Auf rund vier Kilometern verbindet diese Tour Fachwerkhäuser, Brückenhäuser, Klein-Venedig und einen Aufstieg zur Burg. Esslingen hat mehr zu bieten als den Marktplatz: Versteckte Treppen, ruhige Gassen und Weinberge direkt über der Altstadt warten auf euch. Mit 21 Labcaches im Gepäck entdeckt ihr die Stadt Schritt für Schritt.
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Esslingen am Neckar
Wer die historische Reichsstadt an den Ufern des Flusses besucht, begibt sich auf eine spannende Zeitreise durch das Mittelalter. Mit ihrer über 1200-jährigen Geschichte, der malerischen Altstadt voller prächtiger Fachwerkhäuser, imposanten Sakralbauten und dem charmanten Viertel Klein-Venedig bietet die Stadt eine beeindruckende Kulisse. Am besten lässt sich dieses architektonische Erbe bei einer Erkundungstour mit insgesamt 21 Labcaches entdecken, die uns zielgenau durch die verwinkelten Gassen und zu den versteckten Winkeln der historischen Altstadt und hinauf zur Burg führen. Mit unserem Abendessen verbringen wir gute drei Stunden auf unserem etwa vier Kilometer langen Rundgang.
Durch den Park Maille
Vom Hotel laufen wir nach Nordwesten, überqueren die große Kreuzung und biegen in den Park Maille ein. Die grüne Oase befindet sich auf der gleichnamigen Insel, die vom Rossneckar und dem Wehrneckarkanal gebildet wird. Schon von hier aus können wir die Innere Brücke und dahinter die historische Altstadt erblicken.
Auf unserem Weg spielen wir einige Labcaches des LabAdventures. Auf der anderen Seite des Flusslaufs sind die markanten Gebäude von Amtsgericht und Ritterbau zu sehen.
Wir verlassen den Park hinter der Inneren Brücke und steigen die Treppe auf die Brücke hinauf.
Über die Innere Brücke zum Paracelsushaus
Oben auf der Brücke angekommen, bewundern wir die kleinen Brückenhäuser. Die Innere Brücke stammt ursprünglich aus dem 13. Jahrhundert und war einst Teil der wichtigen Handelsstraße zwischen Flandern und Oberitalien. Die kleinen Brückenhäuschen, die sich auf den Pfeilern erheben, wurden größtenteils im 18. und 19. Jahrhundert erbaut und verleihen dem Übergang sein ganz besonderes Flair.
Zwischen den charakteristischen Brückenhäusern steht die Nikolauskapelle. Das gotische Bauwerk mit seinem Glockengiebel wurde um 1300 errichtet und 1350 erstmals urkundlich erwähnt. Ursprünglich als Gotteshaus für die Schiffer und Flößer gedacht, wandelte sich die Nutzung im Laufe der Jahrhunderte gewaltig: Im 16. Jahrhundert diente das Gebäude als Verkaufsstand und im 19. Jahrhundert sogar als erste Werkstatt der bekannten Feilenfabrik Dick.
Diese gotische Kapelle dient seit 1956 als Mahn- und Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus.
Wir schlendern weiter durch die Straße und bemerken kaum, dass wir uns immer noch auf einem Brückenbauwerk befinden. Nur wenige Schritte weiter kommen wir zu einem beeindruckenden Fachwerkbau, dem Paracelsushaus.
Das mächtige Fachwerkgebäude wurde laut Inschrift im Jahr 1502 erbaut und blickt somit auf eine mehr als 500-jährige Geschichte zurück. Seinen Namen verdankt das Haus der Überlieferung, dass der berühmte Arzt und Philosoph Theophrastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, hier im Jahr 1531 gewohnt haben soll. Die markante Fassade mit dem schmuckvollen Zierfachwerk entstammt allerdings späteren Erneuerungen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Rund um das historische Rathaus
Vom Paracelsushaus gehen wir zurück über die Innere Brücke und folgen der Straße bis zum Postmichelbrunnen. Der Brunnen wurde 1916 von Emil Kiemlen erbaut und erinnert an die bekannte Esslinger Sage des Postmichels. Dieser soll im Jahr 1491 unschuldig wegen des Mordes an einem Postreiter hingerichtet worden sein und schwor auf dem Schafott, dass sein Geist so lange keine Ruhe finden werde, bis der wahre Täter überführt sei. Der Brunnen zeigt die Figur des Postreiters mit Posthorn und Peitsche.
