Dez 232012
 

Heute war es endlich soweit – der Beitrag von saarzwerg und mir wurde von Dosenadvent gesendet!

Für alle diejenigen unter Euch, die lieber lesen als hören, hier nochmal die Geschichte in Textform. Den Originaltext der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens, aus dem Passagen wörtlich übernommen wurden, findet Ihr im deutschen Gutenbergprojekt.

Mit dieser kleinen Weihnachtsgeschichte möchte ich allen Lesern meines Blogs für ihr Interesse danken und wünsche Euch ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest.

(aus Wikipedia)

 

Eine Weihnachtsgeschichte
– frei erzählt und stark verkürzt nach Ideen von Charles Dickens –

Erstes Kapitel
Eine kleine Geschichte


Meine Geschichte, die ich Euch heute erzählen möchte, beginnt am Weihnachtsabend. Sie handelt von einem Geocacher. Dieser Geocacher legte sich in der Heiligen Nacht schlafen und begann zu träumen…


Zweites Kapitel
Der Erste der drei Geister


Als der Geocacher wieder erwachte, war es so finster, daß er das Fenster kaum von den Wänden seines Zimmers unterscheiden konnte.
Ich sage euch, die Vorhänge seines Bettes wurden von einer Hand weggezogen, und sich aufrichtend blickte der Geocacher dem unirdischen Gast, der sie geöffnet hatte, in das Gesicht. So dicht stand er ihm gegenüber, wie ich jetzt im Geist neben euch stehe.
»Wer und was sind Sie?« fragte der Geocacher.
»Ich bin der Geist des vergangenen Geocachings.«
Er streckte seine starke Hand aus, als er dies sprach, und ergriff sanft seinen Arm.
»Steh auf und folge mir.«

Der Geist führte den Geocacher zu den Anfängen des Geocachings zurück. Zurück in die Zeit, als die künstliche Verschlechterung der GPS-Signale abgeschaltet wurde und die private Positionsbestimmung damit auf 10m genau wurde. Er zeigte ihm den Eintrag von Dave Ulmer in die Newsgroup. Dave schlug vor, an besonderen Orten Behälter mit Tauschobjekten und einem Logbuch zu verstecken. Danach sahen Geist und Geocacher wie Dave bei Portland den ersten Schatz vergraben hatte. Der Geocacher sah weiter Jeremy Irish, wie er die Webseite geocaching.com gründete und von da an alle verfügbaren Geocaches auflistete. Sie sahen, wie die Geocaching Gemeinde langsam wuchs; es war ein Geheimtipp, kaum jemand wusste was von diesem Hobby, Lost-Places waren selten, T5er kaum vorhanden. Um einen Geocache zu finden, musste man in Deutschland weit fahren… all das konnte der Geocacher sehen und wurde müde von der Reise.

Er fühlte sich erschöpft und von einer unüberwindlichen Schläfrigkeit befallen und wusste, dass er in seinem eigenen Schlafzimmer war. Er fand kaum Zeit, in das Bett zu wanken, bevor er in tiefen Schlaf sank.


Drittes Kapitel
Der Zweite der drei Geister


Der Geocacher erwachte mitten in einem tüchtigen Geschnarche. Er befand er sich vor der Tür seiner eigenen Wohnung. In demselben Augenblick, wo sich die Hand des Geocachers auf die Klinke legte, rief ihn eine fremde Stimme bei Namen und hieß ihn eintreten. Er gehorchte.
»Nur herein«, rief der Geist. »Nur herein, und lerne mich besser kennen.«
Der Geocacher trat schüchtern ein und senkte das Haupt vor dem Geiste.
»Ich bin der Geist des diesjährigen Geocachings«, sagte die Gestalt. »Sieh mich an.«

Und wieder nahm der Geist den Geocacher mit auf eine Reise. Sie sahen die fast zwei Millionen Schatzverstecke, die es in dieser Welt gab. Sie fanden Geocaching in Zeitungen, in Magazinen und in Blogs. Jeder, der ein Handy bei sich trug, konnte auf die Suche nach Schätzen gehen. Sie erkannten, dass Geocaching zu einem Motor für Wirtschaft und Tourismus wurde. Sie schauten sich Powertrails mit weit mehr als 100 Dosen an. Auch kamen sie an T5-Caches vorbei, die immer extremer wurden, an Bäumen und Masten mit einer Höhe von über 50 Meter und Höhlen, in denen die Cacher mehr als 100 Meter in die Tiefe stiegen. Sie besuchten die Meisterschaft im Geocaching und hörten von Problemen der Geocacher mit Naturschützern, Jägern, Gemeindeverwaltungen und Behörden.

