern nur einen Spenden-Button? Wie wird diese Möglichkeit von deinen Nutzern angenommen?

Werbung auf der Webseite lohnt sich nicht, weil die nicht so oft aufgerufen wird. Und auch sonst sehe ich keine Möglichkeit, mit GCVote Geld zu verdienen, ohne die Nutzer übermäßig zu nerven. Der Spenden-Button war nicht mal meine Idee. Ich bin aber froh, dass es ihn gibt, weil die Kosten für den wachsenden Server in den Jahren gestiegen sind.

Der Knopf wird viel benutzt, wenn es Probleme mit GCVote gibt. Dann merken die Nutzer, wie wichtig ihnen GCVote im Alltag geworden ist. Ich schätze mal, dass ? der Kosten durch Spenden wieder rein kommen. Was ganz ok ist, weil ich keinen Gewinn machen will.

Bekommst Du Feedback von den Nutzern von GcVote? Wenn ja, was sind so die typischen Fragen und Anliegen?

Oft geht es um technische Probleme, meistens resultierend aus Namensänderungen. Früher konnte man seinen Geocaching-Namen nicht so einfach ändern, weswegen ich ihn als Erkennungsmerkmal gewählt habe, was ich jetzt nicht mehr so leicht ändern kann.

Gelegentlich stört sich jemand an einzelnen Bewertungen. Oft sind das Fälle von Vandalismus oder Racheaktionen, die ich in eindeutigen Fällen aus der Datenbank lösche. Meistens kann ich aber vermitteln und die schlechten Bewertungen werden freiwillig gelöscht.

Die Daten, die Du über Caches gesammelt hat, könnte man doch auch für eine Statistik nutzen? Warum stellst Du auf deine Webseite keine Auswertungen?

Für viele Statistiken fehlen mir einfach die Daten, weil ich nur die IDs der Caches speichere. Ich könnte deswegen bestenfalls eine Liste der „besten“ Caches der Welt erstellen. Aber selbst dafür fehlt ein gutes Kriterium. Außerdem möchte ich nicht, dass eine solche Liste zu ernst genommen wird, weil ich dann unehrliche Bewertungen erwarte. Deswegen biete ich keine offizielle Bestenliste an.

Es gibt aber eine wöchentlich aktualisierte Datei, die man sich herunterladen kann. Darin steht die Verteilung der Bewertungen zu jedem Cache. Damit kann man sich seine eigenen Statistiken erstellen. Die Details dazu gibt es hier.

Als es GcVote schon lange gab, hat Groundspeak die Favoritenpunkte eingeführt. Hat das bei GcVote zu irgendwelchen Auswirkungen geführt?

Leider nicht. Eigentlich wollte ich mit GCVote nur zeigen, dass Bewertungen sinnvoll sind und die meisten Cacher ein ähnliches Qualitätsempfinden haben. Meine Hoffnung war, dass Groundspeak die Sache aufgreift und eventuell meine Daten übernimmt. Eine externe Lösung wie GCVote ist ja immer eine Krücke.

Die Favoritenpunkte sind bisher aber kein vollwertiger Ersatz für GCVote, schon weil sie nicht auf der Karte angezeigt werden.

Allerdings scheint die Anzahl der GCVote-Benutzer langsamer als die Anzahl der Geocacher zu wachsen. Das muss aber nicht unbedingt an den Favoritenpunkten liegen.

Wie beurteilst Du dein Verhältnis zu Groundspeak? Sind die wegen GcVote schon mal auf dich zugekommen?

Groundspeak scheint GCVote nicht zu mögen. Kontakt mit mir haben sie nie aufgenommen.

Ich hatte mal angefragt, ob Groundspeak mich unterstützen will. Es ging mir darum, ein wenig gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen zu dürfen. Das wurde leider abgelehnt.

Nun noch zu Dir – ganz kurz, wie bist Du zum Geocaching gekommen und was machst Du so, wenn Du nicht gerade eine Dose suchst?

Mit dem Geocaching habe ich 2004 angefangen. Ich hatte von GPS gehört und mir ein eTrex gekauft, weil mich die Möglichkeiten der Technologie interessierten. Bei meiner Suche nach Anwendungsmöglichkeiten bin ich dann schnell auf das Geocaching gestoßen.

Zwischen meiner Arbeit als Informatiker und meiner (für das Hobby noch zu kleinen) Tochter bleibt mir leider kaum noch Zeit für Tupperdosen.

Guido, ich danke dir für dieses Interview. Möchtest Du noch einen Gruß loswerden?

Unbedingt grüßen und danken will ich skywalker90, der unglaublich viel Arbeit in die Unterstützung der neuen Kartenansicht bei geocaching.com gesteckt hat. Ohne ihn würde GCVote dieses Feature fehlen.

Ich bin aber auch allen anderen dankbar, die mir auf die eine oder andere Art geholfen und Arbeit abgenommen haben.

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  2 Antworten zu “Interview mit dem GcVote-Erfinder”

  1.  

    Ein interessanter Beitrag, auch wenn ich GCVote nicht nutze.
    Gerne mehr von derartigen Artikeln, gefällt mir gut!

  2.  

    Danke an den Schöpfer und seine Helfer. :)
    Die beste Bewertungsfunktion, die es gibt. Eigentlich ist sie bei mir täglich im Einsatz, um mich zwischen diversen Caches zu entscheiden. Unpassende Einschätzungen sind dabei sehr selten.

    Ich hoffe aber fast, das es unabhängig von Groundspeak bleibt. Ansonsten ist es vielleicht plötzlich nur noch für PMs möglich oder sie stampfen den Konkurrenten zu ihrem (m.E.n. unpraktischem) System mit den Favoritenpunkten ganz ein.

    Danke :)

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