Vom Platz mit dem Brunnen gehen viele kleine Gassen ab. Ich werfe einen Blick in die Archivstraße, wo ich im Hintergrund bereits die aufragende Stadtkirche erkennen kann.
Da wir zum Rathaus möchten, lassen wir die Gasse links liegen und biegen stattdessen in die Fischbrunnenstraße ein. Sie führt uns direkt zu einem riesigen Fachwerkbau, der imposanten Rückseite des Alten Rathauses.
Wir schlendern weiter zum Marktplatz und sehen nun das beeindruckende Bauwerk von vorne. Das Alte Rathaus wurde um 1420 ursprünglich als städtisches Kauf- und Steuerhaus errichtet. Die weltberühmte Renaissance-Giebelfront mit der astronomischen Uhr und dem Glockenspiel fügte Heinrich Schickhardt in den Jahren 1586 bis 1589 hinzu. Jeden Tag erklingt hier das historische Glockenspiel und zieht zahlreiche Besucher an.
Etwas weiter ist vom Marktplatz aus die Stadtkirche mit ihren beiden markanten, durch eine Brücke verbundenen Türmen gut zu sehen.
Die evangelische Stadtkirche St. Dionys wollen wir als nächstes umrunden.
Im großen Bogen um die Stadtkirche
Wir laufen über den Marktplatz, der gerade eine riesige Baustelle ist, lassen die Stadtkirche links liegen und schlendern rechts am Münster St. Paul vorbei, um anschließend durch den Innenhof zwischen Bürgeramt und J. F. Schreiber-Museum in Richtung der Agnesbrücke zu gehen.
Von dort aus können wir den weithin sichtbaren Turm des Schelztors sehen. Der rechteckige Torturm aus dem späten 13. Jahrhundert war einst ein bedeutender Teil der historischen Stadtbefestigung, die zum Schutz der Pliensauvorstadt erbaut wurde. Seinen Namen verdankt er der Adelsfamilie Schelch, die in unmittelbarer Nähe einen Hof besaß.
Auf der Grünfläche entdecken wir eine Stauferstele. Die achteckige Gedenksäule erinnert an das bedeutende Herrschergeschlecht der Staufer, das im Mittelalter als römisch-deutsche Könige und Kaiser regierte und auch die Geschicke Esslingens maßgeblich prägte. Die Form der Stele greift bewusst architektonische Elemente der Stauferzeit auf, während ein goldenes Band am oberen Abschluss symbolisch die kaiserliche Würde repräsentiert.
Gleich gegenüber fällt uns ein riesiges Fachwerkhaus ins Auge, die Alte Zimmerei.
Wir überqueren die Abt-Fulrad-Straße, die uns einen tollen Blick über den Marktplatz und hinauf zur Esslinger Burg bietet.
Von dort schlendern wir weiter zum Georg-Christian-von-Kessler-Platz unmittelbar neben der Stadtkirche.
Gleich gegenüber befindet sich der Gebäudekomplex aus ehemaligen Wohnhäusern und dem ehemaligen Diakonat, der seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von der Sektkellerei Kessler genutzt wird.
Besonders beeindruckt mich der gedeckte Brunnen davor.
Ich schaue auf meine Labcache-App und möchte nun hinunter zum Neckar.
Weiter zu Klein-Venedig
Um dorthin zu gelangen, nehme ich die kleine, unscheinbare Treppe, die sich unauffällig zwischen zwei historischen Häusern versteckt.