Die Glocke schlug zwölf.

Der Geocacher sah sich um nach dem Geiste, aber er war verschwunden.


Viertes Kapitel
Der Letzte der drei Geister


Die Erscheinung kam langsam, feierlich, schweigend auf ihn zu. Als sie herangekommen war, fiel der Geocacher auf die Knie nieder, denn selbst die Luft, durch die sich der Geist bewegte, schien geheimnisvolles Grauen um sich zu verbreiten.
»Ich stehe vor dem Geist des zukünftigen Geocaching?« fragte der Geocacher.
Der Geist antwortete nicht, sondern wies mit der Hand zur Erde hinab.
»Du willst mir die Schatten der Dinge zeigen, die noch nicht geschehen sind, aber noch geschehen werden?« fuhr der Geocacher fort. »Willst du das, Geist?«

Und wieder nahm der Geist den Geocacher mit auf eine Reise.

Dort, wo sie angekommen waren, kannte jeder Geocaching, es war Volkssport Nummer Eins. Es gab nur noch eine einzige Webplattform, die vom Staat kontrolliert wurde. Geocaching war dort komplett kommerzialisiert. Von der Industrie gesponsorte Berufsgeocacher führten die Statistikhitliste an. Die Top -10-Cacher wurden wie Popstars verehrt. Bei eBay konnte man weltweit die Logs von T5-Caches und die Lösungen für D5-Mysteries für viel Geld ersteigern. Nur noch diese eine Statistik zählte – Freundschaften und gemeinsames Cachen war nicht mehr möglich – zu groß war die Gefahr auch anderen Logs zu gönnen. In diesem Land wurden selbst die Gesetze für Geocaching geändert – Naturschutz und Hausfriedensbruch gab es nicht mehr – der Griff nach der Dose rechtfertigte alles. 
Zu dem beliebtesten Artikel für Lost-Place-Cacher gehörte das kleine Dynamit-Set, um sich schneller Zugang zu den abgesperrten Anlagen verschaffen zu können. Die professionellen Cacher, für die Geld keine Rolle mehr spielte, kauften Roboterdrohnen, die die Dosen finden und loggen konnten …
In seiner Angst ergriff der Geocacher die gespenstige Hand. Sie versuchte, sich von ihm loszumachen, aber er war stark in seinem Flehen und hielt sie fest. Der Geist, noch stärker, stieß ihn zurück.

Wie der Geocacher die bebenden Hände zu einem letzten Flehen um Änderung seines Schicksals in die Höhe hielt, sah er die Erscheinung sich verändern. Sie wurde kleiner und kleiner und schwand zu einem Bettpfosten zusammen.


Fünftes Kapitel
Das Ende


Ja, und es war sein eigener Bettpfosten. Es war sein Bett und sein Zimmer. Und was das Glücklichste und Beste war: die Zukunft gehörte ihm, um sich zu bessern.

»Ich will in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft leben«, wiederholte der Geocacher, als er aus dem Bett kletterte. »Die Geister von allen dreien sollen in mir lebendig sein.
Er war von seinen guten Vorsätzen so durchdrungen.

Was kann der Geocacher tun – der explosionsartige Anstieg von aktiven Geocachern wird sich nicht mehr aufhalten lassen. Er kann den Naturschutz achten und Rücksicht auf Jäger nehmen. Sich mehr Mühe geben bei Legen eigener Caches. Sie öfter fragen, muss dieser Cache wirklich sein, muss es noch ein Powertrail in dieser Gegend sein? Ist mein Cache für die Mehrzahl der Cacher interessant? Und noch viele dieser Fragen stellte er sich in dieser Nacht…

Er hatte keinen ferneren Verkehr mit Geistern, sondern lebte von jetzt an nach dem Grundsatz gänzlicher Enthaltsamkeit; und immer sagte man von ihm, er wisse Geocaching recht zu betreiben, wenn es überhaupt ein Mensch wisse. Möge dies auch in Wahrheit von uns allen gesagt werden können. Und so schließen wir mit den Worten: »Gott segne jeden von uns.«

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  2 Antworten zu “Dosenadvent: Eine Weihnachtsgeschichte”

  1.  

    Gefällt mir.
    Regt zum Nachdenken an.
    Sollte verteilt, geteilt, immer wieder wiederholt werden.
    Das sage ich, der gerne CITOs bei uns in Mittelhessen organisiert.
    Das sage ich, der gerne Events besucht und auch selbst organisiert.
    Gruß und Frihe Weihnachten.

    DreiTreiser

  2.  

    Schön geschrieben… ich wünsche Dir und Deiner Familie ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch!

    Viele Grüße aus Limburg, Jörg

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