Sie führt mich direkt nach unten zum Rossneckar. Der Name dieses malerischen Arms des Neckars leitet sich von der historischen Nutzung her, denn hier wurden einst die Pferde der Stadt und der Schiffer getränkt und gewaschen. Heute prägen alte Wehranlagen, schiefe Fachwerkhäuser direkt am Wasser und üppiges Grün dieses beschauliche Uferstück.
Es ist sehr idyllisch hier unten. Jetzt ist mir auch klar, warum dieser charmante Teil von Esslingen im Volksmund liebevoll als „Klein-Venedig“ bezeichnet wird: Die engen Kanäle, die dicht ans Wasser gebauten Fachwerkhäuser und die kleinen Fußgängerbrücken versprühen ein unvergleichlich mediterranes und zugleich uriges Flair.
Nachdem ich die Fragen für die Labcaches erfolgreich eingegeben habe, setze ich mich auf eine freie Bank am Ufer und lasse die friedliche Szenerie noch etwas auf mich wirken.
Durch Beutau
Von Klein-Venedig laufe ich denselben Weg zurück, den ich gekommen bin, und weiter über den Marktplatz in Richtung der Frauenkirche, deren markanter Turm bereits hinter der Häuserzeile hervorschaut. Die evangelische Frauenkirche gilt als eine der ältesten gotischen Hallenkirchen Süddeutschlands und wurde ab dem 14. Jahrhundert erbaut. Ihr schlanker, hoch aufragender Turm prägt maßgeblich die historische Skyline der Stadt.
Ich überquere die Straße und biege in eine beschauliche Gasse des historischen Wohnviertels Beutau ein. Das Viertel besticht durch seine ruhige, charmante Atmosphäre und steile, verwinkelte Gassen, die vom einstigen Weinbau in dieser Region zeugen.
Gemütlich schlendern wir durch diese Wohngegend, in der am Abend eine wohltuende Ruhe einkehrt und auf den Straßen nicht mehr viel los ist.
Hinauf zur Esslinger Burg
Bei unserem Spaziergang durch Beutau fällt uns eine gedeckte Treppe, die Burgstaffel, auf, die über die historische Stadtmauer hinauf zur Burg führt.
Wir beschließen, den überdachten Stufen nach oben zu folgen, was recht kräftezehrend ist. Unterwegs bekommen wir aber bereits tolle Blicke auf die unter uns liegende Altstadt geboten.
Je höher wir kommen, umso besser wird unsere Aussicht. Besonders die Stadtkirche St. Dionys ragt imposant über den historischen Dächern heraus.
Es dauert einige Zeit, bis wir oben ankommen. Erst kurz vor dem höchsten Punkt können wir den imposanten Dicken Turm sehen. Dieser wurde ab 1527 als Teil der Renaissance-Festung errichtet. Er diente einst sowohl der Verteidigung als auch der städtischen Repräsentation und erhielt im Jahr 1887 seinen prägnanten Turmhelm nach Nürnberger Vorbild.
Von hier oben kann ich sogar das Alte Rathaus und einen kleinen Teil des Rathausplatzes im Stadtzentrum erkennen.
Der Burghang wird seit Jahrhunderten intensiv zum Weinanbau genutzt. Bereits im Mittelalter prägten die steilen Terrassenlagen das Stadtbild, und Esslingen zählte damals zu den größten Weinbaustädten im schwäbischen Raum. An den sonnenverwöhnten Steillagen unterhalb der Festungsanlagen gedeihen bis heute vor allem erstklassige Rebsorten wie der Trollinger und Lemberger.
Wir gehen etwas zurück und nutzen die Abzweigung zum Innenbereich der Anlage, die heute als gepflegter Park gestaltet ist. Der Dicke Turm wird gerade wunderschön vom warmen Abendlicht angestrahlt.
Nach dem anstrengenden Aufstieg gönnen wir uns eine wohlverdiente Pause im gemütlichen Biergarten der Burgschenke. Danach verlassen wir das Areal und wandern über die Landolinsteige wieder nach unten. Dort schaue ich noch ein letztes Mal über die Reben hinauf zur Festung.
Danach gehen wir zurück in unser Hotel, um fit für den nächsten Tag zu sein.
Meine Hotelempfehlung für Esslingen
Für meinen Besuch in der historischen Altstadt habe ich mir das Bett & Bike Hotel Ecoinn (Provisionslink) gebucht, welches sehr zentral und in bequemer, fußläufiger Entfernung zur Altstadt liegt. Unser Zimmer ist recht geräumig und verfügt über einen Schreibtisch, mehrere große Fenster sowie einen praktischen kleinen Vorraum.
Auch das Badezimmer ist äußerst geräumig und zweckmäßig eingerichtet. Besonders die Dusche gefällt mir sehr gut.
Das Frühstück wird morgens in vielfältiger Buffetform angeboten und lässt bei mir keinerlei Wünsche offen. Unsere Fahrräder konnten wir problemlos in einem sicher abgeschlossenen Fahrradraum unterstellen, in dem sogar Lademöglichkeiten für die E-Bike-Akkus zur Verfügung gestanden hätten.
Meine Restaurantempfehlung für Esslingen
Bei unserem Rundgang um den Marktplatz fallen uns sofort die einladenden Tische im Freien vor dem Restaurant 1582 ins Auge. Da uns sowohl die regionale Speisekarte als auch die Preisgestaltung auf Anhieb zusagen, lassen wir uns hier nieder.
Das Gebäude, in dem sich das Restaurant befindet, ist ein breiter Renaissancebau mit prächtigem Zierfachwerk über einem steinernen Sockelgeschoss. Es wurde im Jahr 1582 über älteren Gewölbekellern errichtet und ist der letzte erhaltene Bauzeuge des einstigen Katharinenspitals. Seit dem 19. Jahrhundert wurde das Haus wiederholt umgenutzt, wovon bis heute ein historisches Wappen an der Wand zeugt.
Ich bestelle mir einen Schweinebraten nach schwäbischer Art mit handgemachten Spätzle, feinem Kartoffelsalat und einer kräftigen Rahmsoße, der hervorragend schmeckt.
Wer sich in der Gegend aufhält und die bodenständige, regionale Küche schätzt, dem sei ein Besuch im 1582 wärmstens empfohlen.
Interaktive Karte meiner Tour durch Esslingen
Auf der folgenden Karte könnt ihr die auf meiner Tour durch die historische Altstadt von Esslingen von mir besuchten Sightseeing-Spots, meine Unterkunft und das Restaurant, in dessen Biergarten ich eingekehrt bin, sehen. Die Labcaches, die ich geloggt habe, habe ich euch ebenfalls in die Karte eingezeichnet. Die Karte ist interaktiv: Ihr könnt hinein- und herauszoomen und die Marker anklicken. Bei den Lab- und Geocaches öffnet sich das Listing bei einem Klick auf den Cachenamen. Bitte beachtet, dass der Link zur Unterkunft ein sogenannter Provisionslink ist. Bucht ihr über diesen, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass ihr mehr zahlt. Damit unterstützt ihr meinen Blog!
Falls euch meine Tour interessiert, so könnt ihr hier meine gpx-Datei herunterladen. Inzwischen habe ich meine Tour durch Esslingen auch in meinem Komoot eingestellt.
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Diese Tour habe ich im Rahmen meiner Radtour über den Neckartal-Radweg von Tübingen nach Heidelberg unternommen. Meinen Überblicksbeitrag zu dieser Tour findet ihr unter Radfahren & Geocaching: 5 Tage auf dem Neckartal-Radweg.
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Wie hat euch mein Bericht von meinem Besuch in Esslingen am Neckar gefallen? Seid ihr selbst schon dort gewesen? Was habt ihr in der Stadt unternommen und angeschaut? Wie immer freue ich mich auf eure Kommentare unter diesem Beitrag.






































